Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Bezirksjägertag Gmunden 2013

Der Bezirksjägertag 2013 in Bad Ischl wird als der längste und spannendste in die Annalen des lokalen Jagdwesens eingehen. Insgesamt sieben Stunden harrten die Waidmänner am ungewohnten “Ansitz” geduldig aus um nach dem knapp dreistündigen Wahlakt (samt Auszählung) das Ergebnis und damit die Person des neuen BJM zu erfahren. Ein Bericht von Erwin Moser. Fotos von Erwin Moser und Sepp Amering.

Eine Novität war dieser Wahlgang deshalb weil sonst jeweils der vom Bezirksjagdausschuss vorgeschlagene Kandidat für dieses Amt von den Delegierten kommentarlos akzeptiert und gewählt wurde. Diesmal gab es jedoch zu diesem auf Alois Mittendorfer (II), Sohn des nach 15 Jahren abtretenden Bezirksjägermeisters ÖR Alois Mittendorfer (78), lautenden Vorschlag in der Person des Laakirchner Jagdleiters Hans Enichlmair (54) einen ambitionierten Gegenkandidaten. Von den 1529 Wahlkarteninhabern des Bezirkes nahmen 477 an der  Wahl teil. Von diesen entfielen 248 auf Hans Enichlmair, 223 auf Alois Mittendorfer (II); sechs wählten ungültig. BJM-Stellvertreter ist nun Bürgermeister Franz Wampl aus Gschwandt. Mittendorfer (II) vertritt Gmunden beim Landesjagdverband.

Vor diesem Wahlgang mit einigermaßen überraschendem Ergebnis hatten die Delegierten des Bezirksjägertages im Kongresshaus Bad Ischl nach vorangegangener Hubertusmesse jedoch eine ausgiebige Tagesordnung abzuarbeiten und mussten den Ausführungen der Ehrengäste geduldig lauschen. Unter diesen war BH Alois Lanz, Landesforstdirektor Walter Wolf mit dem Chef der Bezirksforstinspektion, DI Willi Zopf, BBK-Obmann Christian Zierler und BR Johann Peinsteiner als Vertreter von Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, denen BJM Ökonomierat Alois Mittendorfer den waidmännischen Gruß entbot und im Auditorium etliche Standeskollegen aus den benachbarten Jagdbezirken entdeckte (Rudolf Kapsamer/Grieskirchen bzw. Hochwildausschuss-Obmann Herbert Sieghartsleitner, Kirchdorf). Die beiden Forstfachleute DI Wolf und DI Zopf hatten diesmal weniger Grund zu Klagen, denn die Verbisssituation im Bezirk hätte sich zuletzt deutlich gebessert, jedoch gäbe es einige Probleme die besonders die aufgeforsteten Kahlflächen nach den letzten Sturmschäden beträfen. Dort seien die Verbissschäden auf den Aufforstungsarealen noch immer zu hoch. Grund dafür sei, dass die Gamsbejagung von Mai bis Juli zu wenig genützt würde. Argumentativ zur Seite stand ihm dabei der Gmundner Forstinspektor Willi Zopf mit seiner statistischen Darstellung der Revierbeurteilung. Die Verbissbelastung im Bezirk verlief von 2000 bis 2007 wellenartig. Anfangs waren 75% der Jagdgebiete mit Verbissstuf II und III praktisch flächendeckend verbissgeschädigt, verbesserte sich die Situation ab 2007 kontinuierlich  in der Zielgruppe I. Das hielt aber nicht lange, die Belastung wuchs wieder an und stabilisierte sich erst ab 2011 bei rund der Hälfte auf die Beurteilungsstufe I. Das beweise, dass steigende Abschüsse die Verbissschäden minderten, Abschussrücknahme diese aber erhöhen.  Das Jagdjahr 2012 war im Bezirk Gmunden mit einer Abschussplanerfüllung von 94% sehr forstdienlich, eine Folge, dass die wildbiologisch schon lange geforderte Bejagung von Reh- und Rotwild im Frühjahr und Sommer besser als bisher umgesetzt wurde. Laut Zopf gäbe es aber noch Problembereiche in Grünau, St. Wolfgang, Ebensee. Von der “Bocklastigkeit” beim Gamsabschuss und Zentrierung auf Brunft / Winterzeit müsse abgegangen werden, die Bejagungsmöglichkeit Mai bis Juli intensiver genützt werden, die Schutzwaldverjüngung mit jägerischerVerantwortung unterstützt werden. BJM ÖR Alois Mittendorfer beleuchtete in seiner letzten Jagdbilanz 2012 mit besonderer Genugtuung, dass es endlich gelungen sei, den Abschussplan fast voll zu erfüllen (95%). Mehrere Abschussfehler minderten jedoch die Freude an diesem Erfolg. 26 “rote Punkte” beim Rotwild, 46 beim Rehabschuss und 14 bei den Gänsen seien bedauerlich. Überhaupt plädierte Mittendorfer dafür, beim Abschuss der “Zukunftsklasse” (Hirsch) mehr Chancen auf Weiterentwicklung einzuräumen. Abschließend zog Mittendorfer erkennbar bewegt ein kurzgefasstes Resümee über seine 15jährige Amtszeit in der er sich bemühte, die Zusammenarbeit innerhalb der Interessensgruppen zu fördern. Landwirtschaft, Forstbehörde, Bundesforste, Tourismus habe er als Partner gesehen und nicht als Gegner und er bedankte sich bei allen Funktionären, die ihn bei diesen Bemühungen treu unterstützt haben. Besondere Worte fand der abtretende Bezirksjägermeister für Astrid Sammer vom Jagdreferat der BH Gmunden, die eine unverzichtbare Stütze für ihn gewesen sei, ihre Funktion mit persönlichem Einsatz wahrnimmt.

