Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Bezirk Freistadt

Liebe Leserin! Lieber Leser! Die Bezirksgruppe FREISTADT im Oberösterreichischen Landesjagdverband freut sich über Ihren Besuch und will Ihnen auf den folgenden Seiten interessante Informationen über das heimische Jagdwesen bieten. Der OÖ-Landesjagdverband stellt Ihnen seit März 2008 die Jagd in all ihrer Vielfalt anhand einer umfassenden, neu gestalteten Homepage vor. In diesem Rahmen wurde den 15 Bezirksgruppen des Landes die Möglichkeit zur Präsentation eröffnet. Die Jagd zählt auch im Bezirk Freistadt zu den historisch gewachsenen Säulen des Gesellschafts- und Kulturwesens. Wald und Wild bilden eine der wirtschaftlichen Grundlagen unseres Landes und unterliegen einer ständigen fachkundigen und öffentlichen Diskussion. Die Pflege und Hege eines gesunden Lebensraumes für Wildtiere und Menschen, seine Bewahrung und sein Schutz im Namen aller, die sich gerne in der Natur aufhalten, sehen unsere Jägerinnen und Jäger als verantwortungsvolle Aufgabe. Daher die große Bitte an die nichtjagenden Naturliebhaber: Gehen Sie mit unserem Lebensraum fürsorglich und sanft um, beachten Sie die Verletzlichkeit der heimischen Flora und Fauna und achten Sie fremdes Eigentum! Wir Jäger reichen allen Menschen, die sich gerne in der freien Natur aufhalten, unsere Hand zum Gruß und zum Gespräch. Wir glauben, dass dort alle Platz finden, die sich klugerweise an vernünftige Verhaltensregeln, insbesondere an jene, die unsere Landeskultur und die Lebensräume unserer Wildtiere und Pflanzen betreffen, halten. Weidmannsheil! Ihr Landesjägermeister-Stellvertreter Konsulent Gerhard Pömer Bezirksjägermeister von Freistadt

Die Geografie:
Der politische Bezirk Freistadt, im Nordosten des Mühlviertels gelegen, umfasst eine Fläche von 1.016, 47 km2 und beherbergt 64.000 Einwohner. Rund 1000 Jäger üben das Weidwerk in 37 Genossenschafts- und 12  Eigenjagd-Revieren, die eine Fläche von 99,66 km2 umfassen, aus.
Freistadt grenzt im Norden an Tschechien im Osten an das Bundesland Niederösterreich, im Süden an den Bezirk Perg und im Westen an den Bezirk Urfahr.
Die Bodengestalt wird von durchschnittlich 33 % Waldanteil und einer ausnahmslos intensiv bewirtschafteten, 67 % Anteil umfassenden Agrarlandschaft, beeinflusst.
Die an Wald armen Reviere liegen im Süden des Bezirkes  mit etwa 21 % und die waldreichen im Nordosten mit bis zu 80 % Waldbewuchs, wobei grobschematisch dargestellt, der Laubwaldanteil im Süden (334 m ü.A.) dominiert, im Mittelland (600 ü.A.), bis auf die Höhe Freistadt-Unterweißenbach Fichten-Buchen-Wälder mit Vorkommen von Tanne, Ahorn usw. zu finden sind und in den Höhenlagen des Nordostens (1112 m ü.A.) der Fichtenwald und Großwaldbesitzungen dominieren.

Die Agrarflächen sind von den Milchvieh haltenden Betrieben geprägt, wobei die traditionelle Dreifelderwirtschaft besonders im Mittelland und im Nordwesten des Bezirkes noch zu erkennen ist.
Das Granitland entwässert sich in steilen Flusstälern bis auf wenige Ausnahmen ( wie z.B. die Maltsch, die nach Norden in die Moldau mündet), mit mehr oder weniger starken Quer-Zubringern, von Norden nach Süden in zahlreichen Bächen und Flüssen (z. B. Gusen, Feldaist, Waldaist, Naarn….) in die Donau.
Die Topographie bietet, von Südwesten aus betrachtet, vorerst das Bild eines sanften Hochlandes, weiter fortschreitend nach Nordosten das, dominant herausragender, bewaldeter Rücken und Hügel mit tief eingeschnittenen V-Tälern und im Nordwesten das eines Waldhochlandes auf einer Seehöhe von 900 und mehr Metern. Beckenlandschaften finden sich in Freistadt und in der Linie Gallneukirchen-Unterweitersdorf.

