Praxistipps aus innovativen oö. Revieren

Ergebnisse der Vegetationsbeurteilung und Abschussplanerfüllung zeigen positive Entwicklung in weiten Teilen Oberösterreichs.

Ein Artikel von DI DI Gottfried Diwold und Dr. Josef Kerschbaummayr
Quelle: OÖ Jäger Nr. 160

Im Jagdjahr 2017/18 wurden in Oberösterreich 78.743 Stück Rehwild erlegt – bei einer Abschussplanvorgabe von 78.346 Stück ergibt das eine Abschussplanerfüllung von 101%. Die forstlichen Appelle, die Abschusspläne vollständig zu erfüllen und nach Möglichkeit noch mehr zu erlegen, wurden demnach von den Jägern erfolgreich ausgeführt. Gegenüber dem Jagdjahr 2016/17 wurden in Oberösterreich um 5% bzw. 3.647 Stück mehr Rehwild erlegt. Weiters wurden 4.265 Stück Rotwild (Erfüllung: 98%) und 1.884 Stück Gamswild (Erfüllung: 83%) gestreckt. Bei den Vegetationsbeurteilungen im Frühjahr 2018 wurden insgesamt 433 Jagdgebiete (2.522 Einzelbeurteilungen) bewertet. 756 Jagden oder 87 % erreichten Stufe I (davon 435 Jagdgebiete nachhaltig Stufe I – keine Begehung 2018) und wiesen demnach eine tragbare bis überwiegend tragbare Verbissbelastung auf. Bei 106 Jagdgebieten oder 12 % wurde diese als zu hoch (Stufe II) und in 6 Jagdgebieten (1 %) als nicht tragbar (Stufe III) beurteilt. Auffallend hoch ist die Anzahl der nachhaltigen I-er Jagden (Abbildung 1). Das Ergebnis der heurigen Vegetationsbeurteilung kann aus Sicht des Oö. Landesforstdienstes als zufriedenstellend beurteilt werden.

Erfreulich ist, dass viele Jagdgebiete von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, nach eigenem Ermessen mehr als den Mindestabschuss zu erlegen. Nicht selten hört man von Jägern bei der gemeinsamen Abschussplanerstellung, dass die Abschussplanhöhe, selbst bei guten Ergebnissen und positiver Entwicklung, auf gleichem Niveau bleiben soll.
Diese Entwicklungen zeigen, dass viele Jäger nicht nur Abschusspläne erfüllen, sondern Eigenverantwortung übernehmen und so die Oö. Abschussplanverordnung leben. Immer mehr Jagden haben gelernt, sich nicht darauf zu beschränken, nur die Abschusspläne zu erfüllen und anschließend zu hoffen, dass die heimischen Schalenwildarten über den Winter kommen, ohne zu sehr zu verbeißen oder zu schälen. Diese Jagden verlassen sich nicht auf`s Glück, sondern drehen aktiv an den maßgeblichen Schrauben, um die Waldgebiete möglichst zu entlasten. Leider gibt es dafür keine einfachen Patentrezepte, die Strategien und Maßnahmen müssen an das jeweilige Revier angepasst und auf die dort lebenden Schalenwildarten abgestimmt werden. Einige dieser positiven Ansätze werden untenstehend beschrieben.

Maßnahmen in Rehwildrevieren

Fütterung
Die Diskussion über die Wildwinterfütterung wird unter Jägern in Oberösterreich sehr kontrovers geführt. Dies reicht vom gänzlichen Verzicht (mit Ausnahme des § 53 Oö. JG) bis hin zu intensiver auf die Jahreszeit abgestimmten Fütterung. Es finden sich für beide Zugänge sowohl positive als auch negative Beispiele in Oberösterreich. Tatsache ist, dass das Rehwild bis in die 1970iger Jahre weitestgehend ohne Winterfutter ausgekommen ist, die zum Teil intensive Fütterung dem generellen Wohlstand und den geringen landwirtschaftlichen Produktpreisen geschuldet ist.
Wird die Wildwinterfütterung zielgerichtet angewendet und beschränkt sich der Blickwinkel nicht nur auf die Trophäen, sondern umfasst auch andere Parameter wie Raumnutzung oder die Entwicklung von Naturverjüngung, kann das Wild gelenkt und zum Beispiel Wildschäden oder Straßenfallwild vermieden werden. Erfolgt die Wildwinterfütterung zwar gut gemeint, aber nicht überlegt, kann das Pendel sehr schnell auch in die andere Richtung ausschlagen. Generell gilt, wer füttert, muss die sich einstellenden höheren Wildstände auch abschöpfen! Wird gefüttert, sollte man sich bei der Standortsuche für eine neue Fütterung Gedanken über das Raumnutzungsverhalten der Rehe machen, sprich wo befindet sich der Deckungseinstand (Schlafzimmer) und wo befindet sich der Äsungseinstand (Esszimmer). Befindet sich eine vielbefahrene Straße oder eine schadensanfällige Kultur dazwischen, so sind die Probleme vorprogrammiert. Bewährt haben sich mobile Fütterungen, die auch der Fruchtfolge folgen können – die Rehe stellen sich sehr schnell darauf ein!
Bezüglich der Futtermittelzusammensetzung sollte auf ausreichend Strukturelemente geachtet werden, die das Wiederkauen anregen. Fehlen solche grobstrukturierten Futterbestandteile, so nimmt das Wild diese unter Umständen durch Verbiss von Gehölztrieben und anderen strukturreichen Pflanzenteilen auf, um anschließend wiederzukauen und dadurch einen günstigen pH-Wert im Pansen aufrechterhalten zu können1.