Mit dem Goldenen Bruch für 50 Jahre Jagdausübung wurden zwölf Waidmänner (darunter eine Frau) dekoriert; seit 60 Jahren Jäger ist Michael Sieberer-Kefer, seit 70 Jahren Jagdkarteninhaber ist der Traunkirchner Ing. Franz Schwendt, der auch einmal Bezirksobmann der Jagdhornbläser gewesen ist.

Zum Abschied aus seiner über 15 Jahre ausgeübten Funktion wurde ÖR Alois Mittendorfer zum Ehren-Bezirksjägermeister ernannt und bekam zusätzlich eine Dankurkunde des Landesjagdverbandes ausgefolgt durch LJM Sepp Brandmayr.
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Der neue Bezirksjägermeister Hans Enichlmair.

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Alois Mittendorfer (II) – künftig Delegierter im OÖ Landesjagdverband.

Uraufführung “Mittendorfer”-Fanfare.
Zum Abschluss seines Referates überreichte LJM Sepp Brandmayr an Alois Mittendorfer die Dank- und Anerkennungsurkunde des Landesverbandes für seine 15jährige ambitionierte und sachverständige Amtsführung. Dazu intonierten die Jagdhornbläser die von Franz Auinger komponierte “Mittendorfer”-Fanfare. Für Laakirchens Jagdleiter Hans Enichlmair hatte Brandmayr die bronzene Verdienstmedaille des Verbandes für seinen jagdlichen Einsatz mitgebracht. Alle Ehrengäste banden in ihre Grußworte ihre Wertschätzung für die korrekte Amtsführung des scheidenden BJM ein, hoben seine Fachkompetenz und seine Zusammenschau hervor.  Dem Bezirks-Jagdausschuss gehören nunmehr neben dem BJM und seinem Stellvertreter bzw. dem Landesdelegierten noch an: Johann Eisl, St. Wolfgang; Christian Stieger, Bad Goisern; Herbert Weinbergmair, Vorchdorf; Ing. Michael Schwarzlmüller, Grünau; Forstmeister DI Andreas Gruber, Bad Aussee. – Ersatzmitglieder: Johann Sams, Ludwig Wimmer, beide Bad Ischl; Josef Radner, Kirchham; Franz Amering, Grünau; Ing. Klaus Köttstorfer, Kremsmünster.  Aufgrund der durch den Wahlakt und dessen Auswertung weit fortgeschrittenen Tagungszeit kürzte der sonst sehr eloquente und informative LJM Sepp Brandmayr sein Referat und nahm im wesentlichen aktuelle Negativ-Ereignisse in anderen Bundesländern ins Visier. Insbesondere stieß ihm die in der Presse verbreitete Beschuldigung sauer auf, die Jäger seien Psychopathen oder Alkoholiker. Von einem sich der jagdlichen Ethik verweigernden Jäger auf alle zu schließen sei Ehrabschneidung und abzulehnen. Die Abschusspläne seien so zu erstellen, dass sie auch erfüllbar sind. An den Waldschäden ist nicht in jedem Fall das Wild schuld. Tourismus und Freizeitwirtschaft sind ebenso Benützer des Waldes und wo wenig Wild ist kann