Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Grossdöllnerhof 2014

Eröffnung der Jagdausstellung in Rechberg, am 5. Mai 2014

Ansprache des Bezirksjägermeisters zur Eröffnung der Jagdausstellung am Grossdöllnerhof

 

Sehr geehrte Ehrengäste und Gäste, liebe anwesende Jägerschaft!

Es freut mich, dass ich als Vertreter der Jägerschaft zur Eröffnung dieser Naturparkausstellung zu Ihnen sprechen darf.

Vorerst darf ich Ihnen die Grüße des LJM Brandmayr übermitteln, der heute wegen eines großen Feuerwehrfestes in seinem Heimatort am Kommen verhindert ist.

 

Das Thema der Ausstellung „WILDE  ZUKUNFT – Jagd im Naturpark Mühlviertel“ ist der nach meinem Empfinden höchst zutreffende Titel

  • für die Bedeutung, die die strukturreiche Kulturlandschaft in der Naturparkregion für die Wildtiere besitzt und
  • für die vielfältigen Aufgaben der Jäger, die hier ihren Beitrag zum Naturschutz, zur Bestandsregulierung und zur Nachhaltigkeit beizutragen haben.

Die Natur hat ein Gesicht und eine Stimme.

Ein Gesicht, das uns Naturnutzern ein Lächeln entgegenbringt, wenn wir mit ihr sorgsam umgehen, und eine Stimme vielfältigster Laute der Tierwelt für jene, die nicht verlernt haben, auf sie zu horchen. Die Natur knistert gerade nur so vor Spannung, wenn wir uns ihr gegenüber öffnen.

Meist ist unser Leben so von Aufgaben und Stress für deren Erfüllung geprägt, dass wir verlernt haben deutlich hinzusehen und hinzuhören.

Setzt man sich nur eine Viertelstunde hin und nimmt Farben, Geruch, Geräusche und die Lebendigkeit der Umgebung wahr – so als würde man selbst wieder ein Teil dieser Natur (was wir eigentlich ja auch sind) – werden die meisten von der Vielfalt der Eindrücke überwältigt und überrascht sein.

Überrascht deswegen, weil die Vielfalt des Lebens durch das beobachtbare Geschehen oft nicht durch unser gelerntes Wissen gedeckt ist.

Man entdeckt zu jedem Beobachtungszeitpunkt Neues, und der Eindruck eines nahezu unendlichen Seins wird uns dabei bewusst.

Freilich kann es dadurch auch passieren, dass damit die eigene persönliche Wichtigkeit in den Hintergrund gedrängt wird.

Der wahre Jäger ist ein Suchender, der dieses Naturgeschehen in sich aufnehmen und daran teilhaben will und unter Wahrung seiner Verantwortung darin auch seine Beute sucht.

Nur wer die natürlichen Zusammenhänge nicht versteht, wird nicht begreifen, dass das Dargebot in der Natur durch die Vermehrung auch eine notwendige Entnahme bedingt. Sei es als Nahrungsmittel oder zum Schutz anderer gefährdeter Arten.

Ein Stück Schalenwild, das stressfrei bis zu seiner Erbeutung ein nach eigenem Willen in der Natur lebendes Wild war, ist wohl ein Teil der natürlichsten Lebensmittel, die der Mensch zu sich nehmen kann.

Hier gilt es, einer zunehmenden – vor allem städtischen Entfremdung – gegenüber natürlichen Zusammenhängen entgegenzuwirken.

Die Jägerschaft bedankt sich daher beim Verein NATURPARK MÜHLVIERTEL und bei den vier Jagdgesellschaften, die diese Ausstellung geschaffen haben, weil sie mit der „WILDEN  ZUKUNFT“ dazu beitragen, den Blick auf das wahre Naturgeschehen in der Allgemeinheit wieder etwas zu schärfen.

Wir können nicht erwarten, dass in der Natur alles heil ist.

Die Natur birgt in sich selbst viele Grausamkeiten, gemessen nach unseren menschlichen Maßstäben, die der aufmerksame Beobachter wahrnimmt, und auch der Mensch geht oft wenig sorgsam mit der Natur um.

Jene Naturnutzer, die zum Paintballspielen, DISC- Werfen oder zum ungezügelten freien Auslaufen der Hunde durch die Wälder streifen, ihren Müll zurücklassen oder gar mit Motorcross- Lärm die Stimmen der Natur übertönen, haben zu der im Wald innewohnenden Lebendigkeit keinen Bezug.

Sie begreifen daher auch nicht, wie sehr sie störend einwirken.

Im Hinblick auf solche Störungen bitte ich um Verständnis, wenn die Jäger – und wie ich denke auch andere wahre Naturnutzer – solche Störenfriede nicht gerade lieben.

Ich bin mir sicher, dass diese Ausstellung dazu beiträgt, die Besucher darauf aufmerksam zu machen, wie viel die Natur uns zu bieten hat, das spannender und interessanter ist, als die vielfältigsten aus wirtschaftlichen Gründen angeregten technischen Spiele im Wald.

Ich bedanke mich, dass ich als jagdlicher Vertreter dies hier zum Ausdruck bringen durfte und wünsche der Naturparkausstellung „WILDE  ZUKUNFT“ hier am Grossdöllnerhof in Rechberg, dass ihr die größtmögliche Aufmerksamkeit einer breiten Bevölkerung zuteil wird.

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