Damit Böcke springen…

Böcke springen_thinkstock

Für nicht wenige Jäger ist im Jahresablauf die Blattjagd immer wieder ein Höhepunkt.

Sie haben die zu erwartenden besten Tage in ihren Terminkalendern schon lange vorher eingetragen und sind in dieser Zeit für kaum etwas Anderes zu haben.

Text: Dr. Bartel Klein
Fotos: B. Klein, thinkstock.de
Quelle: OÖ. Jäger Juni 2017, Nr. 155

 

Den richtigen Zeitraum wählen

Es sind Tage in den ersten zwei Wochen des August. Denn da ist der Großteil der Schmalrehe und Geißen beschlagen und deshalb die besonders begehrten älteren Böcke ungebunden. Jetzt springen sie zuverlässig auf Locklaute, weil ihre Triebe noch auf Hochtouren kochen. Einher geht das mit einer deutlich verringerten Besonnenheit und Vorsicht. Das erhöht die Chancen, in diesen Tagen alte Geheimräte vor die Büchse zu bekommen.

Das ist im Juli weit weniger der Fall. Da sind ältere Böcke auf die weiblichen Stücke in ihrem Territorium fixiert und warten ab, bis das letzte Stück brunftig geworden ist. Deshalb springen im Juli meist nur junge Böcke, die keine Chance zum Beschlag haben. Sie sind vom Zuschauen beim Brunftgeschehen und dem Wahrnehmen verlockender Brunftwitterung aufgeheizt und stürmen auf alles los, was nach einem brunftigen Stück oder nach Brunftbetrieb klingt. Es sind im Allgemeinen nicht die Böcke, die der Jäger zur Blattzeit zu erbeuten strebt.

 

Tageszeit und Witterung beachten

Die beste Aussicht auf Blatterfolg besteht, wenn Rehe auf den Läufen sind, sich also in einem Aktivitätszyklus befinden. Da sind die Böcke munter und wissen das auch von den weiblichen Stücken.

Das nutzt der Jäger auch bei anderen Jagdarten wie dem Ansitz oder der Pirsch. Deshalb ist zum Blatten auch die Zeit am Morgen ab Büchsenlicht für mindestens zwei bis drei Stunden wie auch am Abend, etwa ab 17 Uhr bis Büchsenlichtende, günstig. Die zu diesen Zeiten zu beobachtende Aktivität des Rehwildes wird durch Tau gefördert, weil das Rehwild als Wiederkäuer einen relativ hohen Flüssigkeitsbedarf hat. Deshalb springen Böcke auch besonders gerne nach einem Regenschauer. Sie springen aber auch tagsüber, wenn sie sich nicht gerade in einer Tiefschlafphase befinden. Das nutzen erfahrene Blattjäger. Manche Jagdherren erbeuten an solchen Tagen in der ersten Augusthälfte mit ihren Jägern und Jagdfreunden den Großteil ihrer reifen Böcke. Da wird vom Morgen bis zum Abend geblattet, um die Besten auszuwählen.

Ist es zur Brunft sehr heiß, herrschen also Temperaturen um die 30 Grad und mehr, springen Böcke hingegen außerordentlich schlecht. Hitze und Flüssigkeitsmangel bereiten dem Rehwild Kreislaufprobleme und lassen es dann apathisch im Schatten ruhen. Das hoffnungsfrohe Gedicht, dass das Liebesleben der Rehe, der Sonne Glut bedarf, ist nur der Tatsache geschuldet, dass die Rehbrunft in den beiden wärmsten Monaten des Jahres stattfindet. Heiße Wetterperioden haben den gegenteiligen Effekt zur Folge. Die Brunft verlagert sich an solchen Tagen in die kühleren Nächte, weshalb höchstens am späteren Abend einmal ein Bock springt. Das anschließende nächtliche Brunfttreiben führt dann dazu, dass am Morgen danach die Bühnen leer sind und aufs Blatten selten eine Reaktion festzustellen ist. Das Rehwild ruht, es ist müde.

Stürmisches Wetter und anhaltender Regen versprechen keinen Blatterfolg, nicht nur weil da die Blattlaute nicht weit zu hören sind, sondern sich auch das Rehwild nicht wohlfühlt.

Reh im Feld

 

… oft entscheidet jedoch nur die Lust!

Man könnte sagen … wie beim Menschen. Böcke springen auch zu Zeiten, bei denen nicht gerade Rehwildaktivität zu beobachten ist. Das liegt in der Natur der Sache, weil Brunftzeit einfach außergewöhnliches Engagement der Böcke hervorruft. Locklaute wirken eben stimulierend auf Böcke, auch wenn sich diese in Ruhe oder in einer leichten Schlafphase befinden.