Schwerpunktbejagung in Problemgebieten
Treten an bestimmten Orten innerhalb des Waldes Probleme mit verstärkten Wildeinflüssen auf, so hat sich in vielen Gebieten der Einsatz einer Schwerpunktbejagung bewährt, die zusätzlich zur generell verstärkten Bejagung im Wald durchgeführt werden kann. Mit Schwerpunktbejagung ist eine häufige und intensive Bejagung der Problemgebiete oder wildschadenanfälligen Bereiche gemeint, um das dort vorhandene Wild zu erlegen oder zu vertreiben. Dabei beginnt die Schwerpunktbejagung vielfach bereits bei der Zuteilung der Abschüsse zu einzelnen Jagdgebietsteilen. Treten Wildeinflussprobleme auf oder sind schadensanfällige Flächen vorhanden, so ist es in der ersten Phase einer Schwerpunktbejagung sinnvoll, in den betroffenen Jagdgebietsteilen bereits bei der Abschussaufteilung einen höheren Abschuss anzusetzen als in anderen Revierteilen. Dabei ist zu beachten, dass meist keine erhöhten Abschüsse mehr getätigt werden können, wenn die Wirkung der Schwerpunktbejagung einsetzt1.

Gezielte räumliche und zeitliche Verteilung der Bejagung
In Jagdgebieten mit niedriger Waldausstattung erscheint eine Differenzierung in „Waldrehe“ und „Feldrehe“ durchaus sinnvoll. Während der Vegetationszeit halten sich die meisten Rehe aufgrund des üppigen Äsungsangebotes und der Deckungseinstände auf Ackerflächen und im Grünland auf. Nicht selten werden bzw. wurden die Rehe im Herbst durch intensiven Jagddruck auf den Offenflächen (Ackerflächen) und durch konsequentes frühes „Hineinfüttern“ nahezu in den Wald gedrückt. Schafft man es, durch Verlegung von Wildwinterfütterungen auf Ackerflächen und das Anlegen von Deckungs- und naturnahen Äsungseinständen (Begrünungen) diese Revierteile auch im Winter für das Reh attraktiv zu gestalten, kann ein Abwandern in nahe Wälder eingeschränkt werden. Verstärkt werden diese positiven Effekte, wenn in den Ackerflächen so bald als möglich mit der Herbstrehbejagung begonnen und diese dort spätestens Anfang bis Mitte Oktober eingestellt wird. Nicht selten haben diese Jagden Ende Oktober schon 90% des Abschusses getätigt. Schnell zeigen sich die Rehe auch wieder tagsüber. Damit die Überwinterung der „Feldrehe“ in den Feldern funktioniert, darf die nähere Umgebung nicht zu stark durch Freizeitnutzung beunruhigt werden und muss einen ausreichenden Grad an Deckung und Äsung aufweisen. Hierfür spielen Winterbegrünungen, Hecken, Gehölzinseln, Wildwinterfütterungen etc. eine wichtige Rolle. Umgekehrt sollten die Fütterungen im Wald nach Möglichkeit weitestgehend aufgelassen und in sensiblen Bereichen des Waldes ein erhöhter Jagddruck bis Ende Dezember ausgeübt werden. Da die Jagd im Wald sich weitgehend auf zufällige Begegnungen beschränkt, sind Sitzfleisch und eine warme Winterausrüstung unbedingt erforderlich. In diesem Zusammenhang ist in reinen Rehwildgebieten eine Lockerung des generellen Kirrverbotes (§ 2 (2), Verordnung der Oö. Landesregierung über den Abschussplan und die Abschussliste) bei der Herbstrehbejagung im Wald durchaus eine Diskussion wert!

