Die Afrikanische Schweinepest auf dem Vormarsch –  Was können wir tun?

Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest schreitet voran

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) erreichte im Jahr 2014 über Georgien und Russland Europa, und hier als erstes die baltischen Staaten. Mittlerweile sind weite Teile Osteuropas betroffen, und auch den Sprung in den Westen, nach Deutschland und Belgien, hat die ASP bereits geschafft. 

Der Faktor Mensch als Risiko für die Einschleppung der ASP

Für die Übertragung und Weiterverbreitung der ASP gibt es  zwei Wege. Auf der einen Seite den direkten Weg durch Kontakt zwischen Wildschweinen  – hier geht man davon aus, dass die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Seuche auf max. 50 km / Jahr beschränkt ist. Auf der anderen Seite gibt es den völlig unberechenbaren indirekten Weg über den Menschen. Arbeitskräfte aus betroffenen Ländern, Durchreisende, Urlauber und generell alle Personen, die virushältige Rohwürste oder anderes virushältiges Fleisch aus betroffenen Ländern mitnehmen und nicht fachgerecht entsorgen, können zum Überträger der ASP werden. 

Werden diese kontaminierten Lebensmittelreste von Wildschweinen aufgenommen, kann dies eine Infektion auslösen und somit der Ausgang eines ASP-Ausbruchs sein. Trotz zahlreicher Informationskampagnen besteht jederzeit die Gefahr eines ASP-Ausbruchs in Österreich durch diese Art des indirekten Erregereintrags. 

Die Bekämpfung der ASP – ein schwieriges Unterfangen

Mehrere Jahre ASP-Bekämpfung beim Wildschwein in Europa haben gezeigt, dass eine Tilgung der Seuche kaum möglich ist. 

Maßnahmen, die unverzüglich umzusetzen sind, sind vor allem die Fallwildsuche, bei Bedarf die Einzäunung des Gebietes, in dem ASP-infizierte Wildschweine gefunden wurden, Betretungs- und Ernteverbote sowie ein Verbot der Waldarbeit. Diese Maßnahmen sollen eine Beunruhigung der Wildschweine und ein Abwandern verhindern, und damit zu einer Verlangsamung bzw. einer Eindämmung der Weiterverbreitung der Seuche führen.

Doch die ASP auszurotten, und tatsächlich auch wieder frei davon zu werden, hat bisher nur Tschechien geschafft. Was war das Erfolgsrezept? War es die konsequente Umsetzung der Maßnahmen? War es die Akzeptanz der Maßnahmen in der Bevölkerung? War es die Ausdauer, die an den Tag gelegt wurde? 

Man muss wohl davon ausgehen, dass alles zusammen letztlich zum Erfolg führte. Auf jeden Fall aber wurde in Tschechien der Eintrag des Erregers frühzeitig erkannt, bevor es zu einer großflächigen Weiterverbreitung der Seuche durch direkten Kontakt zwischen Wildschweinen kommen konnte. So war die Ausdehnung des Seuchengebiets relativ überschaubar und die intensiven, weitreichenden Maßnahmen konnten auf ein gut begrenztes Gebiet beschränkt werden.

Fakt ist, je früher der Erregereintrag erkannt wird, das heißt, ein infiziertes Wildschwein gefunden wird, umso größer sind die Chancen einer erfolgreichen Bekämpfung der Seuche bzw. einer Eliminierung des Erregers aus dem betroffenen Gebiet. 

Jägerinnen und Jäger als wichtige Partner in der ASP-Vorsorge

Für eine erfolgreiche Tierseuchenbekämpfung ist die frühzeitige Erkennung der Seuche die wichtigste Voraussetzung! 

Ohne Unterstützung durch die Jägerschaft ist das nicht möglich. Die ortskundigen Jäger sind meist tagtäglich im Jagdgebiet und wissen, wo sich das Schwarzwild aufhält und wohin es sich zurückzieht (Äsungseinstände und Deckungseinstände). Die Präsenz vor Ort, aber auch dieses Wissen, sind als Präventionsmaßnahme und bei der gezielten Kadaversuche im Seuchenfall von größter Bedeutung.

Seit Dezember 2019 ist die Untersuchung von verendet aufgefundenen Wildschweinen, auch von Unfallwild, auf ASP verpflichtend vorgeschrieben. Werden Wildschweinkadaver gefunden, ist der Fundort mittels Koordinaten umgehend bei der zuständigen Behörde (Bezirkshauptmannschaft) bekanntzugeben, um eine Bergung und anschließende Untersuchung auf ASP organisieren zu können. 

Im Sinne einer raschen Seuchenentdeckung und damit auch zum Schutz der Haus- und Wildschweinebestände sind weitere Maßnahmen einzuhalten:

  • Schwarzwild mit auffälligem Verhalten wie Mattigkeit, Orientierungslosigkeit ist zu erlegen und dem zuständigen Amtstierarzt (Bezirkshauptmannschaft) zu melden, damit eine Beprobung und die anschließende Untersuchung auf ASP organisiert werden kann.
  • Fallen beim Aufbrechen punktförmige Blutungen an einem oder mehreren Organen oder eine vergrößerte Milz auf, ist ebenfalls der Amtstierarzt zu verständigen.
  • Aufbrüche von Wildschweinen sollten keinesfalls als Kirrungen für Schwarzwild oder für Luderplätze für Füchse verwendet werden.
  • Jäger, die zugleich Hausschweine halten, müssen darauf achten, dass bei der Jagd verwendete Gerätschaften und Kleidung nicht in Kontakt mit Hausschweinen kommen und gründlich gereinigt und wenn möglich desinfiziert werden. Wildschweine dürfen nicht am Betrieb aufgebrochen werden!
  • Von Jagdreisen in betroffene Gebiete ist dringendst abzuraten. Keinesfalls dürfen unbehandelte Trophäen sowie Wildbret oder Wildbretprodukte aus Seuchengebieten mitgenommen werden. Für Seuchengebiete gelten spezielle Vorschriften.
  • Der geringste Verdacht auf das Vorliegen der ASP ist sofort dem zuständigen Amtstierarzt zu melden.
  • Die Absenkung der Schwarzwilddichten ist eine der effektivsten Präventionsmaßnahmen – im Fokus steht nicht die nachhaltige Bewirtschaftung (wie bei anderen Schalenwildarten), sondern die konsequente Bejagung, sprich Reduktion!

Die Gefahrenlage für Österreich ist nach wie vor unverändert groß. Umso wichtiger ist es, dem Thema ASP nicht müde zu werden und die möglichen Präventivmaßnahmen gemeinsam und konsequent zu verfolgen.

 

Ein Artikel von Birgit Kaltenböck, Barbara Gleiß(beide Abteilung Ernährungssicherheit und Veterinärwesen, Amt der OÖ Landesregierung) und Gottfried Diwold (Abteilung Land- und Forstwirtschaft, Amt der OÖ Landesregierung)
Quelle OÖ Jäger Nr. 169 (Dezember 2020)

 

   
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