Chronik

Chronik, OÖ LJV

Streiflichter durch eine bewegende Geschichte

Foto: Der Landesjagdvorstand und -ausschuss inklusive Sekretärin Margarete Steindl-Katzböck aus dem Jahr 1950

80 Jahre OÖ. Landesjagdverband

Streiflichter durch eine bewegende Geschichte

Vom Neubeginn in den Nachkriegswirren bis zum modernen Dienstleistungszentrum. Der Oberösterreichische Landesjagdverband blickt auf acht Jahrzehnte voller Herausforderungen, Weidwerk und Standesvertretung zurück. Ein Rückblick auf die Meilensteine einer Institution, die heute fest im Schloss Hohenbrunn verwurzelt ist.

Aus der Vorläuferorganisation „Oberösterreichischer Landes-Jagdschutz-Verein“, gegründet 1879, mit Sitz in Linz, Volksgartenstraße 21, markiert schließlich der 12. Februar 1946 die Geburtsstunde dessen, was wir heute als unsere starke Interessenvertretung kennen. Um 9 Uhr morgens trat in jenen unsicheren Tagen der provisorische Ausschuss zusammen, um unter der Leitung von Landesrat Blöchl Ordnung in das brachliegende Jagdwesen zu bringen. Es galt, die Jagd nach den Verheerungen des Krieges und unter der Aufsicht der Besatzungsmächte neu zu organisieren.

Der „goldene Mittelweg“ als Gründungsauftrag

Schon in dieser ersten Sitzung fielen Worte, die bis heute nichts an Aktualität verloren haben. Landesrat Blöchl betonte, dass die Jagd weit mehr als „Sport“ sei – sie sei Freude am Wild und an der Natur sowie ein wichtiger Wirtschaftszweig. Besonders vorausschauend war sein Appell an das Miteinander mit der Landwirtschaft und einen „goldenen Mittelweg“.

Unter dem ersten Landesjägermeister, Ing. Karl Bruckner, wurden die Weichen gestellt. Die Ziele waren klar definiert: Einflussnahme auf die Gesetzgebung, die Einführung der Jagdprüfung als Qualitätsmerkmal, die Förderung des Hundewesens und – ganz wichtig – die Aufklärung der Jugend durch Jagdzeitschriften und Weidmannsbrauch.

Von der Schmidtorstraße ins Schloss Hohenbrunn

Die Geschichte des Verbandes spiegelt sich auch in seinen Standorten wider. Begannen die Tätigkeiten 1945 noch in der Linzer Schmidtorstraße, so führte der Weg über den Raiffeisenhof und die Humboldtstraße schließlich im Jahr 2000 an jenen Ort, der heute das Herz der oberösterreichischen Jägerschaft bildet: das Barockjuwel Schloss Hohenbrunn in St. Florian.

Was einst mit wenigen Stunden Präsenzzeit pro Woche begann, hat sich im Laufe der Zeit und vor allem bis heute unter LJM Herbert Sieghartsleitner und Geschäftsführer Mag. Christopher Böck zu einem „Full-Time-Job“ für viele Bezirksjägermeister und die Geschäftsstelle entwickelt.

Auszüge aus dem Protokoll 1946

Aus dem Sitzungsprotokoll der konstituierenden Sitzung des provisorischen Ausschusses des OÖ Jagdverbandes vom 12. Februar 1946, 9 Uhr (dieses Datum gilt gleichsam als die Geburtsstunde des OÖ. Landesjagdverbandes) werden auszugsweise die wichtigsten Fakten sowie wesentliche Passagen für die Gründung, die Aufgaben und die Entwicklung des OÖ. Landesjagdverbandes und interessante historische oder noch heute aktuelle Details aus dem Jagdwesen wiedergegeben.

Abbildung 80 Jahre OÖ LJV_Protokoll 1946

Chronik, OÖ LJV

Die Tagesordnung und Anwesenheitsliste der ersten Sitzung am 12. Februar 1946.

Zu Punkt 1 der Tagesordnung vom 12. 2. 1946:

„Landesrat Blöchl eröffnet die Sitzung, begrüßt im Namen der Landesregierung die erschienenen Teilnehmer und führt aus, dass die Aufgaben dieses Ausschusses sein werden, die Interessen der oö. Jagd und Jägerschaft selbst zu vertreten und bei der Bildung des Beirates der OÖ. Landeshauptmannschaft sowie bei den Bezirksverwaltungsbehörden mitzuwirken.

