Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Der Landesjägermeister berichtet

Der Vorstand hat nach einem Grundsatzbeschluss des Landesjagdausschusses einen Entwurf eines Disziplinarrechtes erarbeitet.

Dieser wurde an die Aufsichtsbehörde des Landes OÖ geschickt, um prüfen zu lassen, ob wir Vergehen, die keine behördlich zu sanktionierenden Straftaten darstellen, selbst ahnden können und dürfen. Dabei geht es nicht um Einmischen in behördliche Verfahren, Doppelbestrafungen oder Vernaderungen, die im Vorfeld bei der Prüfung der Fälle heraus fallen müssen, sondern um bewusstes Umgehung von Richtlinien und von sinngemäßen Anwendungen der Weidgerechtigkeit und Weidkameradschaft etc.

Dabei sollen durch ein kleines Gremium genau jene Jäger geschützt werden, die ordentlich jagen, aber jene, die die gesamte Jägerschaft in der Öffentlichkeit ins schiefe Licht rücken, gehört und gegebenenfalls bestraft werden. Dies geschieht zum Schutz unserer jagdlichen Gemeinschaft.

Die Erfahrungen mit Medien und jagdgegnerischen Vereinen zeigt, dass Vergehen einzelner Jäger zu einer Pauschalverurteilung der Jagd an sich herangezogen werden und damit das Ansehen der Jägerschaft immer wieder gröblichst verletzt wird.

Mag in einem Rechtsstaat eine Art von „Sippenhaftung“ ausgeschlossen sein, ist aber eine Abwehr pauschal formulierter Angriffe gegen die Ehre und das Ansehen der Jägerschaft als Gruppe mangels einer Rechtspersönlichkeit mit rechtlichen Schritten nicht möglich.

„Wer schützt die Jägerschaft, die ethisch und weidgerecht die Jagd ausübt, vor ungerechtfertigten pauschalierten Anfeindungen?“ Mit dieser Frage setzte und setzt sich der Vorstand intensiv auseinander.

Wenn wir für uns in Anspruch nehmen wollen, auch Eigenverantwortung für die Jagdausübung zu besitzen, müssen wir Überlegungen zum möglichen Schutz der ordentlich tätigen Jäger anstellen. Dazu bedarf es auch Möglichkeiten, auf unrechtmäßig handelnde einzelne Jäger Einfluss zu nehmen und die Allgemeinheit der Jägerschaft vor deren Auswirkungen zu schützen.

Der OÖ Landesjagdverband ist eine Interessensvertretung, die die Interessen ALLER Jäger, also einer GESAMTHEIT sowohl nach den Bestimmungen des Oö. Jagdgesetzes, als auch satzungsmäßig zu vertreten hat.

Dazu gehört nicht nur die Aufgabe, berechtigte Anliegen der Jägerschaft vor dem Gesetzgeber zu vertreten und im Rahmen des möglichen einer Umsetzung zuzuführen, sondern auch die Jägerschaft vor Herabwürdigung ihres Ansehens und ihrer Würde durch Pauschalvorwürfe, für die die Vergehen einzelner Jagdausübender verantwortlich sind, zu schützen. Auch hier gilt, wie in der Politik ständig darauf hingewiesen wird: das ALLGEMEININTERESSE der Jägerschaft steht vor den Einzelinteressen eines durch eigenes Verschulden hervorgerufenen Schutzbedürfnisses eines Jägers, der grob gegen Gesetz und Weidgerechtigkeit verstoßen hat.

Das derzeitige Jagdgesetz lässt der Jägerschaft keine Möglichkeit, sich durch ihre Interessensvertretung in ihrem ALLGEMEININTERESSE schützen zu lassen. Wie deutlich das sogar Jagdgegner erkannt haben, geht aus vorliegenden Antworten hervor, wo vorwurfsvolles Vorbringen zu Missständen an den Landesjagdverband, die von diesem mit „wir versuchen Fehlverhalten von einzelnen Jägern zu unterbinden“ beantwortet wurden, als geradezu „lachhaft“ zurückgewiesen wurden. Bekanntlich fehlt jede Möglichkeit seitens der Interessensvertretung gegen grobe Verstöße disziplinierend einzugreifen.

