Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Jagd Österreich: Positionspapier zum Wolf

Positionspapier von Jagd Österreich zur Rückkehr des Wolfes...

Wien, im Jan 2018

POSITIONSPAPIER
zum Thema
„Wölfe in Österreich“

1.      Allgemeine Vorbemerkungen

Grundsätzlich sind Wölfe in Österreich in allen neun Landesjagdgesetzen ganzjährig geschont. Der totale Schutzstatus dieses hundeartigen Haar- bzw. Großraubwildes im Sinne eines absoluten Tötungsverbotes wurde mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 ausgeweitet, da die Wölfe EU-weit seit 1992 unter den Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) gestellt wurden (Österreich: Anhang II und IV). Zweck dieser Richtlinie ist die Wiederherstellung bzw. Bewahrung eines günstigen Erhaltungszustandes im jeweiligen Mitgliedsland.

Solange daher das Wildtier „Wolf“ nicht reguliert bzw. bejagt werden darf, ist dessen Rückkehr in die österreichische Kulturlandschaft nur indirekt ein Thema für die Jagd in Österreich. Dennoch beziehen die Österreichischen Landesjagdverbände mit diesem Dokument eine klare Position in dieser gesellschaftspolitischen Fragestellung. Dies deshalb, weil Wölfe als Schadens- oder Konfliktverursacher mit ihrem erneut vermehrten Aufkommen in der österreichischen Kulturlandschaft wesentliche Interessen der Jägerinnen und Jäger zu berühren oder zu beeinträchtigen drohen.

 

2.      Das Wildtier „Wolf“ in Österreich

Der Dachverband „Jagd Österreich“ versteht sich als Experte der Wildtiere und von deren Lebensräumen. Aus dieser Perspektive heraus wird seit etwa zweieinhalb Jahren ein enormer Anstieg der Wolfspopulationen in Österreich sowie der Wolfsrisse von Weide- und Wildtieren registriert. Neben durchziehenden Einzelindividuen hat sich im Bereich des Truppenübungsplatzes (TÜPL) in Allentsteig ein Wolfsrudel gebildet, das mittels DNA-Auswertungen bereits bestätigt wurde. Die Vermehrungsrate der Wölfe wird aufgrund von Daten aus Nachbarländern auf über 30% geschätzt.

Daher ist in Österreich, aber auch in ganz Europa, mit einer stetigen Zunahme der Wolfsdichte zu rechnen. In Europa wird die Population auf 30.000 und in Mitteleuropa (ohne Russland und Ukraine) auf 18.000 Wölfe geschätzt. Obwohl dieses Großraubwild, wie auch viele andere Tierarten beziehungsweise Säugetiere, mit einigen Bedrohungen konfrontiert ist, sind seine relative Verbreitung und die stabile Populationsentwicklung hinreichende Gründe dafür, keines der Kriterien für gefährdete Tierarten in Europa als erfüllt oder annähernd erfüllt zu beurteilen. Daher ist der Wolf aus Sicht der österreichischen Jägerschaften keine vom Aussterben bedrohte Tierart.

 


3.      Direkte Betroffenheit der Jagd

Hauptbeute der Wölfe ist Schalenwild, insbesondere Rot-, Reh- und Gamswild. Der Nahrungsbedarf ausgewachsener Wölfe liegt durchschnittlich bei 2-3 Kilo Fleisch pro Tag. Aufgrund der dafür notwendigen intensiven Bejagung durch dieses Großraubwild kommt es zusätzlich zu den stets ansteigenden Belastungen innerhalb der Lebensräume zu einer verstärkten, dauerhaften Beunruhigung, vor allem von Rotwild. Das verändert die Lebensweise der genannten Wildtiere, was vermehrte Schäden am Wald (z. B. Schälschäden) zur Folge hat, wobei diese wegen der verursacherunabhängigen Wildschadensentschädigung von der Jägerschaft ersetzt werden müssen.

Verschärfend kommt hinzu, dass das Rotwild an Fütterungsstellen, welche aus Gründen der Lenkung und der Überbrückung von Notzeiten im Winter eingerichtet werden, durch ein verstärktes Auftreten von Wölfen massiv gestört werden kann. Ist dies vermehrt der Fall, zieht sich diese Wildart in größeren Rudeln in schwer zugängliche Lagen zurück. Dabei besteht zusätzlich zur oben geschilderten erhöhten Wildschadensproblematik die Gefahr, dass es in den betroffenen Gebieten zu Hungerfraß kommt und die dringend notwendigen Schutz- und Bannwälder verstärkt gefährdet beziehungsweise geschädigt werden.

 

  1. 4.      Auswirkungen auf Lebensräume

Gravierende negative wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen aufgrund der leichteren Verfügbarkeit der Weidetiere als Beute treten sukzessive auf den Almen sowie in zum Teil dicht besiedelten, land- und forstwirtschaftlich genutzten Lebensräumen auf. Viele Almbauern verzichten bereits auf die Sommerweide, weil in einigen Gebieten eine große Anzahl an Rissen registriert wird. Das bedeutet nicht nur hohe finanzielle Verluste für die Alm- und Landwirtschaft, sondern eine massive Belastung aller Lebensräume sowie des Landschaftsbildes. Dadurch wird zudem die biologische Haltung von Haustieren, aber auch eine touristische Nutzung, gefährdet.

