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Gedanken zur Jagdausübung Drucken E-Mail

Vieles im Leben ist Jagd – nach dem anderen Geschlecht oder nach Bedeutung und Erfolg – wobei durchaus Schicksale auf der Strecke bleiben.
 
In der Evolution des Menschen hat dieser durch 5 Millionen Jahre Tieren nachgestellt, sich von diesen ernährt und bekleidet. 93% aller Menschen, die je gelebt haben, sollen gejagt haben (Prof. Otto König, 1984).

 

 

 

Jagd ist eigentlich erst in den letzten 50 Jahren der Geschichte ein für manche Menschen unverständliches Metier geworden. Im zunehmenden Pazifismus ist bereits der Waffenträger suspekt und erweckt Vorbehalte. Manche lehnen kriegerische Auseinandersetzungen generell ab, leben jedoch im eigenen Alltag ständigen Familienkrieg. Während Jagd im ländlichen Umfeld durchaus akzeptiert wird, verlieren primär Stadtmenschen zunehmend natürliche Instinkte und verfallen der Elektronik.

 

 

 

Ein 16 Jähriger hat in Film, Fernsehen und Videospielen über 10.000 meist brutalste Morde an Menschen erlebt und ergötzt sich daran. Hingegen entspricht es dem Zeitgeist, dass derselbe in Ohnmacht fällt, wenn einem Huhn der Hals umgedreht wird. Gleichzeitig mobben respektlose, gewaltbereite und psychisch angeschlagene Jugendliche Eltern, Mitschüler und Lehrer.

„In den letzten Jahrzehnten versuchen militante Jagdgegner als
Leugner natürlicher Abläufe Tiere, andere wieder Bruder Baum
und Schwester Grashalm über den Menschen zu erheben und
führen zu deren Verteidigung religiöse Kreuzzüge.“


Erst in den letzten Jahrzehnten versuchen militante Jagdgegner als Leugner natürlicher Abläufe Tiere, andere wieder Bruder Baum und Schwester Grashalm über den Menschen zu erheben und führen zu deren Verteidigung religiöse Kreuzzüge. Woher nehmen ahnungslose und geradezu hysterisch eifernde Gutmenschen, die teilweise von eigentlich für Tiere bestimmten Spendengeldern leben, den Anspruch der Gesellschaft ihre Scheuklappensicht aufzuzwingen? Es gilt wohl die Unschuldsvermutung.
Haben Sie schon einmal nachgedacht, wohin Ihre Spendengelder fließen? „Die Geldmaschine der Mitleidsmafia“ hat das Magazin Focus getitelt, als die Staatsanwaltschaft aufgedeckt hat, dass im Wirtschaftsunternehmen „Tierschutz“ des Deutschen Tierhilfswerks damals über 100 Millionen DM (= 50 Mio Euro!) Spenden veruntreut und in fernöstliche Bauprojekte und Motoryachten investiert wurden.

Wildtiere sind nach der Rechtslage in Österreich vor der Erlegung Zubehör von Grund und Boden. Da Eigentum an Grund- und Boden in diesem Land noch als Grundrecht anzuerkennen ist, ist der Jäger der Einzige, der dem Grundeigentümer das Recht zur nachhaltigen Naturnutzung (international: „sustainable use“) durch Pachtzins oder Abschussentgelt finanziell abgilt. Die Meisten von uns wissen auch gar nicht, dass Jäger dem Grundeigentümer nach den Jagdgesetzen auch Schäden durch Wildtiere an Feld und Wald verschuldensunabhängig zu ersetzen haben.
Dabei muss nach unserer gesetzlichen Wertung Wald und Feld vor Wild, nach unserer weidmännischen Wertung jedoch Wild vor Jagd gehen.



Die Weltallianz für Natur (IUCN – International Union for Conservation of Nature) hat anerkannt, dass nachwachsende Arten, wie Bäume, Feldfrüchte, Pilze, Blumen, aber auch Tiere unter Erhaltung der Art genutzt werden dürfen. Daher agieren Jäger nach dem Grundsatz „Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen – und erhalte es für die Nachwelt!“
Jagd beinhaltet nämlich nicht nur Rechte – zur Wildtiererlegung und -nutzung – sondern auch Pflichten; etwa zur Pflege und Erhaltung des Lebensraumes und der Wildtierbestände, durchaus auch zur Fütterung in der Notzeit. Jagdfeinde würden hingegen Wildtiere eher verhungern lassen, als dem ideologischen Gegner „Jäger“ zur Nutzung zu überlassen.



