Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Von Hexen und Rehen

Sie werden sich sicher fragen, was Hexen mit Rehen zu tun haben? Tatsächlich haben die Märchenwesen mit unserem Rehwild nicht viel „am Hut“ und dennoch haben unsere Vorfahren die kleinste europäische Art aus der Familie der Hirschartigen (unbewusst) mit etwas Übernatürlichem in Verbindung gebracht.

Jetzt, in der Zeit zwischen Mitte Juli und Mitte August, findet nämlich die Rehbrunft statt. Der Zeitpunkt der Brunft – also Hochsommer, mitten in den „Hundstagen“ – ist eigentlich etwas besonderes, wenngleich die Verbindung mit Hexen erst durch ein bestimmtes Verhalten der Tiere zustande kommt, das ein Muster in Wiesen und Felder zeichnen lässt – sogenannte Hexenringe.
Diese Hexenringe, die in ihrer Form oval, kreisrund oder achterförmig sein können, kommen dadurch zustande, dass die Böcke die Geißen hetzen, das sogenannte Treiben. Wenn wir dieses Treiben jedoch genau beobachten, dann ist es eigentlich genau umgekehrt – die Geißen „ziehen“ die Böcke. Die Männchen prüfen dabei die Paarungsbereitschaft der Weibchen, da diese nur etwa zwei Tage lang fruchtbar beschlagen, also begattet werden können.

Das ganze Ritual der Fortpflanzung beginnt mit dem Suchen und dem Angaloppieren der Geiß durch den Bock, wobei die Geiß flüchtet und der Bock ihr folgt. Dieses erste Treiben führt das Paar oft 500 Meter vom Ausgangspunkt weg bis sie das Schauspiel abbricht und stoppt. Die Geiß fordert den Bock zum Beschlag (Begattung) auf, flüchtet jedoch wieder, wobei sie diesmal in ein fast zeitlupenartiges Tempo verfällt. Das anschließende zweite Treiben dauert zwischen zwei und zehn Minuten und hinterlässt durch wiederholt ausgeführte Kreisbahnen oder Achterschlingen die anfangs beschriebenen Hexenringe. Der Bock hängt förmlich am Hinterteil der Geiß, wobei diese beim zweiten Treiben regelmäßig Kontaktlaute von sich gibt.

Noch eine Besonderheit des Rehwildes ist im Zuge der Fortpflanzung erwähnenswert – die sogenannte Keimruhe, also eine Wartezeit der befruchteten Eizelle bis etwa zum Winteranfang, wo dann mit der Einnistung in der Gebärmutter das Embryonalwachstum beginnt. Rehe sind mit dieser Besonderheit jedoch nicht ganz alleine, denn auch bei den Marderartigen gibt es Arten mit Keimruhe, unter den heimischen Schalenwildarten sind sie aber damit „einzigartig“. Der Vorteil dieser Keimruhe liegt darin, dass der Zeitpunkt des Setzens, also der Geburt unabhängig vom Brunfttermin immer im Frühjahr ist – meistens im Mai. Bei ungünstigen Nahrungsbedingungen im (Spät)Winter können Rehgeißen sogar die Embryonen resorbieren und somit den Nachwuchs in diesem ungünstigen Jahr ausfallen lassen, wobei dies am ehesten im Gebirge vorkommt. Geißen haben auch im Bezug auf den Geburtstermin noch eine Überraschung in petto: sie können bei ungünstiger Witterung die Tragzeit geringfügig verlängern und so „schöneres“ Wetter abwarten.
Späteres Setzen im Frühjahr bedingt auch einen späteren Brunftbeginn im Sommer – für die Entwicklung des Embryos irrelevant, die Zeit des Wachsens fällt in den Winter und ins Frühjahr…

Von Mag. Christopher Böck / Oö Landesjagdverband
www.ooeljv.at

Den Artikel (als Word-Dokument) sowie das Foto in druckfähiger Auflösung finden Sie links in der Downloadbox oder Sie fordern die Daten in unserer Geschäftsstelle an.  Wir bitten um Quellenangabe!

zurück drucken  teilen