Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Bezirksjägertag 2016

Bezirksjägertag Vöcklabruck – 12. März 2016

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Der Bezirksjägertag Vöcklabruck wurde mit den Klängen der Jagdhornbläser Attergau feierlich eröffnet.

Über 400 Jägerinnen und Jäger nahmen am Bezirksjägertag 2016, der mit der Hubertusmesse um 9.00 Uhr begann. Pfarrer KonsR. Mag. Helmut Pat zelebrierte die heilige Messe. Er geht in seiner Predigt auf die Aufgaben des Jägers ein. „ Der Jäger ist besorgt um das Wohl des Wildes, er beendet das Leid so mancher Individuen”. Damit meint er, dass der Jäger aufmerksam ist gegenüber der Kreatur und spannt den Bogen zur Aufmerksamkeit gegenüber dem Mitmenschen. Im Jahr der Barmherzigkeit (ausgerufen von Papst Franziskus) sollte jeder auch diese Barmherzigkeit gegenüber anderen Menschen (vor)leben und betonte, dass dies kein Zeichen von Schwäche, sondern vielmehr von Stärke sei!

Tagesordnung

Eröffnung und Begrüßung

Bezirksjägermeister Anton Helmberger begrüßt die Ehrengäste: Bezirkshauptmann Hofrat Dr. Martin Gschwandtner, Landesjägermeister und Ehrenbezirksjägermeister ÖR Sepp Brandmayr, LAbg. Michaela Langer-Weninger, Vertreter der BH Vöcklabruck/ Abt. Forst und Jagd: Hofrat Dr. Johann Sagerer, Hofrat DI Johann Lichtenwagner, Hofrat DI Leo Hofinger, Amtstierarzt Hofrat Dr. Herbert Seiringer, Manuela Glocker, BBK Obmann-Stv. Ing. Roman Braun, Ing. Andreas Krempl, Frau Vizebürgermeister Maria Achleitner und Dir. Johannes Oberascher (LFS Vöcklabruck), Oberstudienrat DI Fellinger, Dir. Schmidinger (beide Jungjägerausbildung), Ing. Klaus Köttstorfer, Erich Dietmüller (ÖBF), Günther Hartl (ORF), BJM von Wels Josef Wiesmayr, Johann Enichlmair (Gmunden), Rudolf Kapsammer (Grieskirchen).

IMG_8476-kGrußworte

Bezirkshauptmann Dr. Martin Gschwandtner

Er lehnt seine Grußworte an die 70jährige Existenz des OÖ. LJV an und lobt die positive Entwicklung des Verbandes zu einer Selbstverwaltungskörperschaft. Ebenso betont er die gute Kooperation zwischen Jagd und Behörde. Dabei streicht er vor allem die exakte Erfüllung des Abschussplanes und die Bemühungen um die fundierte Ausbildung der Jungjäger heraus.

Bezirksbauernkammerobmann-Stv. Ing. Roman Braun

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Braun sieht Jagd und Landwirtschaft als Einheit in gegenseitiger Abhängigkeit. Auch er unterstreicht die gute Zusammenarbeit und die ausgezeichnete Gesprächsbasis.

Schwarzwild stellt im Bezirk aus landwirtschaftlicher Sicht ein deutliches Problem dar, welches derzeit nicht unter Kontrolle ist. Er kritisiert dabei direkt die ÖBF, die sich seiner Meinung zwar um eine Wildreduktion im Sektor Gams-, Reh- und Rotwild bemühen – Schwarzwild jedoch zu wenig effektiv bejagen, um attraktive Jagdreviere verpachten zu können. Er ersucht in diesem Zusammenhang die ÖBF um mehr Engagement und Kooperation.

Weiters ersucht Braun um Verständnis zum Thema Eisenbahner-Entschädigungsgesetz. Zwar sieht er eindeutig, dass dieses Gesetz z.T. missbräuchliche Verwendung findet, die Landwirtschaft kann aber nicht darauf verzichten.

