Afrikanische Schweinepest in Europa weiter auf dem Vormarsch

Rasche Früherkennung – Voraussetzung für wirksame Maßnahmen

von Dr. Birgit Kaltenböck und DDI Gottfried Diwold (Fotos: Getty Images)

Die Afrikanische Schweinepest hat sich in den vergangenen Jahren im Bestand der Wildschweine in Europa kontinuierlich weiter in Richtung Süd-Westen ausgebreitet – nun steht sie nur 110 km vor der Grenze von Österreich.

Der OÖ Landesjagdverband warnt in diesem Zusammenhang explizit vor Jagdreisen in die Länder BELGIEN, UNGARN, POLEN, LETTLAND, ESTLAND, LITAUEN, RUMÄNIEN, BULGARIEN, DER UKRAINE, RUSSLAND UND WEISSRUSSLAND und spricht eine offizielle Reisewarnung für Jägerinnen und Jäger aus!

Ein Ausbruch in Österreich hätte schwerwiegende Folgen für Tiere und landwirtschaftliche Betriebe. Die Seuchenbekämpfung im Wildschweinebestand ist sehr schwer möglich, durch entsprechende Biosicherheitsmaßnahmen soll die Einschleppung in Hausschweinebestände verhindert werden.

Prävention – Biosicherheit

Das Virus wird oral aufgenommen und kann u.a. durch Blut, Knochen, Fleisch, Fahrzeuge, Jagdutensilien oder über die Bekleidung übertragen werden. Eine wichtige Ansteckungsquelle sind Wildschweinkadaver oder Gegenstände (Messer, Kleidung, …) die mit kontaminierten Wildschweinen in Berührung gekommen sind. Jäger, die sich in Gebieten aufgehalten haben in der ASP vorkommt, sollen größten Wert auf Hygiene und Desinfektion legen. Zu empfehlen ist, sich vor Reiseantritt mit geeigneten Desinfektionssets auszurüsten. Diese sind günstig im Fachhandel erhältlich. Keinesfalls sollten Wildbret oder Lebensmittel aus Wildschweinefleisch nach Österreich mitgenommen werden.

Augen auf im Revier

Um eine Ausbreitung zu verhindern, gilt es die Afrikanische Schweinepest frühzeitig zu erkennen. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit vermehrt auf Fallwild (auch Unfallwild). Die Krankheit kann akut oder chronisch verlaufen. Der Jäger trifft vermehrt auf bereits verendete oder durch massive Fieberschübe auffällig matte Stücke, die eventuell auch Bewegungsstörungen zeigen. Tiere mit mangelndem Fluchtverhalten, z. B. Verbleiben in der Suhle, sind jedenfalls verdächtig. Wird auffälliges Verhalten bei Wildschweinen beobachtet oder wird verendetes Schwarzwild gefunden, so ist unverzüglich der Amtstierarzt der zuständigen Bezirkshauptmannschaft zu verständigen – erforderlichenfalls (am Wochenende) die Rufnummer der OÖ. Landeswarnzentrale (Rufnummer: 130) wählen.

 

Schwarzwilddichten weiter absenken

Oberösterreich gehört nicht zu den Bundesländern mit den großen Schwarzwildvorkommen. Grund dafür sind einerseits das Fehlen geeigneter Lebensräume, wie große Auwaldgebiete, und andererseits das klare Bekenntnis der Jäger, der Politik sowie der jagdlichen und landwirtschaftlichen Interessensvertretern, dass die Landeskultur klar vor die jagdlichen Interessen zu stellen ist.

Obwohl sich die Abschusszahlen im Vergleich zu den Nachbarländern auf einem niedrigen Niveau bewegen, sind die Abschusszahlen auch bei uns steigend. Eine Erhöhung der Abschüsse ist deshalb so wichtig, da mit steigendem Schwarzwildvorkommen auch das Risiko einer ASP-Einschleppung zunimmt!

Dies stellen auch § 60 des OÖ. Jagdgesetzes und die OÖ. Abschussplanverordnung klar –diese verbieten nämlich die Hege von Schwarzwild!

Aus diesem Grund ging Oberösterreich schon 2014 den Weg, Empfehlungen zu erarbeiten, mit dem klaren Ziel, das Schwarzwildvorkommen in Oberösterreich zu reduzieren (Rolle der Bache, Bewirtschaftung vs. Reduktion etc.).

Die größten Schwarzwildvorkommen in Oberösterreich finden sich neben Vöcklabruck und Braunau, vor allem in den Grenzgebieten zu Tschechien und Niederösterreich. In diesen Gegenden sind wir stark von den Entwicklungen der Schwarzwildbestände in den Nachbarländern abhängig.

Jägern aus Oberösterreich, die in diesen Ländern die Jagd ausüben, kommt dabei eine besondere Rolle zu. Wünschenswert wäre dabei, dass sie die Jagd (im Hinblick auf das Schwarzwild) nach denselben Grundsätzen wie in Oberösterreich ausüben. Hohe Schwarzwildpopulationen sind nicht alleine auf den Klimawandel zurückzuführen – passend dazu aus dem Zauberlehrling: „Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.“

 

Bei einem festgestellten ASP-Ausbruch ist die aktive Unterstützung durch die oö. Jägerschaft bei der Umsetzung des OÖ. Tilgungsplanes erforderlich!

Sollte es zu einem Ausbruch in Oberösterreich oder im Grenzgebiet zu Oberösterreich kommen, tritt der OÖ. Tilgungsplan in Kraft. Dieser beinhaltet ein umfangreiches Maßnahmenpaket, welches zunächst die Eindämmung bzw. ein Abwandern von infizierten Wildschweinen aus dem Ausbruchsgebiet und später die Tilgung der Afrikanischen Schweinpest zum Ziel hat. Hinsichtlich der erforderlichen Maßnahmen im Wirkungsbereich der Jäger gab es bereits Abstimmungsgespräche zwischen dem Amt der OÖ Landesregierung und dem OÖ Landesjagdverband. Die erforderlichen Maßnahmen, wie zum Beispiel das Errichten von Zäunen, die Bejagung mit Nachtzielgeräten oder das Betreiben von Saufängen wird nach Maßgabe der Erfordernisse eingesetzt. Das Tierseuchengesetz erlaubt dabei Maßnahmen, die nach dem OÖ. Jagdgesetz nicht erlaubt sind.

Das Land Oberösterreich benötigt bei der Bewältigung das Fachwissen, die Kenntnis und auch die Präsenz der Jäger vor Ort – dafür bedanken wir uns schon jetzt herzlich!

 

 

Weitere Infos zur Afrikanischen Schweinepest finden Sie unter https://www.ooeljv.at/aktuelles/aktuelles-termine/schwarzwild-fallwild-ist-meldepflichtig/

   
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