Schutzwald

Refugium Schutzwald – Das Wild als „Sündenbock“ Das Wild, und hier vor allem das Schalenwild, wird in manchen Kreisen zunehmend als Schädling im Wald angesehen. Genaugenommen trägt es eigentlich keinerlei Schuld an den von Menschenhand gemachten Problemen in der heutigen Kulturlandschaft. Es sucht sich nur die Räume aus, in denen es ungestört und artgerecht leben kann, nämlich Waldbereiche, die vom Menschen gemieden werden, weil sie steil, unwegsam und nicht rentabel sind, aber dennoch für den Menschen wichtig: Schutzwälder.

Das primäre Problem im Bereich „Schutzwald – Wild“ ist also der Mensch. Es besteht nämlich ein Konflikt zwischen seiner Nutzung der Natur, hier im speziellen der Berge und Bergwälder, und des Lebensraumes unserer Wildtiere, im speziellen des Rot-, Reh- und Gamswildes (und auch der Rauhfußhühner), der sich eben genau in diesen montanen Bereichen befindet.

Durch die zunehmende Attraktivität der intakten Umwelt in Oberösterreichs Bergen und in-folge des gesteigerten Freizeitverhaltens der Menschen in diese hinauszugehen, gibt es für die erwähnten Schalenwildarten immer weniger Ruhegebiete und Äsungsmöglichkeiten. Alle drei Wildarten haben einen bestimmten Äsungsrhythmus, der von der Pansengröße und der Art des Futtermittels bestimmt wird (Reh als Konzentratselektierer, Hirsch und Gams als Intermediärtyp = mehr Rauhfutteranteil). Wenn dieser Rhythmus, bedingt durch menschliche Störungen, zu denen neben Tourismus und Sport bedingt auch die Jagd zählt, nicht eingehalten wird und das Wild die Äsungsflächen nicht aufsuchen kann, muss im Wald – und hier eben im „Rückzugsgebiet“ Schutzwald – Nahrung gesucht werden.

Ab wann gilt eine Störung als Störung?

Von Störung wird in der Regel dann gesprochen, wenn ein Tier auf Ereignisse mit „Feindverhalten“ (Flucht oder Sich-Drücken) reagiert. Dauerbelastungen können so sehr zum Stress werden, dass in der Folge die körperliche Kondition sinkt und sich die Fortpflanzungsleistung vermindert. Ein Tier kann sich auch dann beeinträchtigt fühlen, wenn es nur sichert und nicht flieht oder sich aus „sicheren“ Einständen nicht mehr auf bestimmte Äsungs- oder Balzplätze wagt.

Demzufolge sollten Störungen vor allem in den Winter- und Frühlingsmonaten so weit als möglich verringert werden. Die von Wildtieren selbst gewählten Wintereinstände dürften angesichts der winterlichen Einschränkungen in der Beweglichkeit und Nahrungszugänglichkeit noch vergleichsweise geeignet sein. Können diese Einstände in Folge von Störungen nicht aufgesucht werden und kommt es zu Massierungen in deutlich minder geeigneten Biotopen, geht dies oft mit Wildschäden (eben im Schutzwald) einher, obwohl diese vermeidbar wären. Für die sommerlichen Setzplätze gilt angesichts der Standorttradition und der eingeschränkten Beweglichkeit des Jungwildes ähnliches.

Dabei sind sich laut verhaltende Wandergruppen, die auf markierten Routen unterwegs sind, für das Wild eher vorhersehbare Ereignisse, die vergleichsweise harmlos im Gegensatz zu Störungen durch querfeldein (besser querwaldein) pirschende oder laufende oder variantenfahrende Naturliebhaber sind. Als besonders kritisch gelten Paragleiter, Drachenflieger oder Heliskier; Mountainbiker und Orientierungsläufer. Diese Sportarten verursachen nämlich plötzliche und überraschende, sehr schnelle Störungen, an welche Anpassungen kaum möglich sind und die das Fluchtverhalten von Wildtieren leicht zur besonders energieaufwendigen Panikreaktion werden lassen.

Das Dilemma ergibt sich aus der Unvereinbarkeit der Zielsetzungen: Einerseits soll das Wild intensiv bejagt werden, andererseits aber beobachtende Naturliebhaber tolerieren und schließlich unbeeinflusst von menschlichen Störungen die bevorzugten Äsungsflächen aufsuchen, um Schäl- und Verbissschäden zu minimieren.