Ein Konfliktpotenzial erkennt Braun hinsichtlich des Bibers. Diese Tierart expandiert derzeit stark. Der Grundbesitzer haftet bei Unfällen mit angenagten Bäumen. Hier sieht er Handlungsbedarf – die Haftungen sind auf die Gesellschaft aufzuteilen.

Bericht des Bezirksjägermeisters Helmberger

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Der Bezirksjägermeister sieht Lösungsmöglichkeiten zu allen Problemen nur im Dialog zwischen den Interessensgruppen.

Im Bezirk leben 5 Schalenwildarten (Rehwild als Hauptart, Rot-, Gams-, Muffel- und Schwarzwild), sowie Auer- und Birkwild permanent, sporadisch nachgewiesen wurden Luchs und Wolf.

Der BJM dankt für die vielen Leistungen und Aktivitäten der Jägerschaft wie Kitzrettung, Prophylaxe-Maßnahmen gegen Wildunfälle, Raubwildkontrolle, Lebensraumgestaltung, Aktionen mit Kindern und Jugendlichen,…

Abgeschlossen wurde die Anwenderbeobachtung zum Thema bleifreie Munition. Der Bezirk Vöcklabruck erfasste positive und negative Aspekte hinsichtlich der Brauchbarkeit bleifreier Geschosse aus der Sicht des praktizierenden Jägers. Im Fokus standen dabei tierschutzrelevante Fragen und die Wirkung auf die Verwertbarkeit des Wildbrets. Der BJM dankt dabei besonders Dr. Roman Auer und Fritz Gröstlinger, die für die Datenerfassung und –Auswertung verantwortlich waren.

Dank wird an alle Unterstützer der Rabenkrähen-Petition gerichtet. Während die Landesverordnung für Rabenkrähenbejagung am 29. Februar 2016 endete, konnte im Bezirk eine Verlängerung der Bejagung erreicht werden bis eine neue Änderung der OÖ. Artenschutzverordnung von der OÖ. Landesregierung beschlossen wird. Dass die Rabenkrähe nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein ökonomisches Problem für die Landwirtschaft darstellt, betont auch der BBKO-Stv. Ing. Braun. Eine Kontrolle der Rabenkrähenbestände ist daher auch im Sinne des Artenschutzes unbedingt notwendig.

Der Bezirksjägermeister zeichnet ein Bild der Leistungen der Jägerschaft im Jahresverlauf. Neben der vorbildlichen Erfüllung des Abschussplanes sind die Tätigkeiten der Jägerschaft ein Dienst an der Allgemeinheit: Zahlreiche Projekte (Heckenpflanzungen, Anlegen von Wildpflanzenflächen,…) fördern die Biodiversität, viele Jagden vermitteln Kindern und Jugendlichen unter dem Titel „Schule und Jagd” professionell in Aktionsprogrammen die Vernetzungen zwischen Wald, Wild und Mensch; eine professionelle Jungjägerausbildung garantiert die Vorbereitung der Jäger auf die aktuellen und künftigen Aufgaben der Jagd. Diese vielen Aktivitäten um Wild und Lebensraum macht den Jäger in der Kulturlandschaft unverzichtbar. Funktionierender Kulturraum ohne Jäger ist unrealistisch!

Dramatisch abnehmender Lebensraum wird von einer zunehmenden Anzahl von Menschen genutzt. Diese Vielfachnutzung im Lebensraum der Tierwelt verlangt nach Flexibilität, Disziplin und Professionalität der Jäger die sich in diesem Spannungsfeld bewegen. Zahlreiche Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten am Jagdlichen Bildungszentrum Hohenbrunn stehen zur Verfügung.

Streckenstatistik siehe Beilage

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Die Abschusszahlen belegen relativ konstante Bestände der Schalenwildarten mit Ausnahme des Schwarzwildes. Hier ist auch im Bezirk Vöcklabruck der europaweit anhaltende Trend von ansteigenden Schwarzwildbeständen zu erkennen. Wildschweine sind sehr intelligente Tiere, die schnell auf neue Bejagungstrategien reagieren. Das macht die Bejagung besonders schwer. Zudem haben sie die höchste Vermehrungsrate unter den Schalenwildarten und erfordern daher eine umso intensivere Populationskontrolle. Ein weiterer Anstieg der Wildschweinpopulationen ist zu erwarten und wird nur durch revierübergreifende Kooperation unter den Jägern sowie einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Jagd und Landwirtschaft zu lösen sein.

