Bezirksjägertag, 09.03.2019, Vöcklamarkt – Gasthof Fellner

ezirksjägertag, 09.03.2019, Vöcklamarkt – Gasthof Fellner

Der Bezirksjägertag 2019 steht im Zeichen der Sturm- und Schneedruck-Kalamitäten des vergangenen Herbstes, des Abschiedes von LJM ÖR Sepp Brandmayr sowie der Neuwahl des Bezirksjagdausschusses.
Die Jagdhornbläser Niederthalheim sowie die Hubertus-Kapelle Attnang-Puchheim umrahmen die gesamte Veranstaltung.
Die traditionelle Hubertusmesse zelebriert Pfarrer Mag. Karl Stockinger, der im Vorjahr in Vöcklabruck den Jungjägerkurs besuchte und erfolgreich die Jagdprüfung ablegte. Das Evangelium nach Lukas verkündet die Weisheit, dass nicht die „Gesunden den Arzt brauchen, sondern die Kranken“ genauso wie „die Sünder zur Umkehr gebracht werden sollten und nicht die Gerechten“.
In der Predigt vergleicht Pfarrer Stockinger die Ordnung des Lebens mit dem jagdlichen Dreibein, auf dem man nur dann sitzen kann, wenn alle drei Beine stabil sind. Wie der Glaube, die Verwaltung und die Wirtschaft im Zusammenspiel Ordnung in einem Staat bedingen, so ist das Miteinander von Wald/Forst-Wirtschaft, Jagd und der Respekt im Umgang mit den Ressourcen die Basis für das Gleichgewicht im Kulturland.
Das Zusammenspiel in der Natur (Biodiversität, übermäßige Nutzung, …) ist offensichtlich gestört – es ist die Aufgabe der Jägerschaft, vonseiten der Menschlichkeit, der Bibel und des Gesetzes für einen artenreichen und gesunden Wildstand zu sorgen. Natürlich auch bedacht nehmend auf die Tragfähigkeit des Lebensraumes. Erklärtes Ziel muss sein, die bestehenden Ressourcen den nachfolgenden Generationen zu erhalten! Egozentrik, Gewinnmaximierung, Maßlosigkeit und Kurzsichtigkeit müssen hintangehalten werden. Den Abschluss der Messe bildet das Totengedenken der verstorbenen Weidkameraden des vergangenen Jahres.
Zum zweiten Mal wird der Bezirksjägertag professionell moderiert von Philipp Stöger. Er führt abwechslungsreich durch das Programm. Sein Kurzfilm über das jagdliche Jahr im Bezirk eröffnet emotional den BJT. BJM Anton Helmberger eröffnet ihn im Anschluss offiziell mit der Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste aus Jagd und Politik: Bezirkshauptmann Dr. Martin Gschwandtner, Mag. Karl Stockinger, LJM ÖR Sepp Brandmayr, LR Markus Achleitner, NAbg. Winzig, LAbg. Langer Weninger, Dr. Elisabeth Kölblinger, Dr. Sagerer, Amtstierarzt Dr. Seiringer, DI Lichtenwagner, Leo Hofinger, ÖR Hans Schachl, Andreas Krempl, Ing. Pachler, Dir. Oberascher, Franz und Hans Fellinger, Revierförster der ÖBF, die BJM Wiesmayr (Wels), Rathgeb (Urfahr), Kapsammer und Haberfellner (Grieskirchen), Stadler (Schärding), Sieghartsleitner (Kirchdorf), vom Landesjagdverband: Sieböck und Böck, Bretbacher Gabi, Glocker Manuela, den Bezirksjagdausschuss sowie in besonderer Weise die Vertreter der Medien.
BH Dr. Martin Gschwandtner spricht von einer funktionierenden Jagd im Bezirk Vöcklabruck. Die 99%ige Erfüllung der Abschussvorgaben zeugen von einer hohen Motivation und Verantwortungsbewusstsein der Jäger. Er betont die Wichtigkeit einer guten Zusammenarbeit zwischen Jagd und Behörde auf Vertrauensbasis, mahnt aber hinsichtlich der Schwarzwildproblematik zu vermehrter revierübergreifender Bejagung und die Einhaltung der Kirrverordnung!
Bauernkammerobmann ÖR Hans Schachl schlägt in dieselbe Kerbe und bittet die Jägerschaft um Mithilfe bei der Wiederaufforstung der Schadensflächen. Vor allem das Ziel von klimafiten Wäldern mit hohen Laubholz- und Tannenanteilen macht eine gezielte Bejagung durch ortskundige Jäger notwendig. Ebenso wie sein Vorredner spricht er die Schwarzwildproblematik an. Nicht vergessen werden darf das Problem Wolf. Die Bauern sind existentiell besorgt und zählen auf den Schulterschluss mit den Jägern. Hinsichtlich der Neuwahlen im Landesjagdverband fordert Hans Schachl aufgrund der Größe des Bezirkes gebührende Vertreter im Landesjagdausschuss und dessen Gremien. Diese Forderung wird mit entsprechendem Applaus der über 500 Anwesenden untermalt!