Vorteile durch Wildeinwirkung

Die Einwirkungen auf Pflanzen durch Wild ist in unserer Vorstellung immer etwas Negatives (Verbiss, Schäle etc.). Nur wenige Menschen können sich große Pflanzenfresser noch als positiven ökologischen Faktor vorstellen. Doch gibt es Einflüsse auf die Verteilung, die Vielfalt und die Strukturierung von Waldbeständen durch Keimbettvorbereitung infolge Bodenverwundung durch Vertritt. Positive Pflanzenartenselektion durch Verbiss, Nährstoffeintrag durch die Losung, etc., sind weitere direkte positive Einwirkungen durch Wild auf den Wald.

Diese Vorteile durch Wildeinwirkung kommen natürlich nur dann zum Tragen, wenn der Wildbestand an dessen Lebensraum angepasst ist. Nichtsdestotrotz gibt es diese aber.

Jagdliche Maßnahmen zur Reduktion von Wildschäden

Die Art der Bejagung ist ein wesentlicher Faktor, um den Jagddruck zu minimieren (z.B. In-tervallbejagung) oder zu forcieren (z.B. Schwerpunktbejagung).
Die Intervallbejagung hilft dadurch den Jagddruck zu minimieren, indem einer Bejagungsperiode eine jagdfreie Zeit folgt, in der das Wild wieder vertrauter wird, weil es im Menschen keine unmittelbare Gefahr sieht. Der Vorteil dieser Jagdart liegt neben einer leichteren Erbeutung auch bei einer günstigen räumlichen und zeitlichen Verteilung des Wildes, sofern störungsarme Rückzugsgebiete vorhanden sind.

Die Schwerpunktbejagung soll im Gegenteil einen hohen Jagddruck erzeugen, um im schadensanfälligen oder verjüngungsnotwendigen Waldbestand eine sehr geringe Wilddichte herbeizuführen. Dabei soll auf relativ kleiner Fläche (etwa bis 150ha) jedes Stück Wild, das nicht gerade Schonzeit genießt und dessen Abschuss keine negativen Auswirkungen auf die Sozialstruktur zu erwarten lässt (männliches Rot- und Gamswild der Mittelklasse), erlegt werden. Die Schwerpunktbejagung erfordert vom Jäger aber viel Geschick, Können und Ausdauer, denn er muss oft in diesem Gebiet anwesend sein. Außerdem sinkt mit zunehmendem Jagddruck gleichzeitig der Jagderfolg.

Auch die Jagdstrategie kann den Jagddruck beeinflussen. Mit Hilfe von Drückjagden, z.B. der Riegeljagd – eine alte Form der Jagd im Gebirge, bei der die Wildwechsel mit Schützen abgeriegelt werden – kann in relativ kurzer Zeit der Beunruhigung eine beträchtliche Strecke erzielt werden. Eine Kombination verschiedener Jagdarten und –strategien, die auch die „traditionelle“ Jagd beinhalten, in Bezug auf die Revierverhältnisse wäre am erfolgreichsten.

Auch die Bewirtschaftung per se ist zu beachten. Vor allem Rot- und Gamswild sollte großräumig betrachtet und bewirtschaftet werden (Hegegemeinschaften). Dabei ist nicht nur auf die Abschusszahlen und die Altersstrukturen zu achten, sondern auch auf die (artgerechten) Rotwildfütterungen und deren Kosten.

Gleichzeitig kann mit Hilfe von lebensraumverbessernden Maßnahmen an Äsung und Deckung  z.B. durch Waldrandgestaltungen, Anlage von Wildäckern und –wiesen, Forststraßenbegrünungen etc. in Zusammenarbeit mit dem Grundbesitzer und durch Schaffung von Wildruhezonen eine Entschärfung der Situation „Schutzwald – Wild“ erfolgen.

Schlussfolgerung:

Durch verschiedene, zum Teil schon erwähnte Maßnahmen, die alle Naturnutzer mittragen sollten, wäre es durchaus möglich den Lebensraum des Wildes, der sich nicht nur in den Zufluchtsstätten des Schutzwaldbereiches befinden sollte, mit den Interessen von uns Menschen sinnfällig zu teilen.

Wenn ein gewisses Kontingent an größeren Wildtieren gehalten und bewirtschaftet werden soll (im Interesse des Tourismus, der Jagd und der Landeskultur), ist eine Lenkung von Tourismus, Erholungsverkehr, Sport, aber auch Jagdbetrieb nötig. Wo diese menschlichen Naturnutzungsinteressen oder Einflüsse nebeneinander existieren sollen, müssen die jeweiligen Interessen aufeinander abgestimmt werden.

Mag. Christopher Böck

   
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