Nach mehreren schlechten Jahren für Fasan und Feldhase ist in der vergangenen Jagdsaison ein leicht positiver Trend zu erkennen. Die Strecken konnten leicht zulegen. Vergleicht man allerdings die Streckenzahlen von Hasen und Füchsen ist nach wie vor ein viel zu großer Prädatoren druck auf das Niederwild zu erkennen.

Referat Bezirkshundereferent DI Gerald Loy

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Der Hund ist für die Jagd nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern unverzichtbar. In unserem Bezirk haben alle Reviere ihre Pflichthunde gemeldet. Ein offizieller Jagdhund muss eine fundierte Ausbildung mit abschließender rasseabhängiger Prüfung aufweisen. Damit diese Voraussetzungen erfüllt werden können wurden im Bezirk unter der Leitung von Meisterführer Gerald Loy und unter Mitwirkung von MF Gerhard Huemer und MF Günther Hangler eine alljährliche Brauchbarkeitsprüfung im Revier Neukirchen a. d. V. abgehalten. 10 Hunde wurden an diesem Tag durchgeprüft und haben mit Erfolg bestanden. Loy betonte die Rassenvielfalt vom kleinen Rauhaardackel bis zum großen Gordon-Setter.

Eine Rassen- und Leistungspräsentation wurde auch im Rahmen der Landesgartenschau in Bad Ischl abgehalten. Hier wurde der interessierten nichtjagenden Bevölkerung gezeigt, was Jagdhunde in Abhängigkeit von der Rasse können. Gezeigt wurde eine breite Palette von Rassen, angefangen bei Spezialisten wie den Erdhunden, die für Fuchs- und Dachsjagd unter der Erde eingesetzt werden – bis hin zu den Vorstehhunden, die die Allrounder unter den Jagdhunden sind und von Apportieren aus Feld und Wasser bis zur Nachsuche auf verletztes Wild alles können müssen.

Loy erwähnte auch die Wichtigkeit der Hundemeldung. Ohne Meldung ist im Falle eines Unfalles während der Jagdausübung, kein Versicherungsschutz gegeben. Ebenso wenig wird ein Zuschuss für Impfungen gewährt.

Auch in diesem Jahr werde wieder Kurse entsprechend der Hundehalter-Sachkundeverordnung abgehalten, sowie Info-Abende und Trainingseinheiten. Am 1. Oktober findet erneut im Revier Neukirchen eine Brauchbarkeitsprüfung statt.

Ehrungen siehe Beilage

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von links nach rechts sitzend:

Stadlmayr, Hechfellner, Dax, Sterrer, Braun, Hitzl, Holzinger

stehend von links:

LJM, Oberascher, Kaltenbrunner, Lettner, Rauchenzauner, Pohn, Gebetsroither, BJM Helmberger, Riedl, Astecker, Hochleitner, Schachinger, Schiemer, Gebetsroither, LAbg. Langer Weninger, Bezirkshauptmann

LAbg. Michaela Langer-Weninger

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Für Frau LAbg. Michaela Langer-Weninger ist die Jägerschaft eine „kleine Gruppe mit großen Aufgaben”. Sie haben eine bedeutungsvolle Aufgabe im Spannungsfeld zwischen Natur-und Kulturraum zu erfüllen. Die Grundlage für einen unverzichtbaren Dialog zwischen Grundbesitzer, Jäger und die steigende Zahl an Freizeit-Naturnutzern ist der gegenseitige Respekt. Gerade die erwähnte steigende Zahl an Naturnutzern ist auch für die Landwirtschaft ein zunehmendes Problem. Die generelle Öffnung der Forstwege im Wald ist für OÖ daher kein Thema. In diesem Zusammenhang dankte sie der ÖBF für das aktuelle Konzept der teilweisen Öffnung von Forstwegen für Freizeitaktivitäten. Damit wird eine gelenkter Strom von Freizeitnutzern erzeugt und der Wald in Nutzungs- und Ruhezonen unterteilt.

