Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Modernes Flugwildmanagement – Die Hege von Fasan, Rebhuhn und Co

Jedem Weidmann ist die Problematik rund um unser Niederwild bekannt. Der Trend der rückläufigen Besätze scheint unaufhaltsam voranzuschreiten.

Der größte Teil der Jäger hat bereits resigniert und Fasan, Rebhuhn und Co. aus ihrer Liste gestrichen. Soweit darf und muss es nicht kommen!

Wir Jäger sollten allerdings lernen, auf Veränderungen in der Kulturlandwirtschaft sowie auf Populationsentwicklungen der Prädatoren richtig zu reagieren. Hier hilft es nur sehr bedingt, in alten Büchern zu schmökern, denn die Grundvoraussetzungen waren damals schlicht und einfach völlig anders. Die Hege, obwohl der Tradition verbunden, sollte nicht statisch angegangen, sondern immer den aktuellen Rahmenbedingungen angepasst werden.

Keinesfalls sollte zu sehr vereinfacht und alles auf den einen begrenzenden Faktor – wie etwa „die Landwirtschaft“ oder „das Raubwild“ – heruntergebrochen werden. Die Rückgangsursache ist in Wahrheit eine Kombination aus vielen Parametern.

 Kurz zum Raubwild

Die Zuwächse des Haarraubwildes sind durch die Umgestaltung der Landschaft, die Tollwutimmunisierung und zuweilen nachlassende Bejagung vom Menschen verursacht worden. Wenn wir das “natürliche” biologische Gleichgewicht erhalten wollen, müssen wir Jäger demzufolge mehr Raubwild erlegen. Entscheidend ist der Grundsatz: “Nicht abschöpfen, sondern regulieren!“ Gut 70 % der Verluste bei Bodenbrütern werden allein durch Fuchs, Marderhund und Waschbär verursacht. Um hier wieder ökologisch angepasste Populationen herbeizuführen, müssen wir Jäger tatkräftig zupacken, denn das ist aktiver Naturschutz.

Bei den Greifvögeln verhält sich das ein wenig anders. Die Zuwächse, die hier durchaus zu verzeichnen sind, sind lediglich als ein Wiederbesetzen ihrer ökologischen Nische anzusehen. Durch die Belastung mit Pestiziden waren sehr viele Greifvögel vom Aussterben bedroht. Hier ist ein erneutes Erstarken nicht mit einen „Überschuss“ gleich zu setzen.

Lebensraum und Kükensterblichkeit

Die allbekannten Veränderungen in der Feldflur – Flächenzusammenlegung, Einsatz von Pestiziden, intensivere Nutzung und einseitige Fruchtfolgen – sind nicht eben förderlich für die Arten der offenen Agrarlandschaft. Da eine Entspannung nicht abzusehen ist, ja die Landwirtschaft vielmehr noch intensiver wird, müssen wir umdenken und neue Lösungen für das Niederwild finden. Glücklich kann sich derjenige schätzen, der ein kleinflächig strukturiertes Revier bewirtschaften darf. Doch auch in der Normallandschaft dürfen wir Rebhuhn und Fasan nicht aufgeben, sondern ggf. auch auf „zweitbeste Lösungen“ ausweichen.

Ich habe mich in den letzten Jahren intensiv und mit Erfolg der Flugwild-, besonders der Rebhuhnhege gewidmet. Hierzu zunächst eine Einführung: Die Universität Göttingen konnte feststellen, dass ein Hauptproblem die erhöhte Kükensterblichkeit ist. Man kam zu dem Ergebnis, dass sie sich im Vergleich zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dramatisch erhöht hat. Somit ist dies der Parameter, der sich im Laufe der Jahrzehnte am stärksten negativ geändert hat – nicht etwa die Wintersterblichkeit aufgrund mangelnder Deckung und Äsung, wie mancher Weidmann vielleicht vermuten möchte.

Mit diesem neuen Wissen haben wir uns daran gemacht, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Ziel war es, neben der konventionellen Fütterung der Althühner, die Jungen mit den in den ersten drei Lebenswochen unabdingbaren Proteinen zu versorgen.

