Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Die Rückkehr des Wolfes

Positionspapier des OÖ Landesjagdverbandes zur Rückkehr des Wolfes nach (Ober)Österreich

Der Wolf war bis ins 19. Jhdt. in ganz West- und Mitteleuropa verbreitet, wobei er aufgrund vieler Konflikte mit dem Menschen durch Verfolgung ausgerottet wurde. In wenigen, isolierten Vorkommen Mitteleuropas sowie in größeren, maßvoll bejagten Beständen Osteuropas überlebte er.

Immer wieder gab es in Österreich Einzelsichtungen bzw. -nachweise, bis es im Jahr 2016 nachweislich eine Reproduktion von Wölfen (Truppenübungsplatz Allentsteig) gab.

Nun wird damit gerechnet, dass sich die Wölfe mit zunehmender Geschwindigkeit neue Lebensräume suchen und sich in und um Allentsteig fest etablieren.

Wenn man die offiziellen Zahlen des deutschen Bundesamtes für Naturschutz nimmt, so lebten im Sept. 2016 in Deutschland mindestens 46 Wolfsrudel, 15 Paare und vier sesshafte Einzeltiere sowie eine unbekannte Anzahl nicht territorialer Einzelwölfe. Und das nach der Zuwanderung eines einzelnen Paares im Jahr 2000 aus Polen!

Aus den Zahlen in Deutschland lässt sich kontinuierlich ein Zuwachs von über 30 Prozent pro Jahr ablesen.

In Österreich ist der Wolf in sämtlichen Jagdgesetzen ganzjährig geschont bzw. gelten und galten schon seit Jahren internationale Abkommen zum Schutz des Wolfes. Bis auf wenige (angebliche) Sichtungen bzw. zwei Abschüssen zur Jahrtausendwende in OÖ sowie je einer in der Steiermark und in Kärnten war der Wolf in Österreich aber bis 2016 kein wirkliches Thema.

Mit dem Beitritt zur Europäischen Union 1995 wurde der Schutzstatus in Österreich ausgeweitet, da die Wölfe EU-weit seit 1992 unter den Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) gestellt wurden (Österreich: Anhang II und IV).

Ziel der FFH-Richtlinie ist die Wiederherstellung bzw. Bewahrung eines günstigen Erhaltungszustandes für die in den Anhängen genannten Arten im jeweiligen Mitgliedsland. Für die großen Beutegreifer in Europa sind die fachlichen Kriterien dafür in den „Leitlinien für Managementpläne für Großraubtiere in Europa“ (Linnell et al. 2008) angeführt, welche die EU-Kommission als nicht rechtsverbindliche Auslegungshilfe heranzieht.

Diese Leitlinien gehen ausschließlich von einer Bewertung des Erhaltungszustandes von Großraubtieren auf Populationsebene aus. Österreich liegt nach Ansicht des Oberösterreichischen Landesjagdverbandes (OÖ LJV) an der Grenze verschiedener zusammenhängender Wolfsvorkommen, dessen günstiger Erhaltungszustand bereits über Jahre nachgewiesen ist (siehe Abb. 1). Ein genetischer Austausch mit anderen Populationen ist gewährleistet, was die Tatsache von immer wieder gesichteten und genetisch bestätigten Einzeltieren belegt.

 


Abbildung 1: Die europäischen Wolfspopulationen der Kernverbreitungsgebiete. Einzelindividuen bzw. kleine Subpopulationen sind nicht berücksichtigt.

Quelle: https://chwolf.org/woelfe-kennenlernen/verbreitung-lebensraeume  (4. Juli 2017)

 

Der OÖ LJV fordert:

  • · Die Verantwortlichen mögen sich jetzt schon damit auseinandersetzen, wie die zunehmende Wolfspopulation in Zukunft auf einem stabilen, den Lebensraumbedingungen angepassten Niveau reguliert werden kann.
  • · Der Wolf ist in der FFH-Richtlinie aus dem Anhang IV in den Anhang V zu überführen.
  • · Die OÖ Landesregierung möge das wissenschaftlich objektive Wolfs-Monitoring in Abstimmung mit der Bundesregierung fortsetzen (Koordinierungsstelle für Großraubwild, KOST) und mit der EU-Kommission Gespräche führen, damit ein gemeinsames, grenzüberschreitendes Wolfs-Management durchgeführt wird. Dabei darf es nicht an bürokratischen Hürden scheitern. Der Wolf als Tierart ist europaweit nicht gefährdet!
  • · Die bereits vorhandenen und künftig zu erwartenden Ergebnisse der zahlreichen Genproben sind in regelmäßigen Abständen dem OÖ LJV zur Verfügung zu stellen.
  • · Die Entscheidungsträger mögen dementsprechend klarstellen, dass gemäß den Kriterien der „Large Carnivore Initiative for Europe“ (LCIE, www.lcie.org) die Bezugsgrößen für den Erhaltungszustand einer Art immer für eine gesamte Population gelten und nicht für Vorkommen innerhalb von Staaten. Wölfe kennen keine politischen Grenzen.

 

Management für alle Wildarten

Der Wolf wird in Österreich weiter Fuß fassen. Als großer und wehrhafter Beutegreifer steht er aber in verschiedensten Beziehungen zu anderen Tierarten und zum Mensch und muss deshalb in einem ganzheitlichen Wildtiermanagement gesehen und erfasst werden. Darin sind seine Beutetiere als auch andere Wild- und Nutztierarten zu berücksichtigen, denn einerseits gibt es Hege- sowie Schadenersatzverpflichtungen der Jägerschaft (letztere schuldunabhängig!), andererseits auch Artenschutzmaßnahmen.

Dies gilt insbesondere für Wildarten, die, im Gegensatz zum Wolf, keinen positiven Populationstrend aufweisen. Natürlich darf keine Art gegen eine andere ausgespielt oder aufgewogen werden, denn Artenschutz ist nicht nach Belieben zu verstehen.

Wildtiermanagement umfasst alle Tierarten in deren Lebensräumen gleichrangig. So ist auch die Abgrenzung z.B. des Rotwildes aus ganzen Landstrichen des Bundeslandes nicht mit einer flächendeckenden Ausbreitung des Wolfes vereinbar.

Beim Rotwild kommt weiters hinzu, dass im Alpenraum eine Überwinterung großflächig nur mit Hilfe von artgerechten Fütterungen möglich ist, um Schäden im Forst so gering wie möglich zu halten.

 

Der OÖ LJV fordert:

  • · So wie es z.B. die sogenannte Flyschzonenregelung in Oberösterreich bzgl. Rotwildbewirtschaftung gibt, so muss es auch „Wolffreihaltezonen“ geben.
  • · Wildschäden, vorrangig durch Rotwild, auf Grund der Wolfsanwesenheit dürfen nicht alleine der Jägerschaft zur Schadenszahlung „überlassen“ werden, sondern sind durch öffentliche Mittel mitzufinanzieren.
  • · Das Muffelwild ist zwar keine autochthone Wildart, doch hat es in wenigen Gebieten durchaus Bedeutung in seinem geringen Vorkommen. Nachdem es in seinen ursprünglichen Insellebensräumen hochgradig gefährdet ist, ist es durchaus vertretbar, sich für diese Wildart ein Schutzkonzept in Bezug auf den Wolf zu überlegen.

 

Folgende Fragen sind für die Jägerschaft zu beantworten:

  • · Wie entwickeln sich Wolf-Beutetier-Beziehungen in der Kulturlandschaft (v.a. im Alpenraum)?
  • · Welchen Einfluss hat der Wolf bei flächendeckender Präsenz auf unsere Tierarten?
  • · Welche Schutz-und Hegemaßnahmen sind bei drohendem Artenverlust einzuleiten?
  • · Welche Auswirkungen hat die Anwesenheit des Wolfes auf die Jagd und deren Ausübung (u.a. auf das Verhalten des Schalenwildes, die Wildschadensentwicklung in Wald und Feld etc.)?
  • · Welche nachhaltigen Vergrämungsmöglichkeiten gibt es gegen den Wolf, die ohne bürokratischen Aufwand praktisch möglich sind?

