Jägerschlag

Jägerschlag, OÖ LJV

Der Jägerschlag zählt zu den jüngeren Ritualen des jagdlichen Brauchtums und hat seinen Ursprung in der Ausbildungszeit von Jagdlehrlingen.

Der Jägerschlag zählt zu den jüngeren Ritualen des jagdlichen Brauchtums und hat seinen Ursprung in der Ausbildungszeit von Jagdlehrlingen. Nach erfolgter Lehrzeit wurde dem jungen Jäger (damals fast ausschließlich Männern) vom Lehrherrn, auch Lehrprinzen genannt, das Symbol des Berufsstandes ein Hirschfänger überreicht. Anschließend erfolgte zum Abschluss als eine Art Zunftritual der Jägerschlag.

Der Jagdlehrling gab auch ein Gelöbnis für die Zukunft ab, nämlich das Versprechen, stets weidgerecht zu jagen. Der Lehrling wurde mit diesem Akt aus der Lehre entlassen und es erfolgte die Aufnahme in den Kreis der Jägerschaft.

Jägerschlag heute
Da heutzutage eine wirtschaftliche Berufsjägerausbildung in Oberösterreich nur mehr selten stattfindet, ist dennoch der Wunsch der Jägerschaft vielerorts wachgeblieben, einen jungen Jäger oder eine Jägerin zum „Jäger zu schlagen“.
Der Jägerschlag kann und wird heute in verschiedenen Formen und Arten ausgeführt.
Zum einen, als Symbol der Aufnahme in die örtliche Jägerschaft, zum anderen, wenn ein Jungjäger oder eine Jungjägerin bei einer Jagd/Gesellschaftsjagd seinen oder ihren ersten Hirsch, erste Gams, Sau, ersten Fuchs oder wie in den Niederwildrevieren, das erste Stück Rehwild weidgerecht erlegt hat.
Manchmal ist es üblich, bei einer bezirksweiten jagdlich-kulturellen Veranstaltung alle Jungjäger, die in diesem Jahr die Jagdprüfung abgelegt haben, zum Jäger zu schlagen. Allerdings entspricht es nicht dem Sinn des Jägerschlages, ohne je ein Stück Wild erlegt zu haben. Es fehlt der würdevolle Akt der Entnahme eines Geschöpfes aus der Natur mit allen dazugehörigen Ritualen.

Mit Würde und Anstand
Bei allen Ausführungen des Jägerschlages, ob, wie beim Ritterschlag, auf die Schulter des Jägers oder auch auf das Gesäß des Schützen, hat dies mit Anstand und Würde zu erfolgen. Nie sollte eine selbstgewählte bzw. erfundene Zeremonie zum Exzess und zum allgemeinen Gelächter werden – und hier gehört offensichtlich das unangebrachte „Hobeln“ oder Schläge auf das entblößte Hinterteil sowie andere Unarten dazu. Solche Handlungen entsprechen nicht dem jagdlichen Brauchtum des Jägerschlages und sind abzulehnen!

In den Bergrevieren (Hochwildrevieren) wird in der Regel dann ein Jungjäger zum weidgerechten Hochwildjäger geschlagen, wenn er seinen ersten Hirsch oder Gams, evtl. Sau weidgerecht erlegt hat. In manchen Gegenden sind oft zünftigere Zeremonien üblich. So erzählt der Jungjäger in Kurzform sein weidgerechtes Erlebnis und wird dann zum weidgerechten Hochwildjäger geschlagen, wobei er sich evtl. unter Zuhilfenahme seines Jagaflecks über das erlegte Stück beugt.

In den Niederwildrevieren ist der Jägerschlag mancherorts üblich, wenn das erste Stück Rehwild gestreckt wurde, eventuell auch der erste Fuchs oder anderes Raubwild; oder zur Aufnahme in die örtliche Jägerschaft.

Ablauf der Zeremonie und Vorschläge der Abwicklung
Im Rahmen eines würdigen Beisammenseins der versammelten Jägerschaft werden vom Zeremonienmeister, d.h. Jagdherr oder Jagdleiter, einige nette Worte zur Einleitung gesprochen und die Bedeutung der Handlung erklärt.

Wenn vorhanden, wird das erlegte Stück, das Haupt oder die Trophäe auf Reisig zur Strecke gelegt. Jagdhornbläser umrahmen mit ihren Jagdhörnern die Zeremonie.
Mit dem Hirschfänger oder Weidblatt bekommt der Schütze drei Schläge (links – rechts – links) auf die Schulter. Der Schütze kann dabei stehen oder knien. Ein Jägerhut ist zu tragen.
Oder, wenn dieser auf seinem Jagafleck über das erlegte Stück gebeugt ist (dreimal) mit Anstand auf das Gesäß des Schützen.

Es spricht der Jagdherr:
An Huberti statt, erfass ich nun das Weideblatt
und schlage dich (euch) dem Brauch getreu zum gerechten Jäger frei.

Folgende Sprüche können gewählt werden:

Erste Form:
1. Schlag: Auf dass dein Auge immer zielsicher, scharf und klar bleiben möge,
zu erkennen die Jagdbarkeit des Wildes und dessen Not!
2. Schlag: Auf dass deine Hand stark und hilfreich zum Schutze des Wildes,
ruhig und sicher zur Führung der Waffe bleiben möge.
3. Schlag: Auf dass dein Herz stark bleiben möge, edel dem Menschen,
gütig dem Wild, hart und streng dir selbst gegenüber.

Zweite Form:
Der 1. Schlag soll dich zum Jäger weihen
Der 2. Schlag soll dir die Kraft verleihen zu üben stets das Rechte
Der 3. Schlag soll dich verpflichten, niemals auf deine Jägerehre zu verzichten!

Dritte Form:
Diese kürzere Art kann man auch gemeinsam wiederholen lassen.
Man muss dabei behilflich sein wie ein Chorleiter. Meistens sind alle aufgeregt.

Den ersten Schlag: Für Heimat und Recht.
Dem zweiten Schlag: Für den Jagdherrn und seine Knecht.
Den dritten Schlag: Fürs kommende Weidgeschlecht.

Nachdem der Schütze sich erhoben hat spricht der Jagdleiter (ein Grüner Bruch muss vorbereitet sein, der anschließend als Standesbruch überreicht und angesteckt wird):

So nimm Gesell, den grünen Bruch, beherzige den Jägerspruch:

Jagst du in Feld, Wald oder Au,
jagst du auf Hirsch, Has` oder Sau,
jagst du als Fürst, Herr oder Knecht,
nicht das WER, das WIE macht weidgerecht!

Anschließend wird dem zum Jäger geschlagenen ein Trunk (üblicherweise ein Glas Wein) gereicht, mit dem Spruch:

So reich ich dir den Jägertrunk,
bleib immer fröhlich, stark und jung,
und trink in dieser Weihestund`
ein Weidmannsheil der Jägerrund!

Mit gesungenem Weidmannsheil aller Anwesenden wird gemeinsam Weidmannsheil getrunken. Selbstverständlich mit der linken Hand.

Bereiten wir mit diesem einmaligen Erlebnis einer würdigen Zeremonie der Jungjägerin oder dem Jungjäger einen unvergesslichen Moment im Jägerleben!

   
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