Biotopverbesserung
Im Zusammenhang mit der Lenkung des Wildes aus dem Wald können auch Biotopverbesserungsmaßnahmen eine wichtige Rolle spielen, die dem Wild insbesondere in der vegetationsarmen Zeit Deckung und Äsung bieten. Die Anlage von Wildäsungsflächen, Gehölzinseln und Hecken kann einen wertvollen Beitrag zur Wildschadensvermeidung leisten1.

Bewegungsjagd (Drückjagd) als Alternative zu Ansitzjagd
Drückjagden können eine effiziente Alternative zur klassischen Ansitzjagd darstellen. In einigen Jagden trägt diese Methode sehr erfolgreich und zielgerichtet zur Abschussplanerfüllung bei. Grundvoraussetzung sind eine konsequente Vorbereitung, brauchbare erfahrene Hunde und/oder Treiber sowie und sichere Schützen.

Anreize zur Abschusserfüllung
In manchen Jagdgebieten wurden Anreize zur Abschusserfüllung geschaffen, damit die vorgegebenen Abschüsse tatsächlich erfüllt werden. Ein bewährtes Beispiel hierfür wäre etwa die Koppelung der Abschüsse von Trophäenträgern an die Abschüsse von weiblichem Wild und Jungwild. Das heißt, dass im Jahr vor jedem Abschuss eines mehrjährigen Trophäenträgers eine bestimmte Stückzahl an weiblichen Tieren oder Jungwild erlegt werden muss1.

Transparenz bei getätigten Abschüssen
Als sehr praktisches Hilfsmittel in der Diskussion über Problemgebiete, sowie gerechte und wirkungsorientierte Abschusserfüllung hat sich die Anlage einer Revierkarte, in der die getätigten Abschüsse gesteckt werden, herausgestellt. Diese Karte hängt z.B. in der Wildkammer und kann im Bedarfsfall als Diskussionsgrundlage bei der Abschussplanerstellung oder Abschussverteilung im Revier herangezogen werden (Abbildung 3).

Maßnahmen in Gebirgsrevieren
In den Hochwildrevieren im Süden unseres Bundeslandes fielen die Ergebnisse der heurigen Vegetationsbeurteilung leider nicht so gut aus wie im Alpenvorland und im Mühlviertel. In zwei Gebirgsbezirken wurde in einem Viertel der bewerteten Jagdgebiete die Verbissbelastung als zu hoch (Stufe II) beurteilt. Alle sechs Jagdgebiete mit nicht tragbarer Verbissbelastung (Stufe III) liegen in Gebirgsbezirken (Abbildung 2). In vielen Jagdgebieten, die mehreren Schalenwildarten Lebensraum bieten, sind daher intensive und vermehrte Bemühungen notwendig, um die Verbissbelastung auf eine tragbare Stufe zu verringern. Die Erfüllung der Rotwildabschüsse im Jagdjahr 2017/18 zeigt die ernsthaften Bemühungen der Jäger als guten Ansatz für weitere Erfolge. Überhöhte Bestände, wie wir sie derzeit in zahlreichen Rotwildgebieten haben, zu reduzieren und anschließend in tragbarem Rahmen zu halten, ist wegen der häufig unterschätzten Zuwächse eine Daueraufgabe.
Einige kurz gefasste Anregungen und konkrete Vorschläge werden als Denkanstöße zur Erleichterung der Jagdausübung auf Kahlwild und für eine frühzeitige Abschusserfüllung angeboten.
Weidgerechte und erfolgreiche Kahlwildbejagung soll weder als lästige Verpflichtung gesehen werden, noch wie eine Geheimwissenschaft nur wenigen auserwählten Jägern vorbehalten sein, sondern als solides jagdliches Handwerk von vielen Jägern mit Freude ausgeübt werden. Voraussetzungen sind eine entsprechende Einstellung, einige Übung im Ansprechen und die Beachtung wichtiger Grundsätze.