Aktivitäten des Menschen haben eine Naturlandschaft zur Kulturlandschaft gestaltet. Natürlichen Beutegreifern wie Bär und Wolf kann in diesem veränderten Umfeld kein wirklicher Lebensraum mehr zur Verfügung gestellt werden. Deren historische Ausrottung war eher Forderung der bedrohten Bevölkerung als Wunsch der Jägerschaft, die eben erhält, um nachhaltig zu nutzen.
Die Fülle der menschlichen Einflüsse auf frei lebende Wildarten und deren Lebensraum nimmt durch Flächenentzug für Verkehrswege und Bauland, aber auch durch alte und neue Sportarten ständig zu. Daher ist der Jäger gesetzlich beauftragt und teilweise unter Verwaltungsstrafsanktion verpflichtet, sowohl das Gleichgewicht zur Erhaltung jagdbarer und geschonter gefährdeter Arten zueinander – etwa Reduktion der Füchse zur Erhaltung der seit vielen Jahrzehnten nicht mehr jagdbaren Großtrappe – herzustellen, als auch der Übervölkerung des Lebensraumes durch Bejagung zu begegnen.
Aus 50 Rehen werden in 6 Jahren theoretisch weit über 500 Rehe, welche Feld und Wald „übernutzen“. Ohne jagdliche Entnahme würde daher die Fallwildrate (natürlicher Abgang) extrem steigen.
Nur was man liebt, das umsorgt und hegt man. Der eigene Hund ist spezielles Kleinod gegenüber anderen Hunden. Im österreichischen Reviersystem entspricht der Jäger als Wildwirt dem gesetzlichen Auftrag zur Hege und Nutzung seines Wildes, das eben nur er kennt.
Jemand muss schon extrem viel Urtrieb und Begeisterung für das Handwerk Jagd, aber auch Liebe für Wildtiere und ihre sorgfältige Bewirtschaftung empfinden, wenn sie oder er erarbeitetes und versteuertes Geld, statt etwa in aufwendige Urlaube und Flugreisen, in Pacht, Berufsjäger und Winterfütterung investiert. Natürlich kann man Wild in der Notzeit auch verhungern lassen und nicht nutzen, was jedoch weniger schlau scheint. Jemand muss geradezu verrückt sein, wenn sie oder er um 23 Uhr vom Berg kommt und um 4 Uhr früh wieder draußen ist, wenn er sich im Winter – etwa beim Nachtansitz auf Sauen – den Hintern abfriert, nichts schießt, nichts sieht und jede Sekunde als spannend empfindet. Jagd sehe ich daher nicht als Hobby oder Sport, sondern als Handwerk und Berufung.
Daher scheint es als absolut falsch, wenn Jäger ständig aus der Defensive agieren, statt stolz auf die positiven Leistungen der Jägerschaft zur Entlastung des Steuerzahlers im öffentlichen Interesse hinzuweisen. Beispielsweise gibt es im Schweizer Kanton Genf über Mehrheitsentscheidung vom Steuerzahler bezahlte Wildhüter – denen Jagd keine Freude bereiten darf – zur immer notwendigen Reduktion von ausufernden Wildtierbeständen (siehe auch OÖ JÄGER Nr.109, Dez. 2005, „Jagd ohne Jäger – Realität im Schweizer Kanton Genf“, S.12). Nur in Naturschutzgebieten brechen gefährdete Arten ein, weil sich niemand der mühevollen Arbeit der Raubwildregulierung unterzieht.