(auszugsweise)
… die Jagd soll nicht nur Erholung und sportliche Betätigung bedeuten, sondern auch Freude am Wild und an der Natur sein …

… Jagd ist seit jeher ein ganz wichtiger Zweig der Volkswirtschaft und es ist sehr bedauerlich, dass durch die Kriegsereignisse die Jagd und das Wild schwersten Schaden genommen haben …

… Die Landwirtschaft stellt dem Wild die Weideplätze zur Verfügung, die Bauern – selbst wenn sie auch keine Jäger sind – haben Freude am Wild, solange nicht durch Überhege der Landwirtschaft Schaden bereitet wird, was nur zum Verdruss für beide Seiten führt. Diesen Umständen ist auch bei der Schaffung eines neuen Landesjagdgesetzes Rechnung zu tragen, und für beide Teile soll ein richtiger, ein goldener Mittelweg gefunden werden.“

Der Jagdreferent der Landesregierung, Hofrat Dr. Enzinger, skizziert anschließend die rechtlichen Voraussetzungen, die bestehenden Probleme aller Interessensgruppen, aber auch sehr deutlich und ausführlich die Schwierigkeiten mit der Militärregierung, insbesondere mit der amerikanischen Besatzungsarmee. Erst durch einen Befehl des Kommandos der 83. Truppendivision vom 16. 1. 1946 wurde eine Einschränkung des Jagens für amerikanische Besatzungssoldaten verordnet, wobei auf die Einhaltung der Schonvorschriften hingewiesen und die Verwendung von Kugelgewehren bei Ausübung der Jagd auf Niederwild verboten wurde.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung:
„Auf Vorschlag von General Waldherr werden zur Wahl in den Vorstand folgende Herren genannt: Ing. Bruckner, Alfred Fritsch, Ing. Böhm, Ferdinand Mayrbäurl – einstimmige Annahme!“

Zu Punkt 3 der Tagesordnung:
„Auf Antrag von F. Mayrbäurl wird als Vorstandsvorsitzender Ing. Karl Bruckner, als 1. Stellvertreter Alfred Fritsch und als 2. Stellvertreter Dkfm. Josef Gebeshuber vorgeschlagen. Auch diese Wahl erfolgt ohne Gegenstimme.“

Zu Punkt 4 der Tagesordnung:
„Ing. Karl Bruckner übernimmt den Vorsitz und dankt für das ihm durch die Wahl geschenkte Vertrauen und referiert kurz über Aufgaben und Ziele des neugeschaffenen OÖ. Landesjagdverbandes:

Der Oberösterreichische Jagdverband stellt die Interessensvertretung der Jägerschaft gegenüber den Behörden und Ämtern und gegenüber den gesetzgebenden Körperschaften wie Landes- und Bundesregierung dar. Bei der Jagdgesetzgebung auf dem Gebiete des Jagdrechtes wird es daher die Aufgabe des Landesjagdverbandes sein, die Interessen der Jagd und des Wildstandes zu wahren. Der Landesjagdverband müsse weitgehendsten Einfluss dabei ausüben. Auch bei der Ausstellung der Jagdkarte und der Festsetzung der Voraussetzungen in der Person des Jagdinhabers müsse die Organisation der Jägerschaft selbst ihren Einfluss ausüben. Insbesondere aber könne nur durch aufklärende Tätigkeit für die Jagd, für das Wild, und zwar durch das Wort und vor allem durch die Jagdzeitschriften, auf die heranwachsende Jugend Einfluss ausgeübt werden, damit diese einmal auch die Jagd nach altem Weidmannsbrauch und im weidmännischen Sinne ausüben wird. Ebenso müsse für die Geselligkeit der Jäger durch verschiedene Geselligkeitsveranstaltungen gesorgt werden. Durch die Bestellung des Jagdbeirates würden bei den Bezirksverwaltungsbehörden selbst in jagdlicher Beziehung der notwendige Einfluss ausgeübt werden können.

Mit einem Aufruf zur Mitarbeit und zur Zusammenarbeit bekräftigt der Vorsitzende die gemeinsamen Anstrengungen um den Landesjagdverband und führt weiter aus, daß bei der Jagd die Parteipolitik auf jeden Fall zu meiden sei, es sind nur reine Jagdinteressen zu wahren, es würde nicht gefragt, ob einer Bauer, Beamter oder Arbeiter sei, sondern es käme nur einzig und allein auf die Mitarbeit im Interesse der Jagd und des Wildes an.

Unter Punkt 9 der Tagesordnung vom 12. 2. 1946 wurden die Rechnungsprüfer bestellt und die für die weitere Verbandsarbeit so wichtigen Unterausschüsse gebildet:
a) Hundewesen: Hans Hörmedinger und Hans Buchinger
b) Waffen- und Schießwesen: Fritz Trucksehs und General Waldherr
c) Presse, Ausstellung und Unterhaltung: Alfred Fritsch, Roman Ruthmann und General Waldherr
d) Jagdwirtschaft: Ing. Hans Böhm
e) Jagdbetrieb General Waldherr und Dkfm. Gebeshuber
f) Berufsjägerfragen Ing. Hans Böhm
g) Wildseuchen und Naturschutz Forstmeister Patzak, Dr. Spielmann sowie ein Tierarzt vom Schlachthof Linz
h) Unterausschuss Finanzen

(Anträge auszugsweise)
… Pflicht der Hundehaltung …
… Abschussplan für Schalenwild …
… dem Sommerbock die Kugel …
… Forderung nach Prüfung zur Erteilung des ersten Jagdscheines, insbesondere Nachweis für die notwendigen Kenntnisse bei Handhabung der Schusswaffen sowie auf dem Gebiete der Jagd- und Wildkunde …
… Abschluss einer pauschalen Jagdhaftpflichtversicherung …