Die Lösung waren Futtereimer, die von uns in vielen Schritten optimiert wurden und jetzt von jedem oberösterreichischen Jäger beim OÖ Landesjagdverband bestellen können. Verwendet werden 10 l Futtereimer aus UV-beständigem Material mit Tropfrand. Letzterer ist wichtig, da bei Feuchtigkeit sonst Wasser in das Futter gelangen könnte. Die Behälter wurden gelb eingefärbt. Das ist für das Auge zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig, erfüllt aber einen wichtigen Zweck: Die Farbe zieht durch ihre Wellenlänge zusätzlich Insekten in der entscheidenden Zeit an. So wirkt die Fütterung allein schon wie ein großer Insektenmagnet. Unten ist ein Drahteinsatz eingepasst, der stets austauschbar bleibt. So kann die Fütterung sehr schnell auf verschiedene Futtermittel eingestellt werden. In der Regel kann man mit einem 6 mm-Einsatz alles Nötige verfüttern. Unter dem Futterkorb sollte eine Steinplatte liegen. Diese verhindert, das Fasanen oder Rebhühner Kuhlen scharren, die sich mit Wasser füllen würden. So bleibt das Futter immer trocken und hygienisch. Auch das Einwachsen im Sommerhalbjahr kann so vermieden werden. Im optimalen Fall wird der Stein selbst gegossen und bekommt dabei gleich die Farbe des Futterbehälters. Die Kübel können aufgehängt oder in einem vorgefertigten Ständer aufgestellt werden. Die Ständer baut und vertreibt Rudi Humer. Der Preis für die vollverzinkte Ausführung beträgt 10€. Mit dem Gestell kann man sehr schnell und einfach auf die Fruchtfolge reagieren, denn die Hühner brauchen und lieben, trockene, besonnte Standorte. Auch bei konstanter Frucht muss man die Fütterung immer ein Stück verschieben, um Parasitenbelastung und Krankheitsübertragung auszuschließen. Jedoch sollte jeder Jäger wissen, wo seine Fütterungen stehen und sie umstellen, wenn die Erntearbeiten anstehen, denn ein solcher Ständer im Mähdrescher kann empfindliche Folgen für den Jagdpächter haben.

Gewöhnung an die Futtersysteme

Die Fasanen und Rebhühner kann man am besten im November und Dezember an die neuen Futtersysteme gewöhnen. Lösen sich die Verbände im Frühling auf, werden die bekannten Futterstellen weiterhin aufgesucht. Das Flugwild sucht dann regelrecht nach den gelben Kübeln. Wir füttern nur Weizen – im ganzen Korn zu Beginn, wenn die Fütterung gut angenommen wird kann dann gebrochener Weizen verfüttert werden. Nur wenn man kein Mischfutter verwendet, bleibt die Fütterung immer sauber. Wenn keine Futterreste am Boden liegen, bleiben Nager und deren Fressfeinde fern. Dies ist an der herkömmlichen Schütte anders. Eine hohe Nager-Konzentration ruft dort auch Raubwild auf den Plan. Ich empfehle, eher mehr Fütterungen als zu wenige auszubringen. Nicht angenommene Systeme können umgestellt werden und an anderer Stelle Einsatz finden. Den Rebhühnern müssen wir den Fütterungen direkt an deren bevorzugten Stellen anbieten, der Fasan hingegen nimmt das Angebot fast überall wahr. Kurz vor der Eiablage mische ich eiweißhaltiges Futter wie hochwertigen, unbedenklichen Putenstarter oder Mehlwürmer unter den Weizen. Durch den hohen Proteinanteil erhöht sich die Anzahl der Eier, da sich die Hennen in bester Kondition befinden. Die Altvögel führen die Jungen direkt und schon ab dem ersten Tag zur Fütterung. Dort fällt der feinere Putenstarter auf den Stein und wird von den Küken aufgenommen. Dies lässt die Sterblichkeit unter 30 % sinken, da kräftige Küken besser eine Schlechtwetterperiode überstehen. Ohne Insekten – oder, im Fall des Mangels, zusätzliches Futter – sind die Junghühner nicht in der Lage zu überleben. Ihr Körper verbraucht bei der Aufnahme von Grünäsung mehr Energie, als diese eigentlich liefert. Somit fällt die Energiebilanz negativ aus, was unweigerlich zum Tod der Jungen führt. Bisher konnten wir diesem System, das überall dort eingesetzt werden kann, wo lebensraumverbessernde Maßnahmen zur Zeit nicht in Aussicht stehen, nur Positives abgewinnen. Nach sehr erfolgreichen Tests wird es bald auch in England und Frankreich zur Steigerung der Niederwildbesätze eingesetzt.

Die Futtereimer weisen gegenüber der herkömmlichen Schütte viele positive Eigenschaften auf:

-          Stets trockenes Futter

-          Die Fütterung ist artspezifisch

-          Die Eimer selbst sind Insektenmagneten

-          und können zusätzlich mit Proteinfutter ausgestattet werden

-          Geringerer Raubwilddruck durch weniger Nagetiere

-          Günstiger als herkömmliche Systeme (Kübel inkl. Einsatz 5 €)

-          Tauschbarer Futtereinsatz (ca. 1,00 € /Stück)

-          Schnell versetzbar und langlebig

Der OÖ LJV bietet hier ein qualitativ hochwertiges System an. Der Futterkübel kostet mit Deckel sowie Einsatz Euro 5,00.

Bitte beachten Sie, dass aufgrund der großen Nachfrage die Futterkübel momentan ausverkauft sind!!
Nachschub ist allerdings schon bestellt und wird ca. Ende Jänner wieder verfügbar sein!

Abgegeben werden diese nur im 10er Pack! Ein unschlagbarer Preis für das System! 20 Fütterungen, die sichtbare Erfolge nach sich ziehen, kosten weniger als ein tragbarer Hochsitz oder eine gute Wildkamera.

Abholung in der Geschäftsstelle des OÖ Landesjagdverbandes zu den Bürozeiten jederzeit möglich (kein Versand).

 

Ein Artikel von Torsten Hamberger
Quelle: Oö Jäger Nr. 145, Dezember 2014

 

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