Wir müssen davon ausgehen, dass kein Wildtier selig und ewig lebt und natürliche Abläufe für Menschen extrem grausam scheinen. Wildtiere sind jede Sekunde ihres Lebens mit Gefahr und Tod konfrontiert (Univ.-Prof. Dr. Klaus Hackländer, BOKU Wien). Der Hase, der den Fuchs, die Taube, die den Greifvogel nicht rechtzeitig bemerken, werden genutzt. Der Falke, der mit gebrochener Schwinge nicht mehr jagen kann ist erbarmungslos (ein menschliches Attribut!) dem Hungertod ausgeliefert oder wird, wenn er Glück hat, vorher gefressen. Der natürliche Tod von Wildtieren bedeutet Krankheit, Zahnausfall und Verhungern sowie Nutzung durch Fuchs, Rabe und Würmer. Dazu kommen Zerhacken von Jungwild durch Mähmaschinen und KFZ-Kollisionen. Sogar mancher Mensch würde sich ein rasches und gnädiges Ende wünschen, wie es Wildtieren durch eine sichere Kugel gegönnt ist.

Nach dem Sprichwort „Jagen ohne Hund ist Schund!“ ist jeder Jäger grundsätzlich Hundefreund. Zur gelegentlichen Krise zwischen Jägern als Vertreter der Wildtiere und Spaziergängern mit frei laufenden Hunden, sei vorweg angemerkt, dass sehr viele als Gäste im Wohnzimmer des Wildes durchaus vernünftig unterwegs sind. Als Hundebesitzer hat man gewisses Verständnis, dass man seinem „Liebling“ Auslauf in der Natur gönnen will, was allerdings gelegentlich zu Lasten von Wildtieren geht. Haben Sie schon einmal gesehen, wie wildernde Hunde einer trächtigen, noch lebenden Rehgeiß die Bauchhöhle aufreißen und Embryos heraus fetzen? Jeder, der meint, sein Hund frisst nur Dosenfutter und tut gerade geschildertes nicht, unterschätzt schlummernde Anlagen und den Wolfstrieb seines haarigen Freundes, der auf Fluchtverhalten eines Beutetieres eben mit Hetzversuchen reagiert, gewaltig. Natürlich kann man sagen ein Wildtier sei weniger wert als ein Haustier. Tierschutz darf jedoch nicht auf Hunde und Katzen beschränkt bleiben.
Jedenfalls habe ich noch nie einen Hund erlegt, sondern vom unverständigen Halter ermöglichtes, natürlich angewölftes Verhalten des Hundes mit ständig am Gürtel getragenem Fotoapparat als Beweis gesichert und den menschlichen Verursacher von Wildleid belangt. Dies scheint allerdings gegenüber betroffenen Wildtieren nicht absolut fair. Leid wird nie durch den Hund, Gewehr oder Messer, sondern immer durch den dahinter agierenden menschlichen Täter verursacht.
Der heutige Jäger ist als Bewahrer des Wildes und Gestalter des Lebensraumes im öffentlichen Interesse anzusehen.
Somit schließe ich mit Aussagen von Wilhelm Busch: „Die Jagd ist ein Stück Lebenslust“ und Thomas Bernhard: „…auf der Jagd regeneriere ich mich, da schöpfe ich Luft, bin ich ein anderer Mensch, ein neuer Mensch…“.


Der Autor, Herr Rudolf Gürtler, ist em. Rechtsanwalt und u.a. Gerichtssachverständiger für Jagd und Fischereiwesen sowie Vizepräsident des Österr. Jagdgebrauchshundeverbandes (ÖJGV).

Fototexte:
Graugansküken:
Rabenkrähen fressen natürlich auch Jungwild. Wer das leugnet, verschließt die Augen vor der Realität. Und wenn in Studien behauptet wird, dass es dies nicht gäbe, dann haben deren Autoren wohl in einem wildleeren Gebiet Forschung betrieben... Foto: H. W. Grömping

Soldat:
Ein 16 Jähriger hat in Film, Fernsehen und Videospielen über 10.000 meist brutalste Morde an Menschen erlebt und ergötzt sich daran. Hingegen entspricht es dem Zeitgeist, dass derselbe in Ohnmacht fällt, wenn einem Huhn der Hals umgedreht wird.

Jägerin:

Nur was man liebt, das umsorgt und hegt man. Der eigene Hund ist spezielles Kleinod gegenüber anderen Hunden. Im österreichischen Reviersystem entspricht der Jäger als Wildwirt dem gesetzlichen Auftrag zur Hege und Nutzung seines Wildes, das eben nur er kennt. Foto: J. Pfoser