Besiedelung:
Die Besiedelung des Bezirkes kann drei Gerichtsbezirken zugeordnet werden:
Das Freistädter Becken wird von der pulsierenden Bezirksstadt und den umliegenden Gemeinden mit starker hoch- und tiefbaulicher Aktivität geprägt.  Bevölkerungszuwachs und stetig steigende wirtschaftliche Bedeutung der Tourismusbranche ziehen naturgemäß ein nicht unbedeutendes  Potential an zusätzlichen Naturnutzern  nach sich, wobei hier auch für den ganzen Bezirk seriöserweise bescheinigt werden muss, dass sich die Verantwortlichen der Kommunen und der Tourismusverbände bemühen, in Zusammenarbeit mit der Jagd Lösungen anzubieten, die dem Bezirk Freistadt ermöglichen, sich als Lebensraum für Wildtiere und Menschen anzubieten, wobei insbesondere die Rehwildhabitate unter den nach vorne drängenden Veränderungen leiden.
Der Gerichtsbezirk Unterweißenbach wiederum ist geprägt von einer sich harmonisch
entwickelnden Tourismusregion, die jedoch starke Einflüsse in die bislang vielfach unberührten Lebensräume des Rehwildes ausübt. Auch hier suchen  Bauern, Jäger, Gemeinden und die Gästeregion Mühlviertler Alm nach gangbaren Wegen.
Der Gerichtsbezirk Pregarten mit dem Zentrum der Stadt Pregarten hat im Bereich Pregarten-Wartberg-Hagenberg in den letzten Dezennien einen enormen Besiedelungszuwachs erlebt, der insbesondere jene Jagden im Bereich dieser drei Gemeinden vor völlig neue, nicht gekannte Voraussetzungen stellt. Die Lebensräume des Wildes haben sich dort zu einem beträchtlichen Teil verändert und verkleinert.
Das Verkehrsnetz des Bezirkes, mit der Eisenbahn Linz-Prag, der Prager Bundesstraße (neu S10), der Königswiesener Bundesstraße im Süden und der Böhmerwald-Bundesstraße im Norden ist sehr dicht situiert und für die Wildtiere und ihre Lebensräume von einschneidender, oft tödlicher Bedeutung. Trotz intensivem Bemühen der Jägerschaft, die Verkehrsopferflut einzudämmen, gelingt es aufgrund der in jeder Hinsicht steigenden Verkehrszahlen nicht, den Wildtod von der Straße zu verbannen, wenngleich zahlreiche Maßnahmen, wie das Anbringen von Wildwarnreflektoren und Duftzäunen  oder die organisierte Suche nach Rehkitzen helfen,  die Fallwildzahlen auf Straße und Wiese nicht weiter steigen zu lassen.

Wildvorkommen:
Der Bezirk Freistadt bietet dem Rehwild optimale Lebensbedingungen. Feldhasen, Rebhühner und Fasane lieben den Südwesten des Bezirkes. Raubwild hat im ganzen Bezirk seine Reviere, wobei dort Rotfuchs und Marder dominieren. Das Schwarzwild findet im Bezirk Freistadt, insbesondere in den waldreichen Gebieten des Nordens und des Mittellandes entsprechende Lebensbedingungen vor. Die nachstehende Statistik zeigt einen Querschnitt des Artenvorkommens und der Jagdergebnisse auf: Ergebnisse aus dem Jagdjahr 2006/07
Rotwild: 18; Rehwild ohne Fallwild: 7565; Damwild: 4; Muffelwild: 1;  Schwarzwild: 98; Feldhasen: 1177; Dachse 128; Füchse 769; Waschbären: 1; Edelmarder: 75; Steinmarder 334; Iltisse: 56; Hermeline: 17; Mauswiesel: 2; Rebhühner 14; Fasane: 467; Wildtauben: 161; Schnepfen 61; Wildenten: 184;
Grundsätzlich sei berichtet, dass aus diesen Zahlen bei drei Wildarten eindeutige Trends abzulesen sind:

  1. Das Rotwild kommt praktisch nur mehr in den grenznahen Revieren und in Einzelfällen vor.
  2. Das Rehwild hält sich, nicht zuletzt aufgrund der gewissenhaft erfüllten Abschusspläne, und des erhöhten Abschussdruckes auf der Marke um 7.600. Von der guten Zusammenarbeit Grundbesitz-Jagd- und Jagdbehörde zeugt auch die rigorose Umsetzung der Abschusspläne, die sich auch in einem immer besser werdenden Bild der Verbissgrade niederschlägt.
  3. Das Schwarzwild hat seinen Zuzug aus dem Norden weiter fortgesetzt. Der unverzüglich einsetzenden ernsthaften und weidgerechten Bejagung der Sauen und einer vorbildlichen Zusammenarbeit zwischen Bauern und Jägern ist es zu danken, dass einer explosiven Ausdehnung entgegen getreten werden konnte. Vernünftige Bewirtschaftungsmaßnahmen haben weiter dazu beigetragen, einer kleinen Population in den Großwaldbesitzungen des Bezirkes Lebensräume zu schaffen,  die überschaubar und regulierbar sind. Das Vorkommen ist eher rückläufig.

