Lebendige Erinnerung – Wie Trophäen mehr als bloße Knochen an kahlen Wänden werden.

Lebendige Erinnerung – Wie Trophäen mehr als bloße Knochen an kahlen Wänden werden., OÖ LJV

Krickerl, Krucken, Geweih – das, was unser zum Großteil männliches Schalenwild am Haupt trägt, ist jagdfremden Personen hauptsächlich als die typische Trophäe bekannt. Oft zieren diese Gast- oder Jagdstuben im Wirtshaus, gebettet auf Eiben- oder Eichenbrettern. Manchmal liebevoll verziert, manchmal bieten sie auch Heimat für den einen oder anderen Weberknecht.

Für Jägerinnen und Jäger sind Trophäen viel mehr! Sie sind gelebte und erlebte Erinnerungen. Bei jedem Anblick kehren die Erinnerungen zu einem Moment des Erlebnisses zurück, auch der Dankbarkeit und Ehrfurcht. Diese Emotionen entstehen erst nach einer bewussten, sachlichen Entscheidung, die über Leben und Tod wählt und einen weidgerechten Jäger auszeichnet.
Doch nicht nur das, was stolz am Haupt getragen wird, gilt als Trophäe. Viele kleine Stücke sind ebenso von Bedeutung. Das Herzkreuz des Steinbocks, dem eine besondere Heilwirkung zugeschrieben wurde, hat dazu geführt, dass die Tierart im frühen 19. Jahrhundert nahezu ausgerottet wurde.
Besonders stolz wurde früher der Hasenbart getragen, gebunden aus den feinen Schnurrharren. Wer solch einen trug, galt als gefeilter Schütze und wurde mit Respekt und Ansehen empfangen.
So manch ein Musikerhut ziert heute noch ein Sichelpaar eines Spielhahnes – schön anzusehen, besonders aber, ihn tragen zu dürfen. Und welche Dame freut sich nicht über eine Halskette aus Silber, darin gefasst die Grandeln des ersten erlegten Hirsches, als einzigartiges Geschenk?

Doch die Jagd verändert sich, Bräuche ändern sich, Traditionen ändern sich. Auch die Art der Präsentation solcher Trophäen ändert sich. Wurden früher klassische Geweihtrophäen auf geschnitzten Holzbrettchen oder Holzscheiben aufgemacht, so finden sich heute immer mehr andere, moderne Trophäen an Wänden. Ob das Kiefer gekappt, oder so wie früher das Nasenbein komplett abgeschnitten wird, obliegt jedem selbst. Übrigens funktioniert das Abkappen des Kiefers herrlich mit einer Bandsäge!

Auch ganze Schädel finden repräsentativ Einzug in den Haushalten, auf Stativ mit dekorativer, schwarzer Eisenstange.

Lebendige Erinnerung – Wie Trophäen mehr als bloße Knochen an kahlen Wänden werden., OÖ LJV

(Bild Stativ, Fotocredit: Alexander Busch – Hubertus-Fieldsports OHG, https://www.hubertus-fieldsports.de/Jagdarten/Blattjagd/Sam-Neyt-Trophaeenstaender-6435.html ) 

Manch ein Krickerl findet seinen Platz auf einem mit Stoff oder Fell bespannten Bilderrahmen.

Eine weitere faszinierende, kunstvolle Inszenierung ist das Bemalen der Trophäe mit Tusche – hier gibt es unzählige Möglichkeiten, der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen. Grundlegende Fertigkeiten der Kalligrafie sind dank moderner Technik nicht zwingend nötig. Mit qualitativ hochwertiger Tusche und einer gut vorbereiteten Trophäe ist der Grundstein bereits bestens gelegt! Jedoch empfiehlt es sich, ein Trophäenbeschriftungs-Seminar zu besuchen, um gewisse Techniken zu erlernen. Eine persönliche Empfehlung ist hier das Atelier Rauscher aus Bayern (https://www.kunsthandwerk.bayern/). Solch Erinnerungsstücke selbst zu gestalten ist auch ein Teil der Jagd.

Um eine wirklich gute Trophäe zu erhalten, gibt es einige Tipps und Tricks. Besonders beim Auskochen entscheidet sich die spätere Qualität der Erinnerung. Wichtig ist zu wissen, dass es beim Auskochen von Trophäen viele Wege zum Ziel gibt. Ob nun die Decke zuerst abgeschärft oder das ganze Haupt gekocht wird, obliegt jedem selbst. Ein Schuss Spülmittel oder Waschpulver hilft jedenfalls, das Fett dem Knochen beim Kochen zu entziehen. Zum Entfernen der gekochten Decke und der Fleischreste hat sich der gute, alte Kärcher bewährt.
Tipp: Eine Wathose oder Gummistiefel anziehen!
Das Kiefer benötigt nicht so lange wie der Rest, die genaue Kochzeit hängt jedoch davon ab, wie alt das erlegte Stück ist. Kocht ein Jahrling nur wenige Minuten, kann es bei einem alten Bock durchaus eine gute Stunde und länger dauern. Es empfiehlt sich, den ausgekochten Schädel vor dem Bleichen noch einmal einige Minuten in frischem Wasser mit einem Schuss Wasserstoffperoxid zu kochen. Hartnäckige Knorpelreste lassen sich gut mit einem Messer abschaben. Weitere gute Tipps und Ratschläge zum Richtigen Auskochen sind im Buch „Sauber Auskochen“, Sternath Verlag unter https://www.sternathverlag.at/bücher/ zu finden.

Lebendige Erinnerung – Wie Trophäen mehr als bloße Knochen an kahlen Wänden werden., OÖ LJV

Abschließend bleibt eines: Die Freude über ein geglücktes Weidmannsheil, über die bewusste und respektvolle Jagd, und die damit verbundene Erinnerung an einzigartige Momente – eine Erinnerung, die in der Trophäe weiterlebt.

   
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