Jagd ist Verantwortung für Wild und Lebensraum

Forstabteilung HR DI Leopold Hofinger

Für die Regulierung der Wildbestände ist die Jagd aus forstlicher Sicht notwendig.

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Bedeutung der Jagd in der heutigen Zeit für die Öffentlichkeit aus der Sicht des forsttechnischen Dienstes:

Zur Regulierung der Wildbestände – vor allem bei Schalenwildbeständen – ist die Jagd auch aus forstfachlicher Sicht notwendig. Schon seit vielen Jahren fehlen die natürlichen Feinde, durch welche seinerzeit die Wildbestände weitgehendst reguliert wurden. Im steten Wandel befinden sich die ökologischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für die Jagd. Änderungen im Freizeitverhalten sowie in der Landbewirtschaftung wechselnde Witterungsabläufe sind seit vielen Jahren zu beobachten. Die Jagd muss sich daher an diese geänderten Bedingungen anpassen. Wissenschaft und Forschung können die Jägerschaft dabei unterstützen, und ihr helfen, die Jagd den biologischen Gesetzen und den gesellschaftlichen Bedürfnissen entsprechend mit Verständnis und Freude auszuüben. Eine erfolgreiche Jagd, vor allem im Hinblick auf eine Wildschadensprophylaxe und die Regulierbarkeit von Wilddichten erfordert in der heutigen Zeit einen immer höheren Zeitaufwand. Vielerorts ist daher die Durchführung verschiedener Jagdmethoden, z.B. Drückjagden, Bewegungsjagden, Riegeljagden neben der traditionellen Ansitzjagd notwendig. Wenn erforderlich, müssen auch die derzeit gesetzlich geltenden Schusszeiten überdacht werden. Intervallbejagung und Schwerpunktbejagung sind heutzutage gängige Begriffe, welche bei konsequenter Umsetzung gute Erfolge zeigen.

 

Um die im Forstgesetz 1975 aufgelisteten Wirkungen des Waldes, nämlich die Nutz- und Schutzwirkung sowie Wohlfahrts- und Erholungswirkung bestmöglich zu gewährleisten, ist die Herstellung einer tragfähigen Wilddichte, welche das Aufkommen der für einen gesunden Waldaufbau notwendigen Mischbaumarten zum Ziel hat, unbedingt notwendig. Die Erhaltung bzw. die Begründung standortsangepasster Mischwälder liegt nicht nur im forstlichen, sondern auch im öffentlichen Interesse, umso mehr nur natürlich aufgebaute Wälder alle geforderten Wirkungen des Waldes optimal erfüllen können und vor allem im Schutzwald teure, technische Verbauungen zum Teil ersetzen können. Diese Erfordernisse wurden schon im Oö. Jagdgesetz 1964 berücksichtigt, in dem schon damals explizit das Aufkommen der Tanne gefordert wurde.

 

Mit der O.ö. Abschussplanverordnung 1994 wurde ein Instrument geschaffen, mit welchem die Verträglichkeit der Wildbestände für die Naturverjüngung direkt im Wald – und nicht wie früher am “grünen” Tisch – untersucht wird.

 

In der O.ö. Abschussplanverordnung ist festgelegt, dass der Abschussplan für Schalenwild im Interesse der Landeskultur so zu erstellen ist, dass eine ökologisch und wirtschaftlich tragbare Wilddichte hergestellt und erhalten wird. Diese ist dann erreicht, wenn Waldbestände einschließlich der Weißtanne und der Laubhölzer auf für diese Baumart geeigneten Standorten nach natürlicher Verjüngung oder Aufforstung ohne Flächenschutz aufwachsen können. Vor allem sind der Verbissgrad und die Fegeschäden an forstlichen Gehölzen in größeren zusammenhängenden Waldflächen zu berücksichtigen. Dabei ist das Verhältnis des Vegetationszustandes innerhalb und außerhalb von Vergleichsflächen – das sind eingezäunte Flächen im Ausmaß von 6 x 6 m – sowie der Verbissgrad auf sonstigen Weiserflächen – das sind Flächen außerhalb von Zäunen – zu beurteilen. Es sind drei Beurteilungsstufen vorgesehen, die in gemeinsamen Begehungen mit der Jägerschaft, dem Jagdausschuss und dem forsttechnischen Dienst erhoben werden. Die Abschusshöhe wird aufgrund dieses Ergebnisses im Rahmen der Vorgabe der Verordnung einvernehmlich festgelegt und der Erfolg in der Folgebegehung kontrolliert.

 

Im Bezirk Vöcklabruck zeigt diese Vorgangsweise größtenteils gute Erfolge. Um ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis zu erreichen wurde die sogenannte Drittelregelung eingeführt, wonach ein Drittel Böcke, ein Drittel Geißen und ein Drittel Kitze erlegt werden müssen. Seit dem Jahr 2013 gilt die festgelegte Abschusshöhe als Mindestabschuss, der nicht unterschritten, jedoch ohne gesonderte Bewilligung überschritten werden darf.

 

Das zwischen der Jägerschaft, den Grundbesitzern und dem Forstdienst bestehende gute Verhältnis soll auch in Zukunft fortgesetzt werden. Wo aufgrund von Problemen Handlungsbedarf gegeben ist, müssen gemeinsame Lösungen gefunden werden.

 

Fortabteilung BH-Vöcklabruck

HR DI Leopold Hofinger

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