Lebensraumverbesserungsmaßnahmen:
Heckenpflanzungen, Waldrandverbesserungen, Anlegen von Wildäckern- und -wiesen, Rehwildmarkierung, Mitarbeit der Jägerschaft beim Bau von Wanderwegen und weiteren Freizeiteinrichtungen, Reitwegen, Brutplatzvorsorge für die Vogelwelt u.v.a.m….
Die Zusammenarbeit mit der Jagden des Bezirkes Freistadt mit der Bezirksforstinspektion hat  gute Früchte eingebracht: Jährlich werden in den 49 Jagden Tausende Einbringungen von Heckenpflanzen, von Verbiss- und Fegegehölzen und Waldrandgehölzen unter der Anleitung der Bezirksförster und des Kammerförsters von den Jägerinnen und Jägern durchgeführt. Die Saatgutaktion zur Anlegung von Wildäsungs- und Einstandsflächen funktioniert lückenlos. Sehr gut wird auch die Mitarbeit der Schüler der Landwirtschaftlichen Fachschule Freistadt angenommen, die insbesondere auch die Dialogbereitschaft zwischen Jäger und Jungbauern fördert.
Im Bezirk finden sich zahlreiche Jagden, die ihre Revier für Exkursionen zur Verfügung stellen. Pressefahrten und die Morgenpirschen mit dem Bezirksjägermeister zeugen vom großem Interesse. Ansprechpartner sind der Bezirksjägermeister und die Jagdleiter.

Schule und Jagd:
Die Aktion Schule und Jagd betreiben rund 60 % der Jagden des Bezirkes. In Volksschulen und Kindergärten sind die Jägerinnen und Jäger gern gesehene Gäste und ihre Lehrausgänge in die heimischen Reviere stellen immer wieder besondere Erlebnisse dar.
Kürzlich entstand ein neues Kinder-Jagdbuch des Landesjagdverbandes „Katharina und Florian, mit dem Jäger durch die vier Jahreszeiten“, das im Bezirk ihre Geburtsstätte hat: Von der Kindergartenpädagogin Ulrike Pömer-Baumann geschrieben und vom Maler Gerhard Prem illustriert, stellt es inzwischen einen Renner im Kreis der Jagdbücher dar. Zu beziehen ist  es über den jeweiligen Jagdleiter.
Seit 2006 hat sich auch eine Initiative „Grünes Klassenzimmer“ gebildet, die unter der Ägide der Lehrerin und Jägerin Gisela Schaumberger den Naturgeschichte- und Biologielehrern des Bezirkes eine gerne wahrgenommene Informationsgelegenheit bietet.

Das Jagdliche Brauchtum, Jägerrunde Freistadt, Wildbret-Direktvermarktung:
Das Jagdliche Brauchtum wird nicht nur mit gut besuchten Jägerbällen dokumentiert, es finden das Jahr über regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen statt und eine junge, besonders geförderte Sparte hat sich im Bezirks-Jägerchor gefunden.
Die Jägerrunde Freistadt (Präsident Robert Wirthl), eine alteingesessene Institution (gegr.1932) der Region, in der sich Jägerinnen und Jäger aus vielen Revieren zur Pflege der jagdlichen Kameradschaft, der Weiterbildung im sicheren Umgang mit der Jagdwaffe, der Traditionspflege und der Erhaltung der Hubertuskapelle Bockau zusammenfinden, stellt auch für den Bezirksjägermeister eine große Hilfe beim Ausrichten von Großveranstaltungen, von Bezirksjägertagen und Jagdausstellungen dar.
Jährlich werden von der Bezirksgruppe ein Wildbret-Zerwirkkurs und Wildbret-Kochkurse, die sich auch bei Nichtjägern/innen großer Beliebtheit erfreuen, ausgerichtet.
Im Museum Waldhaus Windhaag/Fr., im Heimathaus Freistadt und im Jagdmuseum Schloss Hohenbrunn finden sich interessante Exponate aus dem Jagdbezirk Freistadt.