Der Bezirkshundereferent DI Gerald Loy berichtet über die Events des vergangenen und bevorstehenden Jagdjahres: 18 Tollwutschutzimpfungen gefördert, 11 Schadensfälle, davon zwei tödlich verunglückte Hunde. Die Hundehalter-Sachkundenachweis-Unterweisung wird am 21.3. 2019 abgehalten. An der Bezirkshubertusmesse in Schwanenstadt nahmen 40 Hundegespanne teil. Am 26.4.2019 findet eine Trainingseinheit für die Brauchbarkeitsprüfung (5.10.2019) statt. Im Vorjahr melden sich 19 Hunde für die Brauchbarkeitsprüfung am 1.10.2018 an, 16 werden geprüft und 13 bestehen.
In einer neuen Form werden die Ehrungen zum goldenen Bruch, 60 Jahre Jäger, Raubwildnadel und den Auszeichnungen der Jagdhornbläser durchgeführt. Die Ehrungen finden bereits im Vorfeld der Veranstaltung statt. Um den Geehrten den entsprechenden Rahmen zu geben, werden sie aber via Beamer präsentiert und von LJM Sepp Brandmayr kommentiert.
Erstmals wird eine Ehrung für 75 Jahre Jäger durchgeführt. Hermann Holzleitner erzählt spannend und authentisch im Zwiegespräch mit dem Moderator aus seiner jagdlichen Karriere zwischen 1944 und heute. Dazu repräsentiert Tessa Zieher die neue Jägerin in einer bislang von Männern dominierten Jagdwelt. Sie und alle weiteren Jagdkarteninhaberinnen des Bezirkes werden von BJM Anton Helmberger aus Anlass des Weltfrauentages persönlich zum BJT eingeladen, besonders begrüßt und als Repräsentantinnen der jagdlichen Zukunft erwähnt.
Die Wahl des neuen Bezirksjagdausschusses geht problemlos und mit Einstimmigkeit über die Bühne. Demnach repräsentieren folgende Personen die nächsten sechs Jahre den Bezirk Vöcklabruck in verschiedenen Funktionen:
BJM Anton Helmberger, Delegierter zum LJA BJM Stv. Franz Kirchberger, BJM Stv. Franz Hofmanninger, BJM Stv. Dr. Roman Auer.
Der neu gewählte BJM dankt in seinem Bericht eingangs für das Vertrauen und die Wertschätzung der Vöcklabrucker Jäger und Jägerinnen. Weiters dankt er den Initiatoren der abgehaltenen Krähentage, Raubwildwochen und Diversitätsförderungen. Darunter BJM Stv. Franz Hofmanninger für die Organisation und Abwicklung der Saatgutaktion. Sie dient vor allem der Unterstützung der Niederwildfauna, die auf Diversitätsflächen und strukturierte Vegetationszonen angewiesen ist.
Er gratuliert Hornmeister Gerhard Huemer und seiner Jagdhornbläsergruppe Niederthalheim zu ihren nationalen (3. Platz) und internationalen (4. Platz) Wertungserfolgen im abgelaufenen Jahr. Sie sind Kulturgut und Aushängeschild gelebter Jagdkultur und Tradition.
Gut gelungen ist die Bezirkshubertusmesse in Schwanenstadt. Eine beindruckende Zahl an Jägerinnen und Jäger, Jagdhundeführer und Falkner marschierte in einem Festzug durch die Stadt bis zur Kirche. Diese Veranstaltung bringt die traditionelle jagdliche Kultur in den urbanen, der Jagd oft unwissend skeptisch gegenüberstehenden, Raum.
Die begehrte Plakette für ausgezeichnete Wildküche wird in diesem Jahr dem Traditionsgasthaus Kienklause, Steinbach am Attersee, verliehen.
Wie jedes Jahr werden wieder Jungjäger einer hochqualitativen Jagdausbildung unterzogen und auf die sehr anspruchsvolle Jagdprüfung vorbereitet. Für die hervorragende Ausbildung der Jungjäger/innen dankt der BJM Franz und Hans Fellinger. Für die aktuelle Ausbildung einer Gruppe von Jagdhütern dankt Helmberger dem Team aus mehreren Experten.
Die Trophäenschau ist verbunden mit dem Wert des Lebensraumes und dem Bemühen der Jäger um die Erhaltung desselben. Qualitativ hochwertiger Lebensraum garantiert für qualitativ hochwertiges Wildbret. Sehr anschaulich präsentiert BJM Helmberger die Verläufe und Tendenzen der Abschusszahlen der letzten 10 Jahre. Während das Rehwild weitgehend stagniert, nehmen Gams- und Rotwild ab. Die Schwarzwildpopulation unterliegt erheblichen Schwankungen, nimmt im langjährigen Trend aber deutlich zu. Dramatisch negativ entwickeln sich trotz erheblicher Bemühungen seitens der Jägerschaft die Bestände des Niederwildes. Zu erwähnen ist auch, dass wieder um 100 Stück Fallwild mehr als im Vorjahr gemeldet werden. Die Dunkelziffer ist sicher bedeutend höher.
