Wieviel Salz benötigt Wild?

Die Frage der Notwendigkeit der Vorlage von Salz an Wildwiederkäuer, ob als Bergkern oder mineralisierten Leckstein, in diversen Sulzen angeboten, bereitet seit Urgroßvaters Zeiten Diskussionsstoff. Obwohl Pflanzenfresser mit ihren Salzvorräten gut haushalten können, sind Salzvorlagen im Frühjahr und Herbst anzuraten. Im Winter können Salzgaben Verbissschäden provozieren.

Zur Anlage von Sulzen gibt es verschiedenste Ideen. Foto: Salz Resisitz

Mineralstoffe werden vom Stoffwechsel genauso benötigt wie organische Äsungskomponenten. Die meist in wasserlöslicher Form aufgenommenen Mineralien, wie z.B. die Mengenelemente Kalzium, Phosphor, Natrium, Kalium, Chlor, Magnesium oder die Spurenelemente (Selen, Eisen, Jod usw.) werden entweder direkt ins Gewebe eingebaut, bilden einen Bestandteil von Stoffwechselprodukten oder spielen eine Rolle in der Regulierung des osmotischen Druckes und Säuregrades von Körperflüssigkeiten. Mineralstoffe haben also eine essentielle Bedeutung im Körper. Über den Blutweg gelangen sie in alle Zellen und wirken entweder alleine oder als Teil körpereigener Wirkstoffe (z.B. Hormone).

Kochsalz (Natriumchlorid) besteht aus den Elementen Natrium und Chlor. Natrium kommt im Körper besonders im Speichel (Pufferfunktion!), Blutserum und in der Muskulatur vor, wo Natrium am Ablauf der Muskelbewegungen beteiligt ist. Chlor kommt im Blut vor und ist notwendig bei der Verdauung im Magen (Labmagen beim Wiederkäuer), wo es einen Bestandteil der Salzsäure bildet. Im Stoffwechsel ist Chlor ein Begleiter von Natrium und Kalium. Da die Äsung und Futtermittel unserer Wild- und Haustiere ausreichend Chlor enthalten, sind bisher keine Mangelerscheinungen bekannt, ein Natriummangel ist aber möglich.

Ein Natriummangel senkt nach BUBENIK (1984) die Eiweiß- und Energieverwertung und wirkt sich negativ auf die Fruchtbarkeit aus, weiters sind bei Wildtieren Wachstum, Milchproduktion sowie Milchfettgehalt vermindert (MISSBACH, 1993). Der Natriumbedarf steigt stark während des Haarwechsels und der Milchbildung – Wiederkäuer können nach BUBENIK (1984) aber wegen des guten Haushaltes mit Natrium monatelang ohne größere Natrium-Zufuhr auskommen. Da in Pflanzen 4 bis 80mal mehr Kalium als Natrium enthalten ist, müssen Wiederkäuer täglich große Kaliummengen ausscheiden und diese durch Natrium ersetzten. Falls täglich Natrium zur Verfügung steht, können sie „salzsüchtig“ werden und den Überschuss nur durch größere Wasseraufnahmen ausscheiden. Dies kann im Winter zu unnötigen Verbissschäden führen, die immer wieder in der Nähe von Sulzen zu beobachten sind. Deshalb sollten Salzlecken günstigenfalls nur von Mai bis Juli sowie im September/Oktober angeboten werden. Gegenüber einem Natrium-Überschuss sind Wildwiederkäuer weitgehend unempfindlich. Sehr empfindlich reagieren jedoch Wildschweine, die bei Kochsalzvergiftungen zentralnervale Störungen zeigen. In Versuchen in freier Wildbahn wurden von ÜCKERMANN (1986) eine tägliche Salzaufnahme je Stück Rehwild von ca. 1 g und je Stück Rotwild von rund 3 g ermittelt. Salz wird vorgelegt entweder als Bergkern oder in Form von Mineralstoffmischungen. Bei mineralisierten Salzlecken ist die Akzeptanz sehr unterschiedlich, zudem ist ihr Kupfergehalt bei der Vorlage an Muffel- oder Rehwild zu berücksichtigen, bei denen es zu Kupfervergiftungen kommen kann.

Trotz des Salzhungers unseres Wildes sollten Sulzen nicht als weitere Form der Kirrung Verwendung finden. Ebenso sind Sulzen während Seuchenzügen (z.B. Moderhinke, Gamsblindheit, Räude) zu entfernen, um nicht über die Konzentration des Wildes an den Salzlecken die Übertragungsmöglichkeiten weiter zu erhöhen.

Ergänzungsfuttermittel oder Mineralfuttermittel mit Salz

Als Ersatz für den Bergkern werden hin und wieder auch Ergänzungs- oder Mineralfuttermittel vorgelegt. Bei diesen Futtermitteln ist einerseits zu beachten, dass sie normalerweise in sehr geringen Prozentsätzen (rund 1 – 2,5%) in andere Futtermittel eingemischt werden und daher die Gefahr beispielsweise einer Vitamin A- oder D-Vergiftung gegeben ist und andererseits durch weitere Futtermittelkomponenten (wie Melasse, Haferflocken, Mais, Weizenkleie) eine zusätzliche Lockwirkung besteht und eine solche Vorlage damit unter den Begriff „Kirrung“ fällt. In den meisten Ländern ist auch eine Rotwildfütterung außerhalb von genehmigten Fütterungsstandorten verboten.

 

Auszug aus:

 

 

 

 

 

 

 

 

Armin Deutz / Johann Gasteiner / Karl Buchgraber

FÜTTERUNG VON REH- UND ROTWILD – Ein Praxisratgeber
144 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 16,5 x 22 cm, Hardcover, € 22,90

ISBN 978-3-7020-1216-8

   
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