Hubertusdenkmale:
20 Hubertusdenkmale werden von der Jägerschaft im Bezirk Freistadt betreut. In dem ehemaligen Jagdfunktionär und Altbauern Franz Bernhard aus Wartberg ob der Aist hat sich ein Autor gefunden, der in einem wunderschönen Bildband die Hubertusdenkmale des Mühlviertes hervorragend dokumentiert hat. Der Band ist übriges für Geschenkzwecke in vielfacher Weise hervorragend geeignet. Er kann beim O.ö.Landesjagdverband um einen geringen Kostenersatz jederzeit angefordert werden.

Die Jagdhornbläser:
Ein besonderes Aushängeschild des Bezirkes bilden die vier Jagdhornbläsergruppen: Aisttal, Freiwald-St.Leonhard, Jägerrunde Freistadt und Königswiesen sind Ensembles, die auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene bei Auftritten und bei Wettbewerben höchste Preise erzielt haben. Ein umfangreiches Betätigungsfeld prägt die mehr als 50 Jagdhornbläserinnen und Jagdhornbläser: Von der Brauchtumspflege über das Jagdsignalwesen bis zur Darbietung wunderschöner Konzerte reicht ihr Spektrum. Nicht zu vergessen das beispielhaft freundschaftliche Klima, das sich auch im öffentlichen Auftreten der Bläserinnen und Bläser widerspiegelt. Bezirksobmann und Bezirkshornmeister Karl Kuttner sowie die Hornmeister und Obmänner der einzelnen Gruppen bieten hier ihre ganze Kraft auf, dieses musikalische Kleinod zu hegen und zu pflegen.

Die Jagdhundeführer:

Das Jagdhundewesen liegt bei Bezirkshundereferent LhdRef-Stv. Jagdleiter Max Brandstätter in besten Händen. Mit seinem Mitarbeiter und Leistungsrichter Herbert Rammer richtet er sehr erfolgreich die Brauchbarkeitsprüfung, Junghundekurse und Ausbildungslehrgänge aus. Der Bezirk Freistadt verfügt über 180 Jagdhunde aus 15 verschiedenen Rassen.
Weiters finden im Bezirk Freistadt laufend große Jagdhunderprüfungen statt, wie auch 2008 wieder, wo in den Revieren von Stanislaus Graf Czernin-Kindsky in Sandl die große Verbandsschweißprüfung (ohne Richterbeleitung)  um den „Silbernen Fährtenbruch“ vorbereitet wird.

Die Jungjägerausbildung:
Seit nunmehr 17 Jahren bietet die Bezirksgruppe Freistadt einen modernen, auf zeitgemäßen Lehrunterlagen und Lehrmethoden fußenden Jungjäger-Ausbildungskurs, der seit 9 Jahren in der Landwirtschaftlichen Fachschule Freistadt beheimatet ist, an. 20 bis 30 Teilnehmer werden dort jährlich in Abendkursen und Lehrausgängen in 18 Wochen unter der Leitung von Dr.Robert Oberreiter von kundigen Jägern auf die Jungjägerprüfung im Rahmen des Lehrplanes des O.ö.Landesjagdverbandes bestens vorbereitet.

In die Zukunft blickend und zusammenfassend wird berichtet, dass die Lebensraumfrage für Wildtiere und Menschen ein zentrales Thema der nächsten Jahre bilden wird. Die zahlenmäßig stark steigende Zunahme der Erholung suchenden Naturnutzer und der daraus zu folgernde Einfluss auf das Verhalten und die Lebensweise unseres Wildes, der Wildtiere und Pflanzen in Wald und Feld wird von allen Beteiligten großes gegenseitiges Verständnis und ein gerüttelt Maß an Vernunft und Dialogbereitschaft abverlangen. Der Jäger wird seine Naturliebe, sein Wissen und seine Erfahrung im Umgang mit der Natur einbringen und allen die Hand zum Gruß und zur Hilfe reichen, die einer sanften Naturnutzung das Wort sprechen. Auf jeden Fall wird der seit vielen Jahren vorbildlich gesuchten und geführten Zusammenarbeit mit den Bauern und Grundeigentümern ein hoher Stellenwert beigemessen, wie jener, mit den nicht jagenden Naturliebhabern, stets nach dem Motto:

“Jagen heißt auch, den Lebensraum Mühlviertel hegen und pflegen,
zum Wohle seiner Wildtiere und Menschen.”


Weidmannsheil und Guten Anblick!

Ihr Bezirksjägermeister Konsulent Gerhard Pömer

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