Wenn der Wind den Jäger jagt!

Wind und Jagd, das gehört zusammen wie Pech und Schwefel.
Als Jägerin oder Jäger ist das Wissen über Wind, Wetter und die Wahrnehmungsfähigkeiten des Wildes entscheidend für den Jagderfolg. Die Zeit verändert Menschen, Einstellungen und Lebensweisen, und auch die Jagd hat sich im Laufe der Geschichte verändert. Schon unsere Vorfahren wussten genau, wie man sich dem Wild nähern musste, um nicht erkannt und beutelos heimzukehren. Viele unterschätzen die Fähigkeiten unserer heimischen Waldbewohner. Eine alte, überlieferte Weisheit lautet: „Wenn der Wind jagt, soll der Jäger zu Hause bleiben“ – und diese hat auch heute nichts an Bedeutung verloren.
In und mit der Natur zu leben ist heute nur mehr für eine Minderheit der Menschen relevant, auch die meteorologischen Zusammenhänge zu verstehen, regional erkennen zu können und darauf zu reagieren; oder auch Jagdstrategien anzupassen, ohne das Wild zunehmend zu vergrämen. Die Klimaerwärmung, die Veränderung von Wind und Wetter und damit einhergehende Veränderungen in der Natur haben viele dieser praktizierten Überlieferungen durcheinandergebracht. Eines wird sich jedoch nie ändern: Wer glaubt, klüger als die Evolution hinsichtlich der Fähigkeiten von Wildtieren zu sein, hat bereits verloren. Wärmebildgeräte, Nachtsicht mit Restlichtverstärker – all diese Techniken verschaffen uns zwar Vorteile, aber ohne das nötige Verständnis der Natur und deren Abläufe, werden wir auch damit keinen nachhaltigen Erfolg verzeichnen können.
Oft sind es ganz einfache Dinge, die uns im Revier helfen können, den Wind zu bestimmen. Raucher haben hier einen klaren Vorteil gegenüber Nichtrauchern. Wer jetzt jedoch glaubt, er müsse seiner Gesundheit Tabakqualm zumuten, dem kann ich getrost sagen, dass ich zum Beispiel immer Seifenblasen anstatt Glimmstängel im Rucksack mitführe. Anhand der Seifenblasen lässt sich hervorragend verfolgen, wohin der Wind weht und ob dieser, zum Beispiel an einer Waldlichtung, dreht.
Ein häufiger Fehler ist es, den Wind nur am Fuß der Leiter zu prüfen. Oben auf vier oder fünf Metern Höhe kann die Strömung ganz anders verlaufen. Prüft den Wind daher immer dort, wo eure Witterung tatsächlich austritt.
Auch der klassische Windprüfer, der mit Pulver gefüllt ist, hat seine Daseinsberechtigung. Ein kurzes Quetschen an der Flasche und man sieht, wohin das Pulver vom Wind getragen wird. Vorausgesetzt, es kommt noch etwas aus der Flasche und das Wild nimmt einen nicht fluchend und schüttelnd wahr. Manchmal reicht es auch, Blätter in die Luft zu werfen. Wie ihr seht, gibt es unzählige Möglichkeiten zu prüfen, wie der Wind geht. Dies verschafft uns einen wirklichen jagdlichen Vorteil.
Vergesst neben dem Wind nicht die Thermik. Wenn die Abendsonne verschwindet und der Boden abkühlt, „fällt“ die Luft förmlich den Hang hinunter. Wer dann im Hang oben sitzt, wird oft schon vom Wild „im Wind“ wahrgenommen, bevor es überhaupt ausgetreten ist.
Wir lernen, uns mit der Natur zu bewegen, nicht gegen sie. Auch wenn moderne Technik uns Vorteile verschafft, so bleibt das grundlegende Verständnis von Wind und Wetter unersetzlich. Echtes Handwerk beweist man nicht durch technisches Aufrüsten, sondern durch die Disziplin, einen Platz auch mal wieder zu verlassen (oder gar nicht erst zu beziehen), wenn der Wind „jagt“. Am Ende sind es oft die einfachsten Dinge, die uns im Revier zum Erfolg führen!
Rupert J. Pferzinger
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Text: Rupert J. Pferzinger
Foto: Ch. Böck