Eine Interessenseinheit zwischen Landwirtschaft und Jagd stelle aus ihrer Sicht auch die Problematik rund um die Rabenkrähen dar. Diese Kulturfolgeart expandiert stark und führt nicht nur zu ökologischen Problemen bis hin zur Bedrohung ganzer Vogel- und Kleintierarten, sondern auch zunehmend zu landwirtschaftlichen Schäden, z.B. hacken diese intelligenten Vögel die Siloballen auf und machen sie unbrauchbar.

Sehr positiv äußerte sie sich auch über die Abhaltung von Hubertusmessen, wie die Bezirkshubertusmesse in Mondsee im vergangenen Jahr. Das ist gelebte Tradition!

Referat Landesjägermeister Ehren-BJM ÖR Sepp Brandmayr

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Zum Thema vermehrter Waffenkauf in OÖ betont der Landesjägermeister die exzellente und sehr aufwändige professionelle Ausbildung der Jungjäger. Kaum eine andere Gruppierung wird akribischer auf den Umgang mit Waffen vorbereitet als die Jäger. Und er erwähnt die strengen Kriterien der Waffenhandhabung im Zusammenhang mit dem Erlangen der Jagdprüfung. Es werden beim Hantieren mit der Waffe keine Fehler akzeptiert bzw. führen zum sofortigen Prüfungsausschluss.

Zum Thema Biber antwortet er in Richtung Landwirtschaft, dass die Jäger nicht Schuld sind am eskalierenden Aufkommen der Biber. Er meinte, dass man bei der Wiedereinbürgerung von Arten in einen inzwischen grundlegend veränderten Lebensraum eben auch ein Nachhaltigkeitskonzept vorlegen müsse. Sollte jedoch ein behördlicher Auftrag zur Populationskontrolle an die Jägerschaft ergehen, werde man in gewohnt professioneller Weise handeln.

Neben dem allgegenwärtig zu verspürenden echten Klimawandel sieht Brandmayr auch einen metaphorischen Klimawandel im täglichen Miteinander. Es gibt zu viele Naturnutzer, die sich ohne Rücksicht auf andere Lebewesen überall bewegen. Es gehört nicht jedem alles! Im Hinblick auf den dramatischen Verlust von Lebensraum (täglich werden in Österreich 22 Hektar Fläche verbaut) sieht er einen Druck auf die noch erhaltenen Lebensräume stetig wachsen.

Tierschutz ist wichtig und ein moralisches Grundprinzip. Jagd ist gelebter Tierschutz. Ein falsch verstandener Tierschutz darf aber nicht zur Religion werden. Naturromantik ist unrealistisch und realitätsfern!

Das Hauptproblem der Jagd sieht er darin, dass die steigende Zahl an urbaner Bevölkerung viel zu wenig über die Zusammenhänge in der Natur wissen. Jäger und Bauern machen aber nur 5% der Bevölkerung aus und müssen ca. 8.000.000 Menschen von ihrem Wirken überzeugen. Eine enorm wichtige Aufgabe übernehmen diesbezüglich die Medien, die mit objektiver Berichterstattung einen wesentlichen Beitrag zu diesem Thema leisten können. Sehr deutlich bekennt er sich auch zur Aufgabe der Jägerschaft als regulierender Faktor, weist aber in Anlehnung an die dramatisch gestiegenen Anträge auf Zwangsabschüsse diverse Forderung nach Intensivreduktion in die Schranken: „Wir sind keine Schädlingsbekämpfer” soll verdeutlichen, dass die Jägerschaft selbstverständlich wenn notwendig für Reduktion des Wildbestandes einsteht, jedoch nicht für unreflektierte Massendezimierung.

Um die Leistungen der Jägerschaft an der Gesellschaft zu verdeutlichen wird Ende des Jahres in der ORF-Reihe Universum ein Film zum Alltag des Jägers ausgestrahlt.

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