Trotz allgemein guter Springbereitschaft Anfang bis Mitte August, passiert es aber auch schon einmal, dass bekannte Böcke nicht auf Locklaute reagieren. Lust auf Liebe besteht nicht immer und wenn, dann entspringt sie oft Situationen, die sich der Jäger nur schwer erklären kann. Dazu zwei von vielen Erlebnissen, die mir wegen der besonderen Trophäen der dabei erlegten Böcke in guter Erinnerung sind. So sah ich einmal frühmorgens an einem 5. August auf der Fahrt zum Frühstück einen außergewöhnlich abnormen Bock an einem Gegenhang im Bett sitzen. Ein Zurückpirschen und folgenden verführerischsten Sprengfiepserien, ließ ihn keinerlei Reaktion abringen. Am Abend war er an diesem Platz nicht mehr zu sehen, sprang aber in der Nähe innerhalb einer Minute forsch auf mich zu. Ähnlich verlief ein Blattversuch auf einen mir von einem meiner Förster ausgemachten kapitalen alten Bock. Es war an einem 8. August. Gegen 17 Uhr rührte sich auf die zartesten Locklaute nichts. Zwei Stunden später rannte mich bei einem erneuten Versuch am gleichen Ort der Bock fast über den Haufen.

Die Blattjagd überrascht immer wieder von neuem. Oft erlebt man Tage, an denen fast an jedem Blattplatz ein Bock springt. Wiederum aber auch Tage, an denen nach ein paar springenden Böcken plötzlich – wie abgeschnitten – kein einziger Bock mehr zusteht. Und das auch an Orten, wo man sicher Böcke weiß. Auch gibt es Zeiten, zu denen überhaupt kein Bock springt. Das ist besonders dann zu beobachten, wenn eine einschneidende Wetteränderung bevorsteht. Wenngleich der Zeitraum und auch die herrschende Witterung überwiegend verlässliche Prognosen zum Springen von Böcken erlauben, weiß der Jäger nie, in welcher Verfassung sich ein Bock gerade befindet, ob kurz vorher vergrämt, ob abgebrunftet oder an Liebe ausgehungert, ob er sich in der Nähe oder außerhalb der Hörweite der Blattlaute befindet oder welch andere Gründe ihn gerade wozu bewegen.

Welchen Schluss sollte man daraus ziehen? Zumindest zu Zeiten und zu Wetterlagen, die der Erfahrung nach besonders erfolgversprechend sind, ist das Blatten zu probieren. Da gibt es kaum ein zu viel.

Böcke springen_Bock in Wiese

Blattplätze vorbereiten

Nicht wenige Jäger versuchen einfach so auf die Schnelle oder unvorbereitet von Hochsitzen aus an Orten zu blatten, wo sie einen abschusswürdigen Bock kennen oder gerne sitzen, weil sie dort schon oft Böcke gesehen haben. Dann steht dort auch nicht gerade selten ein Bock zu. Dieser zieht jedoch nicht auf die Freifläche wie sonst, sondern kommt gedeckt im Wald und deshalb oft so unglücklich auf den Hochsitz des Jägers zu, sodass er keinen sicheren Schuss abgeben kann. Nicht wenige Hochsitze sind als Blattplatz ungeeignet, weil sie an Wald- oder Dickungsrändern oder an Freiflächen stehen und vom Bock unter Ausnutzung von Deckung angewechselt werden. Dann erscheint er oft in unmittelbarer Nähe, weshalb er jede Bewegung und auch das kleinste, vom Jäger veranlasste Geräusch mitbekommt. Ein Vergrämen ist die Folge. Dort an diesem Ort wird ein älterer Bock kein zweites Mal mehr springen. Er verknüpft diesen Ort mit seinem Feind, dem Menschen. Anders aber ist das an einem anderen Blattort im nahen Umfeld. Da springt er wieder, weil er zur Brunft so oft fiepende oder sprengfiepende weibliche Stücke erlebt und deshalb woanders das mit diesem Unglückserlebnis nicht verbindet. Deshalb ist ein einmal verblatteter Bock noch lange nicht verloren. Um das erst gar nicht eintreten zu lassen, gilt es, Blattplätze mit Bedacht auszusuchen und vorzubereiten. Wo sind gute Blattplätze? Nahe am Wohnzimmer eines territorialen Bockes. Da kommt der Bock auf Sprengfieplaute und das Angstgeschrei in kürzester Zeit angewechselt, weil er annimmt, ein Nebenbuhler macht sich da an einer seiner Geißen zu schaffen. Gute Blattplätze sind auch die Bereiche, wo Territorien von Böcken aneinander grenzen. Da treibt die Eifersucht gegenüber dem bekannten Nachbarn beide an, weshalb es vorkommt, dass oft kurze Zeit hintereinander der eine wie der andere Bock auf der Bildfläche erscheint. Bockkonkurrenz, und besteht diese nur dort, wo gerade im Moment eine brunftige Geiß steht, fördert das Springverhalten. Dabei wirken auch weniger naturgetreu nachgemachte Locklaute. Deswegen ist die Springfreudigkeit in Revieren mit gutem Geschlechterverhältnis vergleichsweise groß.

