Souverän durch die erste Herbstjagd

Souverän durch die erste Herbstjagd, OÖ LJV

...von Sicherheit bis Social Media

Text und Fotos: Rupert J. Pferzinger

Wenn die Blätter bunt werden und der Nebel morgens über den Stoppelfeldern liegt, beginnt für uns Jäger eine der spannendsten Zeiten des Jahres: die Zeit der gesellschaftlichen Herbst- und Niederwildjagden.

Für viele frischgebackene Jungjägerinnen und Jungjäger in Oberösterreich ist die erste Teilnahme an einer Gesellschaftsjagd ein absolutes Highlight – oft verbunden mit einer gesunden Portion Jagdfieber. Das ist völlig verständlich, denn im Vergleich zum ruhigen Ansitz läuft hier vieles dynamischer und schneller ab. Damit die erste Gesellschaftsjagd sicher, weidgerecht und positiv in Erinnerung bleibt, werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Spielregeln im Treiben.

Sicherheit im Jagdbetrieb: Keine Kompromisse!
Der offizielle Sicherheitsfalter des OÖ Landesjagdverbandes ist kein bürokratisches Dokument, sondern unsere Lebensversicherung im Revier. Auf einer Gesellschaftsjagd trägt jeder Einzelne Verantwortung für seine abgegebenen Schüsse.

Drei goldene Regeln stehen dabei über allem:  

-Waffenhandhabung außerhalb des Triebes
Die Waffe bleibt außerhalb des aktiven Triebes immer entladen und geöffnet. Das bedeutet: gebrochene Flinte oder geöffneter Verschluss beim Gewehr. Erst wenn der Stand bezogen ist und das offizielle Signal zum Anblasen des Triebes ertönt, wird geladen. Sofort nach dem Abblasen wird die Waffe wieder entladen.

– Der zugewiesene Standplatz ist Gesetz
Wer seinen zugewiesenen Stand eigenmächtig verlässt – und sei es nur um wenige Meter, um vermeintlich besser zu sehen –, gefährdet sich und andere. Macht euch stattdessen beim Beziehen des Standes mit einem kurzen Handzeichen bei euren Nachbarschützen bemerkbar. So weiß jeder genau, wo die Schützenlinie verläuft.

– Kugelfang und Schussfeld prüfen
Meistens gibt der Ansteller genau bekannt, in welchem Bereich Schüsse abgegeben werden dürfen. Nutzt die Minuten vor dem Anblasen, um euch das Gelände genau einzuprägen. Wo verlaufen Straßen? Wo könnten Treiber auftauchen? Das sogenannte „Linieren“ – also das Mitziehen mit der Waffe durch die Schützenlinie – ist strikt verboten.

Geschossen wird nur, wenn das Wild eindeutig angesprochen werden kann und ein absolut sicherer Schuss abgegeben werden kann. Beim Büchsenschuss muss ein Kugelfang gegeben sein. Im Zweifel bleibt der Finger gerade. Ein nicht abgegebener Schuss schmerzt nie, ein unbedachter ein Leben lang.
Und denkt an die Nachbarschützen: Wenn der Hahn, der Hase oder das Schalenwild näher bei diesem ankommt, so bleibt auch hier der Finger zunächst gerade.

Gerade für Jungjäger gilt: Es ist keine Schande, bewusst keinen Schuss anzutragen. Sicherheit und Weidgerechtigkeit sind immer wichtiger als Strecke zu machen. Apropos Sicherheit: Ein gut sichtbares Hutsignalband gehört heute zur Mindestausstattung bei Gesellschaftsjagden.

Vom Jagdhut bis zum Schüsseltrieb: Richtiges Verhalten in der Jagdgesellschaft
Die Jagd in Oberösterreich lebt auch von ihren Traditionen. Als Jungjägerin bzw. Jungjäger steht man naturgemäß unter freundlicher, aber genauer Beobachtung der erfahrenen Praktiker. Wer hier positiv auffallen möchte, punktet mit Verlässlichkeit und Handschlagqualität.
Das beginnt bei der Pünktlichkeit und dem Bereithalten der gültigen Jagdkarte bei der Ankunft. Bei der Begrüßung und Ansprache durch den Jagdleiter gilt: Ohren auf. Hier werden die freigegebenen Wildarten, die Signale und die Jagdabläufe verbindlich festgelegt. Während der Ansprache bleibt der Hut übrigens auf dem Kopf.
Auch nach dem Trieb zeigt sich das wahre handwerkliche Können. Erlegtes Wild wird erst nach dem offiziellen Abblasen geborgen. Wir jagen weidgerecht, also ist nicht sofort verendetes Wild unverzüglich dem Jagdleiter, Ansteller oder einem Hundeführer zu melden. Nur so kann eine professionelle und zeitnahe Nachsuche erfolgen. Keine Alleingänge am Anschuss.
Wo vorgeschrieben oder empfohlen, sollte bei Gesellschaftsjagden gut sichtbare Warnkleidung getragen werden. Das signalfarbene Hutband ist obligat – Sichtbarkeit erhöht die Sicherheit aller Beteiligten erheblich.

Wurde das Wild gut versorgt, ausgeworfen und in die Kühlkammer verbracht, folgt der feierliche Abschluss. Die Jagdstrecke wird verblasen, um dem Wild die letzte Ehre zu erweisen. Das Erscheinen beim Streckenlegen und dem anschließenden Schüsseltrieb zählt zum guten Ton und ist gelebte Jagdkultur.
Nutzt diese Gelegenheit und die Gespräche im gemütlichen Kreis, um zuzuhören, Fragen zu stellen und wertvolle Kontakte in der Jägerschaft zu knüpfen. Vor allem dann, wenn du noch jagdlichen Anschluss suchst!

Die digitale Außenwirkung: Jagd im Fokus der Öffentlichkeit
Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter und ist längst Teil der modernen Jagdausrüstung – immerhin sind allerhand nützliche Apps wie die OÖ Jagd App mit wichtigen Infos und den aktuellen Schusszeiten immer griffbereit. Auch die sozialen Medien werden regelmäßig mit jagdlichen Inhalten gefüllt. Gerade bei Gesellschaftsjagden müssen wir uns jedoch der Außenwirkung unserer Bilder bewusst sein!

Die wichtigste Social-Media-Regel lautet: Überlegt vor jedem Klick auf „Teilen“, wie dieses Bild auf einen Nichtjäger wirkt.
Keine Erleger-Selfies oder blutigen Streckenbilder. Respektlose Posen, unnötig drastische Darstellungen oder schlecht präsentierte Strecken haben auf Instagram, Facebook und Co. nichts verloren. Sie lassen Interpretationsspielraum zu und vermitteln ein falsches Bild der Jagd.
Zeigt stattdessen die positiven Seiten der Jagd wie das herbstliche Revier im Morgenlicht, gelebtes Brauchtum beim Verblasen der Strecke, die faszinierende Arbeit unserer Jagdhunde oder das kameradschaftliche Miteinander. Das sind authentische Einblicke, die Verständnis und Interesse für die Jagd wecken können.

Gehen wir also mit gutem Beispiel voran – mit der Waffe in der Hand, ebenso wie mit dem Smartphone.
Ich freue mich von eurer ersten Niederwild-Treibjagd zu lesen oder zu hören!

Souverän durch die erste Herbstjagd, OÖ LJV

Kontakt
Rupert J. Pferzinger
Ansprechpartner für Jungjägerinnen- und Jungjäger
r.pferzinger@ooeljv.at
07224/20083-10

   
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