Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Erfolgreiche Niederwildhege – Illusion oder Realität?

Über Ursachen und Zusammenhänge, der negativen Entwicklung unserer Niederwildbestände gibt es unterschiedliche Zugänge und Begründungen.

Unbestritten zeichnen jedoch Lebensraumveränderung und Einfluss von Prädatoren, also Raubwild, primär verantwortlich für das traurige Bild in den meisten heimischen Niederwildrevieren.

Umstände, die wir als Jäger und Mitglieder unserer modernen Gesellschaft weder ändern, noch gestalten können, dürfen aber nicht zu zentralen Themen werden – wir brauchen unsere ganze Energie dort, wo noch Handlungs- und Gestaltungsspielraum gegeben ist, um das zu tun, was NOTWENDIG, MACHBAR und SINNVOLL ist.

Lebensraumgestaltung in der GAP 2015

Viel Optimismus wurde schon versprüht, spät aber doch hat sich der Nebel über die tatsächlichen Möglichkeiten für aktive Lebensraumgestaltung gelichtet. Chancen, die wir gemeinsam mit unseren Landwirten erkennen und nützen müssen. Bis zuletzt waren wichtige Detailfragen ungeklärt im Zusammenhang mit AMA-Anerkennung im Falle einer Prüfung (Rechtssicherheit ist ein unbedingtes Muss im Interesse von Jägern und Landwirten, um die notwendige Bereitschaft für UBB Maßnahmen nicht zu gefährden).

Als Jäger und oft auch zugleich als Landwirt tragen wir doppelte Verantwortung gegenüber unseren Berufskollegen in der Landwirtschaft:

  • mit Beispiel auf eigener Fläche zeigen, was möglich ist
  • Kooperation bei der Anlage der Flächen anbieten ( z.B. Aussaat, Pflege zum richtigen Zeitpunkt etc.)

Um in der Praxis tatsächlich mit UBB Flächen hochwertige Biotope zu schaffen, sind eine Reihe von Überlegungen wichtig und bedeuten aktive Mitwirkung der Jäger jedes einzelnen Revieres.

  • Wo ist in erster Linie Bedarf für:
    • mehr Äsung (Winter- Sommer)?
    • mehr Deckung?
    • Wo möchte man Konzentrationen (evtl. Rehwild) vermeiden und Lenkung über künstlich geschaffene Einstandsflächen bewirken?
    • Wo schafft man Flächenverbindungen zu einem Biotopverbund?

Die Entscheidung, welche Saatgutmischung auf welchen Standorten zu verwenden ist, ist von besonderer Bedeutung (Empfehlung der Saatguthersteller beachten), denn Lichtverhältnisse, Nord- oder Süd-Lagen, Trocken- oder Feuchtlagen und Bodentypen sind relevant für Erfolg oder Misserfolg. Jede Saatgutmischung muss vier insekten-blütige Mischungspartner aufweisen (Gräser gelten als nicht insekten-blütig). Sollte im Folgejahr, aus welchen Gründen immer, diese geforderten Mischungspartner nicht mehr vorhanden sein, so empfiehlt es sich für den Fall einer AMA Prüfung den Saatgutnachweis aufzubewahren. Von besonderer Bedeutung ist die Möglichkeit, Altbrachen unter bestimmten Voraussetzungen als UBB Flächen anzurechnen:

  1. Teilumbruch mit Neuanlage im Ausmaß ab 15 % des Altbracheschlages können zu einer günstigen und dennoch sehr wertvollen ökologischen Aufwertung führen.
  2. Neueinsaat in Altbrache in bestehenden Bestand mit Schlitz oder Streifensaat auf ganzem Schlag. Diese Maßnahme ist aus pflanzenbaulicher Sicht schwierig, da der Konkurrenzdruck des Altbestandes im Regelfall zu stark für die Jungsaat ist. Besondere Vorbereitung und pilliertes Saatgut (z.B. ” K + K” Mischung) können hier hilfreich sein.

Informationen für Saatgutmischungen:
Saatbau Biodiversitätsmischung 02-2015
Saatbau K & K Jagd (Kräuter und Klee Einsaatmischung)
Saatbau Bienenkorb-2015

RWA Äsungsmischungen 2015
RWA Lebensraumverbesserung – Information und Bestellung

Detailfragen bez. GAP 2015 und UBB: INVEKOS -Service 050/6902-1600

Die Teilnahme an der UBB Maßnahme ist freiwillig und viele unserer Landwirte werden aus betriebsspezifischen Überlegungen nicht daran teilnehmen.
Jedoch auch hier können wir Jäger im Einvernehmen mit diesen Landwirten durch Eigenleistungen auf herkömmlichen Greening-Flächen ökologische Vorrangflächen schaffen. Das Motto Jede Fläche zählt” gilt hier ganz besonders.

In unserer gegenwärtigen Situation des Niederwildes muss uns aber klar sein: Lebensraumverbesserung, besonders im Rahmen der neuen GAP 2015 ist keine “einmalige Aktion”, sondern eine dauerhafte Maßnahme, die gepflegt werden muss – gemeinsam mit einer intensiven und nachhaltigen Raubwildbejagung. Nur dann trägt diese Arbeit Früchte und ist damit ein Grundstein für eine mögliche Trendwende für unser geschätztes Niederwild und darüber hinaus!

Quelle: Der Oö Jäger Nr. 146, Text: LJM-Stv. BJM Ing. Volkmar Angermeier

Finden Sie hier auch den Vortrag Paul Weiss ÖPUL und Lebensraum

Erwartbare Auswirkungen der geplanten GAP-Maßnahme „Greening“   und der Le 2020 auf die Niederwildbesätze

zurück drucken  teilen