Einstellung
• Eine flächendeckende und nachhaltige Verringerung der Verbissbelastung kann nur gelingen, wenn möglichst viele Jäger von der Notwendigkeit der vereinbarten Abschusszahlen überzeugt sind und mit rechtzeitiger Abschusserfüllung die Gesunderhaltung des Wildes sowie die Artenvielfalt im Lebensraum fördern.
• Hinderliche, über die Rotwildrichtlinien hinausgehende Einschränkungen des Kahlwildabschusses, sowie kleinliche Kritik an notwendigen Abschüssen und das Aufbauschen vereinzelter Missgeschicke sind Hauptursachen für schlechte Abschusserfüllung und beeinträchtigen die Motivation einsatzfreudiger Jäger.

Grundsätze
• Nicht überlange Schusszeiten, aber effiziente Nutzung der Schusszeiten ab dem ersten Tag, besonders ab dem 16. Juli bis Ende August. Was in dieser Zeit versäumt wird, kann nach der Brunft kaum noch aufgeholt werden.
• Erfolgreich jagen heißt, nicht ständig jagen – vor allem nicht bei schlechtem Wind! Es tut dem Wild gut, wenn es einige Wochen den Jäger nicht spürt.
• Grundsätzlich das Kalb vor dem Alttier erlegen – Klein vor Groß!
• Kranke und schwache Stücke sind vorrangig zu erlegen, dazu aber auch gesunde und stärkere Stücke ab dem Beginn der Schusszeit.
• Bemühungen, durch vorrangige Erlegung weiblicher Kälber die Zuwachsrate zu verringern, können bei hohem Zeitaufwand für das Ansprechen zu einer Beeinträchtigung der Abschusserfüllung führen.
• Auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis achten (Bestandsreduktion geht nur über weibliches Wild) und Hirsche reif werden lassen. Alte Hirsche (Klasse I) haben die Brunft unter Kontrolle und „produzieren“ hauptsächlich männliche Nachkommen2.

Vorschläge
• Keine Scheu vor der Erlegung mehrerer Stücke, wenn sich die (seltene) Gelegenheit dazu bietet. Die Beunruhigung je erlegtem Stück ist geringer. Nie wieder weiß man so sicher, dass ein Alttier nicht führt, wie unmittelbar nach der Erlegung seines Kalbes.
• Möglichkeiten der Schwerpunkt- und Intervallbejagung sinnvoll und flexibel zur Abschusserleichterung nutzen! Die Intervallbejagung darf nicht zum Abschusshindernis ausarten.

Das gemeinsame Ziel aller Beteiligten an der Vegetationsbeurteilung ist es, die in den letzten Jahren erreichten Verbesserungen auf Dauer zu erhalten und dort, wo die Verbissbelastung noch immer oder wieder zu hoch ist, unverzüglich wirksame Verbesserungsmaßnahmen durchzuführen. Für die Jäger bedeutet das ein hohes Maß an Verantwortung, aber auch die Chance, ihre Kompetenz unter Beweis zu stellen.

Literatur
1vgl. Reimoser, Hochbichler u. Obermair, 2017, Endbericht: Rehwildprojekt „Abschussplanung in waldarmen Gebiete“
2 Arnold, Walter: Jahresbericht 2016, S. 5, Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

 

Grafik Ergebnisse OÖ gesamt:

Bei den Vegetationsbeurteilungen im Frühjahr 2018 wurden insgesamt 433 Jagdgebiete (2.522 Einzelbeurteilungen) bewertet. 756 Jagden oder 87 % erreichten Stufe I (davon 435 (!) Jagdgebiete nachhaltig Stufe I – keine Begehung 2018). Bei 106 Jagdgebieten oder 12 % wurde diese als zu hoch (Stufe II) und in 6 Jagdgebieten (1 %) als nicht tragbar (Stufe III) beurteilt.

 

Grafik Ergebnisse Bezirke:


In den Hochwildrevieren im Süden unseres Bundeslandes fielen die Ergebnisse der heurigen Vegetationsbeurteilung leider nicht so gut aus wie im Alpenvorland und im Mühlviertel. In zwei Gebirgsbezirken wurde in einem Viertel der bewerteten Jagdgebiete die Verbissbelastung als zu hoch (Stufe II) beurteilt. Alle sechs Jagdgebiete mit nicht tragbarer Verbissbelastung (Stufe III) liegen in Gebirgsbezirken.

 

Übersicht Karte:

Karte VVG und Weiserflächen

  Als sehr praktisches Hilfsmittel in der Diskussion über Problemgebiete, sowie gerechte und wirkungsorientierte Abschusserfüllung hat sich die Anlage einer Revierkarte, in der die getätigten Abschüsse gesteckt werden, herausgestellt.

 

   
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