BJM Helmberger sieht in seiner neuen Amtsperiode vor allem die Kommunikation innerhalb der Jagd als große Herausforderung.
Landesrat Markus Achleitner spricht in Vertretung des Landes OÖ seinen Dank an die Jägerschaft für die gute Organisation und die Zusammenarbeit aus. Er interpretiert die OÖ Jagd als gelebte Balance zwischen Wald und Wild. Gegenseitiges Ausspielen sollte tunlichst verhindert werden – miteinander reden ist die bessere Methode! Der Schalldämpfer ist eine zeitgemäße technische Innovation hinsichtlich der Gesundheit der praktizierenden Jäger. Die Landesregierung ist dabei, die entsprechenden legislativen Maßnahmen zu treffen und wird bis voraussichtlich Sommer das Gesetz verabschieden. Zum Thema Schadholz verweist er auf die dringende Notwendigkeit der Laubholzförderung und bittet diesbezüglich um die Unterstützung durch die Jäger. Der Wolf wird seiner Ansicht nach medial zu sehr ins Rampenlicht gesetzt. Eine sachliche Diskussion auf Expertenebene wäre diesbezüglich der wesentlich bessere und zielführendere Weg. Eine politische Regelung wird angestrebt, derzeit werden 5 Wolfsbeauftrage installiert, auf Bundesebene wird ein runder Tisch stattfinden.
LJM ÖR Sepp Brandmayr tritt zum letzten Mal in seiner Funktion als LJM vor das heimische Publikum. Er nutzt die Gelegenheit für eine Replik auf das Geleistete und Gelungene. Dazu gehören vor allem die Installation des Schlosses Hohenbrunn als Jagdmuseum und Sitz des OÖ Landesjagverbandes, die moderne Jagdkarte im Scheckformat und die Positionierung des OÖ JLV als Institution mit Behördenfunktion, der Ankauf des Übungs- und Ausbildungsschießstandes in Viecht, die Jagdgesetzänderung bezüglich erhöhter Wildschadensansprüche, die Gründung des Dachverbandes Jagd Österreich, das jagdliche Ausbildungszentrum zur Weiterbildung der Jäger und Jagdschutzorgane sowie die aktuelle Evaluierung der Abschussplanverordnung.
So wie Windwurf, Schnee- und Käferkalamitäten von der Klimaveränderung in der Natur künden, sieht Brandmayr auch eine Klimaveränderung im Zusammenleben und der Kommunikation der Menschen. Als Beispiel nennt er hier den Wolf, der aufgrund fehlender geeigneter Habitate nicht nach OÖ passt. Vernunftdenken zum Trotz wird er dennoch von Menschen vor allem aus den urbanen Bereichen – die wenig mit den eigentlichen Problemen in den ländlichen Bereichen vertraut sind – mit Nachdruck gefordert.
Die Fütterung der Wildtiere in der Notzeit sieht er als eine nach wie vor als absolute Notwendigkeit. Fehlende Futtergabe führt unweigerlich zum Tod der Wildtiere, weil sie aufgrund der dichten Besiedelung durch den Menschen den widrigen Witterungsbedingungen nicht mehr ausweichen können. Futterenthaltung darf kein Mittel der Wildstandsregulation sein!
Abschließend bittet er seine Nachfolger, nicht auf die alten Jäger zu vergessen. Sie haben die Jagd der vorigen Generationen bis ins heute erhalten und sollen dafür ihren verdienten Lohn erhalten. Außerdem möge man nicht auf die „einfachen“ Jäger vergessen. Das sind nicht die wenigen die teure Großreviere pachten, sondern diejenigen in großer Zahl, die beitragen, das Wald-Wild-Gleichgewicht in den Wäldern der vielen Landwirte und Kleinwaldbesitzer zu erhalten.
Als Dank für seine 30-jährigen Verdienste als Bezirks- und Landesjägermeister überreicht BJM Anton Helmberger und das neu gewählte Team des Bezirksjagdausschusses ÖR Sepp Brandmayr unter Standing Ovations des Publikums eine Ehrenscheibe.

 

 

   
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