Schluss der Gründungsversammlung um 12.30 Uhr

Jagdliche Meilensteine in Oberösterreich

1848 Wegfall des Jagdregals (Feudaljagd),

1857 Erste Jagdgesetzgebung,

1885 OÖ. Landesjagdgesetz,

1938 Reichsjagdgesetz auch für OÖ.

1945 Staatsgesetzblatt vom 10.7.1945 (Regierung Renner): Umwandlung der ehemaligen deutschen Jägerschaft in den österr. Jagdverband als Pflichtorganisation zur demokratischen Interessenvertretung aller Jagdausübenden, die Jagd wird wieder Ländersache. Die oö. Jägerschaft bildet den Landesjagdverband, eine Körperschaft öffentlichen Rechtes, mit Sitz in Linz.

1946 Gründung des OÖ Landesjagdverbandes

1946 (bis 1963) LJM Bruckner

1946 (bis 1979) Sekretärin Margarete Steindl-Katzböck als „gute Seele“

14.10.1947 Oberösterreichisches Jagdgesetz (LGBl. Nr. 10/1948)

1961 Verein zur Rettung und Erhaltung des Schlosses Hohenbrunn gegründet

1963 (bis 1973) LJM Tröls

1964 OÖ. Landesjagdgesetz

2.9.1967 OÖ. Jagdmuseum Schloss Hohenbrunn – Eröffnung

1973 (bis 2007) LJM Reisetbauer

April 1974 DER OÖ JÄGER, Nr. 1, 1. Jahrgang, erscheint halbjährlich

1979 Geschäftsstellenleiter Bernd Krenslehner (bis 1988)

April 1984 DER OÖ JÄGER, Nr. 21, 11. Jahrgang, erscheint vierteljährlich

Schonzeitenverordnungen wurden immer wieder angepasst; Bsp. 1985 Neue Schonzeitenverordnung (Schusszeit Knopfspießer & Schmalreh ab 15.5.) und weitere VO, wo Elch, Bär, Luchs, Wolf, Waschbär und Marderhund zu jagdbaren Tierarten werden.

1987 (bis 2013) Geschäftsstellenleiter bzw. Geschäftsführer Helmut Sieböck

1992 Fallenverordnung (Begrenzung der Anzahl der Anwender, Überprüfung und Kennzeichnung der Fanggeräte)

1993 Abschussplanverordnung – Errichtung von Vergleichs- und Weiseflächen in allen Bezirken, Abschussplanung nach dem Verjüngungszustand

1994 Wildfleischverordnung – Grundprinzipien der Wildbrethygiene, Untersuchungsbestimmungen für geprüfte Hilfskräfte.

1995 Erweiterung Fischereimuseum

1999 Renovierung des Schlosses Hohenbrunn

2000 Umzug des LJV ins Schloss Hohenbrunn

2001 Anstellung eines Wildbiologen (Mag. Christopher Böck)

2002 Erste Homepage

2007 (bis 2019) LJM Brandmayr

2012 Erweiterung der Büroräumlichkeiten (Westtrakt)

2013 GF Mag. Christopher Böck (bis dato)

2013 LJV erhält behördliche Agenden (JK-Ausstellung Scheckkarte, Jagdprüfungswesen etc.)

2014 Mariazeller Erklärung

2016 OÖ JagdApp

2017 Grundkauf Schießstand Viecht

2017 Gründung Jagd Österreich mit Präsidentschaft 2023

2019 LJM Sieghartsleitner (bis dato)

2019 Wolf in OÖ permanent präsent

2020 OÖ JagdTV (mittlerweile über 6.200 Abonnenten)

2024 Digitale Kundenzone des OÖ LJV geht online

1.4.2024 Neues Jagdgesetz samt Verordnungen

Unsere Heimat, unsere Verantwortung

80 Jahre OÖ. Landesjagdverband sind mehr als eine bloße Aneinanderreihung von Daten und Paragrafen. Sie sind ein Zeugnis für die Beständigkeit unserer Werte in einer sich rasant wandelnden Welt.

Was 1946 mit dem Mut weniger Männer in den Trümmern der Nachkriegszeit begann, ist heute eine moderne, schlagkräftige Gemeinschaft, die Tradition und Innovation vereint. Wir blicken mit Stolz auf das Erreichte zurück – nicht um darin zu verharren, sondern um mit derselben Leidenschaft die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen. Denn egal ob 1946 oder heute: Im Zentrum unseres Handelns stehen die Liebe zur Natur, der Respekt vor dem Wild und das Bewusstsein, dass wir als Jäger die Hüter eines kostbaren Erbes sind.

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Der Landesjagdausschuss nach der konstituierenden Sitzung 2025 mit Landesrätin Michaela Langer-Weninger PMM und Jagdjuristin Mag. Manuela Kopecky.

   
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