Vom Frischen der Bachen

Vom Frischen der Bachen, OÖ LJV

Wer Naturthemen in den Medien der letzten Monate verfolgt hat, ist unweigerlich mit dem Schwarzwild, also den Wildschweinen, konfrontiert worden. So konnte man lesen bzw. sehen, dass es immer mehr Wildschweine in (Ober)Österreich gibt, und dass es in Gebiete vordringt, in denen schon Jahrzehnte kein Vertreter dieser Tierart mehr aufgetaucht ist oder überhaupt das erste mal seit „Menschengedenken“.

Ein wesentlicher Grund, warum Wildschweine immer häufiger werden, hat mit ihrer Fortpflanzungsstrategie zu tun. Die zu den sogenannten r-Strategen zählende Tierart, das heißt, dass sie u.a. viele Jungtiere gebärt und eine relativ kurze Lebensdauer aufweist, kann auf optimale Lebensbedingungen kurzfristig mit vermehrtem Nachwuchs reagieren. Vermehrte Baummasten, also viele Früchte von Buchen oder Eichen, intensiver Maisanbau in der Landwirtschaft und viele Kirrungen (Lockfütterungen) durch einige Jäger bei gleichzeitig geringer Bejagung steigern rasch das Gewicht der jungen Allesfresser und erhöhen somit die Vermehrungsrate. Milde Winter tun ihr Übriges…
Aber halt! Was heißt hier „milde Winter“? Die zweite Winterhälfte des Vorjahres und der heurige Winter sind alles andere als mild – wie reagiert also das Schwarzwild?

Strenge, schneereiche Winter sind einer der gravierendsten limitierenden Faktoren, was die Fortpflanzung der Wildschweine anbelangt, denn jetzt, im März, werfen die meisten Bachen, also die Wildschweinweibchen, ihre Jungen, die Frischlinge – die Bachen frischen, wie es im Fachjargon heißt.
Manche Bachen haben schon im Jänner oder Anfang Februar gefrischt, wenngleich dies eher die Ausnahme ist. In der Regel kommt der Nachwuchs im März zur Welt, da die Rauschzeit, so nennt man die Fortpflanzungszeit beim Schwarzwild, normalerweise in den Dezember fällt.
Um die Kälte, die in dieser Jahreszeit noch herrschen kann zu entschärfen, baut die Bache ein komfortables Nest – den Wurfkessel. Ältere Bachen haben mit der Anlage des Wurfkessels, der mit Ästen, trockenem Gras und Moos ausgestattet wird, mehr Erfahrung, denn Frischlingsverluste durch nass-kalte Witterung sind bei jungen Muttertieren deutlich höher. Dazu kommt auch, dass ältere Bachen mehr Junge, nämlich 6 bis 8, in Ausnahmefällen bis zu 10, bekommen und diese sich gegenseitig wärmen können. Junge Bachen frischen nur 2 bis 4 Jungtiere. Die Frischlinge, die bei ihrer Geburt schon sehen können und behaart sind, sind relativ klein im Bezug auf die Größe und das Gewicht der Bachen, die in der Regel bis zu 70, 80 kg schwer werden. Kleine Tiere haben ein ungünstiges Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpervolumen. Das heißt, dass der Körper der Frischlinge schnell auskühlt und somit das Wachstum verlangsamt wird, da die Energie in den Erhalt der Wärme investiert werden muss – der Frischling muss sich „warm zittern“. Oder aber, der Körper kühlt dermaßen aus, dass das Jungtier verendet, was in schneereichen und langen Wintern mit Nachtfrösten keine Seltenheit ist. Das Muttertier ist also zu dieser Zeit besonders gefordert. Auf der einen Seite sollte es möglichst viel bei den Jungen sein, um diese zu wärmen, auf der anderen Seite aber auch Nahrung beschaffen, um eine gute Milchleistung zu erreichen, damit die Frischlinge schnell an Gewicht zulegen.
Wildschweinweibchen können aber auch während des restlichen Jahres erfolgreich begattet werden, vor allem dann, wenn sie ihre Frischlinge verloren haben oder ausgesprochen gute Nahrungsverhältnisse herrschen. Es ist also in Ausnahmefällen während des ganzen Jahres mit Frischlingen zu rechnen.

Wehrhaftes Wild
Schwarzwild zählt zum „wehrhaften Wild“, was auch für den Naturliebhaber heißt, führende Bachen, also Wildschweine mit Jungtieren, möglichst zu meiden, da diese, wenn sie überrascht werden, ihre Frischlinge verteidigen. Normalerweise flüchten aber auch Wildschweine bei der Annäherung von Menschen, da diese ausgesprochen gut hören und riechen, und somit für den Menschen nicht gefährlich sind.

 

Von Mag. Christopher Böck, Wildbiologe/Oö Landesjagdverband

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