 

Zusammentreffen Jagdhund – Wolf 

Vorfälle, bei denen Hunde von Wölfen angegriffen wurden, sind derzeit in (Ober)Österreich noch sehr selten. Wölfe greifen andere Wölfe an, wenn es um Konkurrenz geht, beispielsweise um das eigene Territorium. Da Hunde die domestizierten Artgenossen des Wolfes sind, kann es auch vorkommen, dass ein Hund von einem Wolf als Eindringling wahrgenommen wird. Dringt der Hund in das Revier des Wolfes ein, wird dieser es verteidigen.

 

Wölfe sind Menschen gegenüber in der Regel scheu. Wenn Hundeführer im Wolfsgebiet Jagdhunde an der Leine führen, wird es kaum zu „Begegnungen“ kommen. Da der Jagdhund aber naturgemäß oft geschnallt werden muss und auf sich allein gestellt im „Wolfsrevier “ umherläuft, wird es zu Zusammentreffen von Wolf und Hund kommen.

Die Konfrontation Wolf/Hund endet in den allermeisten Fällen für den Jagdhund tödlich!

 

Öffentlichkeitsarbeit

Die Ausbreitung des Wolfes in Österreich verläuft wahrscheinlich nicht ohne Konflikte (siehe Nachbarländer v.a. Deutschland). Mögliche bzw. tatsächliche Konflikte werden mehr und auch emotional geführt.

Umso wichtiger ist ein runder Tisch aller Beteiligten, der in regelmäßigen Abständen – bereits jetzt – stattfinden muss. Eine gleichzeitig verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, die eine Akzeptanz des Wolfes langfristig erhalten kann, ist wichtig. Die Bevölkerung, allen voran betroffenen Gruppierungen wie Bauern, Jäger etc., muss sachliche Informationen und unbürokratische Hilfestellungen zum Umgang mit dem Wolf bekommen. Dies ist deshalb unumgänglich, da mit zunehmender Wolfspräsenz auch neugierige Jungwölfe und unangenehme Situationen mit habituierten Wölfen auftreten werden.

Konsequentes Handeln bei Problemen bis hin zur Entnahme von Wölfen ist unerlässlich – dies auch zum Schutz der Tierart Wolf. Letztlich darf der Wolf weder schlecht gemacht, noch verharmlost werden.

 

Der OÖ LJV fordert:

  • · Umsetzbare und realistische Leitlinien für den Umgang mit Wölfen zu entwickeln und zu kommunizieren (angelehnt an den „Managementplan Wolf“ der KOST).
  • · Auch die eventuelle Tötung verhaltensauffälliger oder erkrankter Tiere (Zoonosen wie etwa Tollwut) muss thematisiert werden.

 

Ausblick?

Die Einstufung des Wolfes als absolut zu schützende Tierart stammt aus der Zeit, in der der Wolf über 100 Jahre nicht mehr regelmäßig vorkam. Die nun europaweite Populationsentwicklung dieser Wildart ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Deshalb sollten im Umgang mit dem Wolf die Erfahrungen jener Länder genutzt werden, in denen der Wolf nie ausgestorben war.

Zur Schaffung der notwendigen Akzeptanz in (Ober)Österreich sind die bereits bestehenden Regelungen des Artikels 16 der FFH-Richtlinie anzuwenden. Dabei sind unter Wahrung des günstigen Erhaltungszustandes des Wolfes bedeutende, zur Erhaltung der Landschaft erforderliche Bewirtschaftungsformen, wie die Almwirtschaft, vorrangig zu bewerten.

 

Quellen:

Richtlinie 92/43/EWG des Rates zur Erhaltung der Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen vom 21. Mai 1992, Abl. Nr. L 206, S. 7 [Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, FFH-RL].

 

Linnell J., V. Salvatori and L. Boitani (2008): Guidelines for population level management plans for large carnivores in Europe. A Large Carnivore Initiative for Europe. Report prepared for the European Commission. Rom.

 

In Anlehnung an das Positionspapier Wolf des DJV.

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