Damit wird den Funktionären auch die Möglichkeit erschwert, zu einer Pressebefragung bei angeprangertem Fehlverhalten erklären zu können, dass zuerst der sichere Tatbestand zu klären ist, um eine Vorverurteilung hintanzuhalten. Das steht in einem Rechtsstaat jedem Beschuldigten zu!

Das ermöglicht uns das Disziplinargericht der Jägerschaft sowie, wo zuständig, erfolgt dies durch die Behörde. Bestätigt sich der Vorwurf, wird der Beschuldigte entsprechend seines Vergehens bestraft.

Die Möglichkeit der Schaffung eines Disziplinargerichtes zum Schutz der Allgemeininteressen der Jägerschaft im Rahmen der Jagdgesetzgebung ist daher ein Anliegen des Vorstandes. Ein ausgearbeiteter Entwurf für ein solches Disziplinarrecht wurde den zuständigen politischen Gremien zur Begutachtung übergeben und wird im Falle einer Verwirklichungsmöglichkeit noch einer demokratischen Behandlung im Landesjagdausschuss unterzogen.

Ängste oder Gegenargumente können mangels inhaltlicher Kenntnisse des Disziplinarrechtsentwurfes entstehen, oder geschürt werden.

Jedenfalls ist die Frage zu stellen, woher die Angst kommt, dass der Landesjagdverband zu einer „Nebenbehörde“ oder „Strafbehörde“ mutieren könnte?

Es muss doch im Interesse des überwiegenden Teiles der Jägerschaft liegen, dass ihr Ruf und ihr Ansehen als Allgemeingut geschützt wird!

Andere Bundesländer, die ein Disziplinarrecht in ihrem Jagdgesetz verankert haben, bezeugen die positive Schutzwirkung im Sinne der Jägerschaft durch dessen präventive Wirkung.

Wer sich die Mühe macht, den Entwurf des Vorstandes für ein Disziplinarrecht vor einer Zurückweisung zu lesen, wird feststellen, dass zum Schutz eines Beschuldigten vor einer Verfahrenseinleitung und/oder Verhängung einer Disziplinarstrafe eine so umfassende Beweisführung durch einen (an die Schweigepflicht gebundenen) rechtskundigen Disziplinaranwalt erforderlich ist, dass eine Tatbestandsfeststellung, die zu einer Verurteilung führt, von der Jägerschaft nur als zu ihrem Schutz dienend angesehen werden kann.

Der Entwurf zum Disziplinarrecht sieht vor, dass die Mitglieder des Disziplinarrates Mitglieder des OÖ Landesjagdverbandes sein müssen. Außer dem rechtskundigen Vorsitzenden sind die zwei Beisitzer aus den Reihen der Jägerschaft zu wählen. Damit ist eine Instrumentalisierung von wie auch immer gearteten anderweitigen Interessen ausgeschlossen.

Für die Rechtsanwaltskammer, die Kammer der Architekten und Ingenieure, der Interessensvertretung der Steuerberater, der Ärztekammer usw. ist ein Disziplinarrecht ex lege in ihrem Standesrecht verankert. Der Vorstand erlaubt sich die Frage, ob die Jägerschaft so viel weniger wert ist, dass sie sich nicht vor den wenigen „unbelehrbaren“ Rufschädigern aus ihren Reihen schützen darf?

Den Inhalt des Disziplinarrechtsentwurfes hier anzuführen, wäre zu umfangreich. Es können aber zu den Öffnungszeiten der Geschäftsstelle alle Mitglieder des OÖ LJV in den Entwurf Einsicht nehmen oder Detailauskünfte anfordern. Eine Mitwirkung beim demokratischen Meinungsbildungsprozess für oder gegen ein Disziplinarrecht setzt voraus, sich vorher mit dessen Inhalt und Wirkung vorweg auseinanderzusetzen.

Konstruktive Einwände und Vorschläge nimmt der Vorstand gerne zur Weiterbehandlung entgegen.

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