Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Energiesparen, um zu überleben

Von Mag. Christopher Böck, Wildbiologe

Wenn uns Menschen kalt ist, drehen wir an den Heizungsreglern, doch wie haushalten Wildtiere mit ihrer Energie, um der kalten Jahreszeit zu trotzen? Zugvögel begeben sich Richtung Süden in wärmere Gefilde, Säugetiere bilden ein Winterfell aus und fressen sich Reserven an. Manche Säuger aber haben eine besondere Strategie: Sie schlafen während der kalten Monate, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen und so den Winter zu überleben.

 

Doch nicht alle Tiere, die sich während des Winters rar machen sind echte Winterschläfer. So „ruht“ zum Beispiel das Eichhörnchen nur, um ab und zu die im Herbst versteckten Vorräte auszugraben und zu fressen. Ebenso der Dachs, der hauptsächlich von seinen herbstlichen Körperreserven zehrt – er kann bis zum Winter etwa 5 kg Feist (Fett) ansetzen und bis zu 20 kg (!) wiegen.

Auch sehr große Tiere wie etwa der Braunbär, der auch in Oberösterreich seine Fährten zieht, hält keinen echten Winterschlaf, da es physiologisch viel zu aufwendig wäre, die Körpermasse von sehr geringen Temperaturen wieder auf Normaltemperatur aufzuheizen. Diese Tiere halten also Winterruhe.

Winterschläfer wie Murmeltiere, Igel, Siebenschläfer oder Fledermäuse hingegen senken die Körpertemperatur drastisch ab. Der Stoffwechsel ist stark eingeschränkt und die Herz- und Atemfrequenz auf ein Minimum reduziert. So schlägt beispielsweise das Herz des Ziesels während des Winterschlafes nur noch 4-7 mal pro Minute, wobei 300 Schläge pro Minute Normalzustand sind. Der Igel atmet während einer Minute nur mehr ein- bis zweimal und die Körpertemperatur des Murmeltieres wird von 37° C auf bis zu 2,5° C, je nach Außentemperatur, herabgesetzt! Somit können diese Tiere bis zu 80 % Energie einsparen und die Fettreserven reichen bis ins Frühjahr, wenn es wieder Zeit zum Aufwachen wird.

Winterschläfer müssen allerdings in Kauf nehmen, dass sie bewegungsunfähig sind und somit ihren Feinden nicht entkommen können. Deshalb sind sie auf sichere Quartiere wie Erdhöhlen und dergleichen angewiesen, wo dann der Stoffwechsel gedrosselt wird.

Nach neuen Erkenntnissen zeigen alle Winterschläfer in regelmäßigen Abständen, je nach Tierart zwischen 5 und 30 Tagen, Aufwärmphasen, in denen die Körpertemperatur für wenige Stunden Normalniveau erreicht. In diesen Aufwärmphasen, deren Grund bis heute nicht vollständig geklärt ist, erwachen die Tiere aber meist nur selten. Einen möglichen Grund für diese „Energieverschwendung“ sehen Wissenschafter darin, dass das Gehirn regelmäßig auf Normaltemperatur gebracht werden muss, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Außerdem – so wird ebenfalls vermutet – ist ein weiterer Grund dafür, dass ein tiefer und regenerativer Schlaf nur bei normalen Körpertemperaturen möglich ist.

Viele unserer heimischen Säugetiere müssen den Winter aber oberirdisch verbringen – Wind, Wetter und Feinden ausgesetzt. Rehe oder Rothirsche haben jedoch ebenfalls Strategien wie sie Energie sparen und dabei die kalte Jahreszeit, in der es weniger Nahrung als Energielieferant gibt, zu überleben. Neben den schon erwähnten Anpassungen wie Winterfell und „Winterspeck“ können sie die Körpertemperatur in den Extremitäten, also den Beinen, herabsetzen. Dieses Phänomen kann übrigens auch beim Menschen beobachtet werden, wenn bei kalter Außentemperatur zuerst die Hände und die Füße kalt werden. Größere Tiere können aber auch – ähnlich den Winterschläfern – den Stoffwechsel drosseln und so weitere Energie einsparen. Dies allerdings nur stundenweise, da sie dabei in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind und so leicht Opfer von Feinden werden können.

Diese mitunter neuen Erkenntnisse müssen nun auch in der Praxis beim Umgang mit Wildtieren einfließen. Offensichtlich benötigen Tiere im Winter noch mehr Ruhe als immer angenommen, um alle Mechanismen des Energiesparens voll ausnutzen zu können.

zurück drucken  teilen