Bereits andiskutierte Herdenschutzmaßnahmen sind insofern in Frage zu stellen, als sie ebenso einen massiven Eingriff in die Lebensräume darstellen. Herdenschutzhunde sind auf Dauer nicht nur ein großer Kostenfaktor, sondern stellen für Spaziergänger und Haushunde ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Zudem haben Auseinandersetzungen zwischen beiden meist einen tödlichen Verlauf. Ebenso sind Einzäunungen durch Wanderbeweidung und die topografischen Gegebenheiten schwer oder nicht umsetzbar bzw. aufgrund der Lernfähigkeit der Wölfe nur kurzfristig wirksam einsetzbar. Fazit: Unsere Kulturlebensräume – unter anderem mit intensiver Alm- und Weidewirtschaft sowie touristischer Nutzung – bieten Wölfen keinen ausreichenden Platz.

 

  1. 5.      Management für alle Wildarten

Wölfe fassen in Österreich Fuß. Als große und wehrhafte Beutegreifer stehen sie in verschiedenen Beziehungen zu anderen Tierarten und zum Menschen. Unter anderem kam es in der Vergangenheit zu gefährlichen Annäherungen und Unfällen, die mit schweren Verletzungen oder gar tödlich endeten (59 Wolfsangriffe auf Menschen zwischen 1950 und 2000 in Europa, 38 von tollwütigen Tieren und 4 davon mit tödlichem Ausgang). Teile der Bevölkerung sowie Wirtschaftstreibende sehen deshalb mit großer Sorge, wie sich Wölfe in der Nähe von Ortschaften und Gehöften herumtreiben sowie in Tourismusregionen Ängste bei Erholungssuchenden verbreiten.

 

Deshalb müssen die Wölfe Teil eines ganzheitlichen Wildtiermanagements sein. Ein solches sollte ja darauf abzielen, die jeweilige Population in einer an das jeweilige Biotop angepassten oder verträglichen Dichte zu halten. Nehmen die Schäden oder die Gefährdungen der Artenvielfalt oder des Schutzes einzelner Arten überhand, sollte in Bestände – auch des Wolfes – rechtzeitig eingegriffen werden können. In dem Zusammenhang ist die Regulierung von Wolfsbeständen kein explizites jagdliches Ziel. Allerdings werden in absehbarer Zeit wohl erneut die Jägerschaften zur Problemlösung herangezogen, ohne selbst Verursacher zu sein.

 

  1. 6.      Forderungen der Jagd in Österreich an die Politik
  • Initiierung und Sicherstellung eines wissenschaftlich fundierten bzw. begleiteten gesellschaftspolitischen Diskurses zur Frage, ob überhaupt und wenn ja, wo und in welcher Quantität Wölfe als Großraubwildtiere in einer unter anderem von intensiver Alm- und Weidewirtschaft sowie touristischer Nutzung geprägten österreichischen Kulturlandschaft Platz haben.
  • Ermöglichung einer Bestandsregulierung der Wölfe im oben beschriebenen Sinne, indem der Schutz dieser Großraubwildart aus dem Anhang IV in den Anhang V der FFH-Richtlinie überführt wird bzw. Ausnahmebewilligungen zur Entnahme bzw. Bejagung gem. Art. 16 FFH-RL geschaffen werden.
  • Aufbau einer länderübergreifenden wildökologischen Raumplanung für Wölfe innerhalb Europas, inklusive der Überarbeitung des Wolfsmanagement-Plans 2012 sowie unter Abschätzung der Folgen für die Alm- und Weidewirtschaft, den Tourismus, die Forstwirtschaft, die Jagd sowie die Biodiversität in Österreich.
  • Übernahme sämtlicher durch Wölfe verursachter Schäden bzw. Kosten für Prävention durch die öffentliche Hand, wobei eine Beweislastumkehr insofern vorzusehen ist, als die Beweispflicht im Falle von vermuteten Rissen oder Einflüssen von der zuständigen Behörde zu erbringen ist.
  • Objektive und zentrale Sammlung von Daten aus dem Wolfs-Monitoring und im Hinblick auf Genmaterial, inklusive der vollen Transparenz in Bezug auf Bestandszahlen sowie der Offenlegung der Gensequenzen von Wölfen, unter anderem, um Hybridisierungen frühzeitig erkennen und nachweisen zu können.
  • Ergänzung des Wildtiermanagements um Wölfe, insbesondere mit der Schaffung von „Wolffreihaltezonen“ in ganz Österreich, analog zum Modell der Rotwildbewirtschaftung, sowie Ermöglichung der sofortigen Entnahme von verhaltensauffälligen oder erkrankten Tieren, analog zu den „Hegeabschüssen“.
  • Stärkung der  ”Länderübergreifender Koordinierungsstelle für den Braunbären, Luchs und Wolf (KOST)”, um eine regionale und überregionale Raumplanung für Wolfsvorkommen und eine objektivierte Management-Position für Österreich zu erarbeiten und zu verankern.

 

Dachverband „Jagd Österreich“
29. Januar 2018

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