Fütterungsrichtlinie für Rehwild

Die Fütterungsrichtlinie dient als Anleitung für eine artgerechte Rehwildfütterung, die besondere Bedeutung im Bezug auf schadensminimierende Wirkung in land- und forstwirtschaftlichen Kulturen sowie der Lenkung des Rehwildes hat.

In naturnahen Wäldern und nicht zu intensiv bewirtschafteten sowie strukturreichen Agrargebieten mit störungsfreien Rückzugsorten kann Rehwild größtenteils ohne ergänzende Fütterung auskommen.

Wenn während der gesetzlich erlaubten Zeit gefüttert wird, muss Rehfutter ständig vorhanden sein, um zu jeder Zeit und nach Belieben aufgenommen werden zu können. Rehwild, das nur an einigen Tagen der Woche oder gar nur am Wochenende gefüttert wird, leidet während der restlichen Zeit Hunger und der Effekt der schadensminimierenden Wirkung kann zum Gegenteil geraten.

Eine ordnungsgemäße Rehwildfütterung verringert die Wintersterblichkeit und erhöht daher die Vermehrung. Sowohl bei der Abschussplanung, als auch bei der Abschusserfüllung ist darauf Rücksicht zu nehmen.

Wesentliche Grundsätze einer artgerechten Rehwildfütterung

Richtiger Zeitpunkt und Dauer der Fütterung

Der richtige Zeitpunkt für den Beginn und das Ende der Fütterung unter Berücksichtigung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen hängt primär vom natürlichen Äsungsangebot und den klimatischen Bedingungen ab.

Es ist zu bedenken, dass für die Gewöhnung der Rehe bzw. deren Verdauungsorgane und den Fütterungsstandort etwa drei bis vier Wochen einzuplanen sind.

Um eine unerwünschte Konzentration von Rehen durch einen „Fütterungstourismus“ zu minimieren, ist ein gemeinsamer Beginn mit gleichwertigen Futtermitteln dringend zu empfehlen.

Im Frühjahr sollten die Rehe ausreichend Zeit haben, um sich langsam auf die Frühjahrsäsung umstellen zu können. Daher kann ein zu frühes Absetzen der Fütterung Verdauungsstörungen und u.U. einen erhöhten Verbissdruck zur Folge haben.

Fütterungsstandort

Die richtige Lage der Fütterung ist eine wichtige Voraussetzung für den maximalen Lenkungseffekt und somit für die Vermeidung von Wildschäden.

Deshalb sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:

– ausreichender Witterungsschutz sowie maximale Ruhe im Fütterungsbereich

– zusätzliches natürliches Äsungsangebot in der Umgebung

– geringe Schadensanfälligkeit des Waldes in den umliegenden Einständen

– Möglichkeit regelmäßiger Futtervorlagen auch bei extremen Schneelagen

– Wild nicht aus Einständen über Verkehrswege lenken

– Trennung von Fütterungs- und Bejagungsbereich

– Zustimmung und Abstimmung mit dem Grundeigentümer betreffend forstlicher Maßnahmen

Richtige Futtervorlage

– Die Anzahl der Fütterungen richtet sich nach Lebensraum und Rehwildeinständen, wobei mehrere kleine Futterstellen günstiger sind, als wenige große Futterstellen.

– möglichst viele anwesende Rehe an einem Standort sollten gleichzeitig Futter aufnehmen können, daher sind Futterautomaten mit beiderseitigem Zugang oder mehrere kleine Automaten zu empfehlen.

– das Futter muss während der Fütterungsperiode ohne Unterbrechung zur unbegrenzten Aufnahme zur Verfügung stehen.

– Futtertröge sollten immer von der Wetterseite abgewandt sein .

– bei Vorkommen von Rotwild sind Rehwildfütterungen rotwildsicher einzuzäunen.

– ist zusätzlich Schwarzwild vorhanden, ist der Zaun innenseitig mit einer, bis zu 50cm hohen Querlattung zu versehen, wodurch das Eindringen von Schwarzwild erschwert wird. Auf die ortsübliche Schneehöhe ist dabei zu achten.

Futtermittel

Die verwendeten Futtermittel sollten aus heimischer Produktion sein und müssen nicht nur wiederkäuergerecht, sondern für Rehe artgerecht und geschmacklich attraktiv sein. Als wiederkäuer- und artgerecht gilt jenes Futter, dass neben den erforderlichen Nährstoff- und Mineralstoffmengen auch die geeignete physikalische Struktur aufweist (fördert das Wiederkauen).

Bei stark energiereich und schnell verdaulicher Nahrung, wie etwa Getreide, steigt in Folge des raschen Nährstoffabbaus der Säuregehalt im Pansen sehr rasch an (lebensbedrohliche Pansenübersäuerung/Azedose). Eine grobe Futterstruktur bewirkt eine intensive Wiederkautätigkeit und verhindert die Pansenübersäuerung.

Folgende Futtermittel sind als Mischkomponenten empfehlenswert:

– blattreiches Kräuter- und Kleeheu

– gut angewelkte junge Kleesilage

– Zuckerrüben (Hygiene!)

– Rehwildfutter in loser Form, wobei Getreide immer als Mischung mit einem Trägerfuttermittel wie Obsttrester (trocken), geschnittenes Klee- bzw. Kräuterheu oder Rübenschnitte zu verwenden ist.

– Salzvorlage während der Fütterungsperiode ist eigentlich nicht notwendig, wenn Natrium über die Mineralstoffe im Futtermittel aufgenommen wird.

Das vorgelegte Futter kann jedenfalls nur dann effizient gegen Verbiss wirken, wenn es eine höhere geschmackliche Attraktivität aufweist, als die Triebe der forstwirtschaftlich bedeutenden Gehölze.

Fütterungsfehler vermeiden

Rehwildfutter nicht hauptsächlich in pelletierter Form verwenden; der Rohfaseranteil kann durchaus entsprechen, die Struktur fehlt aber völlig. Es muss gewährleistet werden, dass Struktur aufgenommen wird.

Durch unbeschränkten Zugang zu Körnerfutter (z.B. Maisvorlage, Zugang zu Fasanschütten) kann es zu Pansenübersäuerung (Azedosen) und in der Folge zu Fallwild kommen. Die Vorlage von verpilztem (Schimmelpilze) oder verfaultem Futter (auch Druschabfälle) sowie überjährig gelagertes oder minderwertiges Raufutter ist zu vermeiden. Aus Gründen der Verschmutzung sollte von einer Bodenvorlage Abstand genommen werden.

Selbstverständlich für den Jäger ist, heimische Futtermittel mit bester Qualität vorzulegen.

Hygiene

Bereits während der Fütterung ist auf die Hygiene zu achten (v.a. bei Bodenvorlage von Rüben). Nach Ende der Fütterungsperiode im Frühjahr ist der Futterplatz zu säubern und möglichst mit Branntkalk zu desinfizieren. Auch ein sonniger Platz ist dabei zu empfehlen (UV Licht).

Merksätze

Bei der Winterfütterung muss das Rehwild das gewohnte, artgerechte und gleichzeitig geschmacklich attraktive Futter über die ganze Fütterungsperiode an geeigneten Standorten in ausreichenden Mengen jederzeit nach Bedarf zur Verfügung haben.

   
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