es nicht alle Schäden verursacht haben. Zur Jungjägerprüfung sind 53 angetreten, 46 haben bestanden; derzeit stehen weitere 49 Nimrode in Ausbildung. – Aktuell gibt es im Bezirk Gmunden 1529 Jagdkarteninhaber in 138 Jagdgemeinschaften. Das Totengedenken galt: Erwin Faschinger (Scharnstein); Ing. Reinhard Fellinger, Johann Liedauer (beide Roitham); Alois Götschhofer, Otto Krenn und Alois Lassl (alle Vorchdorf); Julius Gschwandtner (Aigen-Voglhub); Josef Limbacher und Johann Sams (beide St. Wolfgang); Walter Pehn (Traunkirchen); Rupert Schnugg (Salzburg).  Ehrungen GOLDENER BRUCH: Josef Engl (Ebensee); Herbert Fleischanderl und Lieselotte Leithner (beide Grünau); Albert Lichtenwagner, Johann Lichtenwagner (beide Scharnstein); Franz Fuchshuber (Roitham); Helmut Grill (Ohlsdorf); Johann Ischlstöger  und Gustav Sams (beide Bad Ischl); Herbert Ruff (Bad Goisern);  Dr. Hubert Judmayr (Gmunden); Stefan Stöhr (Kirchham). LANGJÄHRIGE MITGLIEDER: Josef Pichler (Pinsdorf) und Michael Sieberer-Kefer (beide 60 Jahre). – JAGDHORNBLÄSER:  10 Jahre:  Gustav Druckenthaner, Anton Hofinger, Josef Laimer, Franz Müllegger, Franz Unterberger, Siegfried Weinbacher, Klemens Wimmer (alle Bad Ischl); 20 Jahre: Karl Stockhammer; 25 Jahre: Josef Ziegelböck (beide Vorchdorf); 35 Jahre: Sepp Amering (Laakirchen). – RAUBWILDNADEL: Hubert Druckenthaner (Traunkirchen); Anton Hofinger und Franz Hüttner (beide Bad Ischl); Herbert Hummer (Gmunden); Anton Nussbaumer jun. (Neukirchen/A.).
TROPHÄEN-BEWERTUNG: Gold: Hirsch Hubertus Herring-Frankensdorf; Gams (m) Dkfm. Georg Ebinger; Gams (w)  Manfred Renz; Reh Hans Aichhorn. – Silber: Hirsch Mag. Andreas Asamer; Gams (m) Andreas Bammer; Gams (w) Erik Ahlström; Reh Max Austaller. – Bronze: Hirsch Miguel Spitzy; Gams (m) Oliver Zemsauer; Gams (w) Klaus Lobmayr; Reh Franz Seyr.
Die Signale bei der Streckenverblasung steuerten die Jagdhornbläsergruppen Laakirchen, Viechtwang und Bad Ischl bei (Leitung Hornmeister Johann Schallmeiner); die Hubertusmesse gestalteten die Gosauer Bläser. Eine Goldmedaille erspielten sich die Jagdhornbläser Viechtwang beim int. Jagdhornbläser-Wettbewerb in Weiz, wozu ihnen von BJM Mittendorfer herzlich gratuliert wurde.

Die geehrten Jagdhornbläser (v. li.): Josef Amering aus Laakirchen , Josef Ziegelböck und Karl Stockhammer aus Vorchdorf.

Die mit der Raubwildnadel dekorierten Waidmänner.

Die langjährigen Mitglieder der Jagdhornbläsergruppe Bad Ischl nach ihrer Ehrung.

70 Jahre Jagdkarte zeichnet Ing. Franz Schwendt aus.

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