Ein Blattplatz soll einen guten Überblick nach möglichst allen Seiten, unbedingt aber in Richtung des potentiellen Einstandes des Bockes bieten. Entfernungen dorthin sollten möglichst etwas weniger als hundert Meter betragen. Bei zu nahe gewählten Plätzen läuft der Jäger Gefahr, dass flott anlaufende Böcke ihn bei seinen Bewegungen mit dem Blattinstrument oder beim Waffe richten, bemerken.

Der Wind sollte bei der Auswahl eines Blattplatzes möglichst dorthin streichen, woher am wenigsten mit einem Bock zu rechnen ist.

Gut platzierte Hochsitze sind besser als Bodensitze, weil der zustehende Bock das lockende Reh bzw. das brunftende Rehpaar auf der Ebene des Bodens sucht und nicht im Himmel. Auf einem Hochsitz sitzend hat der Jäger eher die Möglichkeit, sich, vom zustehenden Bock unbemerkt, zu bewegen. Da nicht überall an guten Blattplätzen Hochsitze stehen, sind zum Blatten auch Standorte am Boden auszuwählen. Nur sollte dabei darauf geachtet werden, dass sie entweder im gedeckten Strauchwerk aufgeschlagen oder verblendet werden, mindestens aber einen dunklen Hintergrund haben. Denn am Boden entdeckt der springende Bock oft die kleinste Bewegung des Jägers, was es zu verhindern gilt.

Gedanken über die Auswahl der Blattplätze sollte man sich schon längere Zeit vor der eigentlichen Blattzeit machen und geeignete Plätze frühzeitig herrichten, freischneiden und, wenn notwendig, Pirschsteige dorthin kehren.

 

Schließlich gilt es das Blatten zu üben

Ungeübten und wenig musikalischen Jägern ist zu empfehlen, bereits im Juli und das alle Jahre wieder von neuem, zuhause im stillen Kämmerlein das Blatten aufzufrischen bzw. zu üben. Denn man braucht seine Zeit, um die Locklaute zu verinnerlichen.

Dieses alljährlich vorherige Üben ist auch deshalb zu empfehlen, weil man sich ganz schnell Laute angewöhnt, die zwar gut klingen aber halt keinen Bock aus dem Lager reißen. Zweckmäßig ist zum Üben eine gute akustische Vorlage, eine App, DVD oder CD. Wichtig ist auch, ein Blattinstrument zu besitzen, mit dem mit behutsamen Luftstößen die drei besonders erfolgversprechenden Blattlaute, der Fiep- und der Sprengfieplaut und das Angstgeschrei, leicht nachgemacht werden können.

 

Nicht wenige Jäger haben ein Instrument, mit dem nur Fieplaute imitiert werden können. Das schmälert in Revieren mit ungünstigem Geschlechterverhältnis oder dort, wo schon vor der Brunftzeit der Großteil der Böcke erlegt wurde, die Aussichten auf Blatterfolg erheblich. Wiederum andere besitzen ein Blattinstrument, das zwar alle Blattlaute ermöglicht, diese aber nur mit kräftigen Luftstößen erzeugen lässt. Die Folge sind zu laute oder zu grell klingende Töne, die meist nur an Liebe ausgehungerte junge Böcke anlocken. Erfahrene Böcke wissen bei Sprengfieplauten den Klang zu deuten, weshalb so mancher ältere Bock nur dann springt, wenn sie Liebesbegierde und Beschlagbereitschaft ausdrücken. Das tun nur ganz zarte und einige wenige in schneller Folge ausgestoßene Sprengfieplaute.

 

Erfolgreich blatten ist nicht schwer. Es erfordert ein Grundwissen über die Springbereitschaft der Böcke, ein gut eingestelltes Blattinstrument und den Zugriff auf naturgetreu klingende Locklaute, um ein treffsicheres Nachmachen zu üben.

Jetzt braucht es nur noch den Mut, es zu probieren!

Dann werden Ihnen spannende Blatttage höchste jagdliche Freuden bereiten. Dazu wird Ihnen die DVD des Verfassers als Anleitung und überzeugende Dokumentation zeigen, wie Böcke zum Springen gebracht werden können. Danach werden Sie hoch motiviert zur Blattjagd ausrücken.

 

FILMTIPP
für die DVD „Der sichere Weg zum Blattbock“, ca. 90 Minuten
Preis € 25,00 Euro plus Versand
Bezug per E-Mail: bartel.klein@gmx.de
Mobil: 0049 172 7864294
Post: Dr. Bartel Klein,
Plösen 1
95213 MÜNCHBERG
DEUTSCHLAND
www.dr-bartel-klein.de

   
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